Lateinische Lyrik, Dante und Boccaccio im Überblick
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Lateinische Lyrik und der Einfluss von Horaz
Die lateinische Lyrik, insbesondere Horaz und seine Bedeutung in den Texten von Fray Luis de León, ist ein zentrales Thema. Die Lyrik ist eine poetische Form, in der traditionell intensive Gefühle oder tiefe Reflexionen ausgedrückt werden – beide Ideen gelten als Manifestationen der Erfahrung des 'Ich'. Fray Luis war nicht nur ein großer Dichter, sondern auch ein hervorragender Prosaist und politischer Denker. Sein gesamtes Werk zeigt eine tiefe Kenntnis antiker Texte, sowohl biblischer Schriften als auch der lateinischen Poesie, insbesondere von Horaz, dessen Werke er teilweise übersetzte und der seine Dichtung maßgeblich beeinflusste. In der kastilischen Auslegung (Exposición) findet sich das 'Hohelied', zudem kommentierte er die 'Sprüche Salomos'.
Die lyrische Form par excellence bei Horaz sind die Oden: Sie bestehen aus vier Büchern, wobei das letzte am Ende seines Lebens hinzugefügt wurde. Die Themen sind vielfältig:
- Liebesoden: Gewidmet Lydia, Pyrrha, Chloe etc.
- Philosophische Oden: Epikureisch geprägt.
- Römische Oden: Sie feiern die Heldentaten von Drusus und Tiberius.
Alle diese Themen werden meisterhaft in einer Vielzahl von Vers- und Strophenarten sowie in einer durchdachten und weisen Komposition ausgedrückt.
Dante Alighieri und die Göttliche Komödie
Dante Alighieri schuf ein theologisches Gedicht, dessen genauer Entstehungszeitraum unbekannt ist. Jeder Teil ist in Gesänge (Cantos) unterteilt, die wiederum aus Terzinen bestehen. Die Komposition des Gedichts ist durch die Symbolik der Zahl Drei geordnet. Diese Zahl symbolisiert die Heilige Dreifaltigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist) sowie Ausgeglichenheit und Stabilität in verschiedenen Kulturen. Zudem bezieht sie sich auf das Dreieck der drei Hauptfiguren: Dante, der den Menschen verkörpert; Beatrice, die den Glauben repräsentiert; und Vergil, der die Vernunft verkörpert. Jede Strophe hat drei Zeilen, und jeder der drei Teile umfasst dreiunddreißig Gesänge. Die mathematische Struktur der Göttlichen Komödie ist weitaus komplexer, als hier skizziert.
Das Gedicht kann auf vier Ebenen gelesen werden, die auch heiligen Texten zugeschrieben werden:
- Wörtlich
- Allegorisch
- Moralisch
- Anagogisch
Dante beweist hierbei eine große Synthesekraft, die charakteristisch für bedeutende Dichter ist. Der erste Teil erzählt von der Höllenfahrt des Autors, begleitet vom lateinischen Dichter Vergil, dem Autor der Aeneis, den Dante sehr bewunderte. Die Hölle wird als Trichter mit der Spitze nach unten beschrieben und besteht aus neun Kreisen, in denen die Verdammten je nach Schwere ihrer Sünden bestraft werden – bis hin zum letzten Kreis 'Giudecca'. Im zweiten Teil ist das Fegefeuer ein Berg mit terrassierten Hängen, symmetrisch zur Hölle aufgebaut. Im Paradies trifft Dante schließlich seine geliebte Beatrice in der Nähe Gottes, inmitten des Empyreums, umgeben von Engelschören. Als der Dichter seinen Blick auf Ihn richtet, überfluten ihn die Erinnerungen, er wird ohnmächtig und erwacht schließlich.
Giovanni Boccaccio und die italienische Prosa
Giovanni Boccaccio, der Sohn eines florentinischen Kaufmanns und einer französischen Dame, wurde 1313 in Paris geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Certaldo (dem Geburtsort seines Vaters) und seine Jugend in Florenz und Neapel. Mit 23 Jahren verliebte er sich in eine Dame des Hofes von Anjou, Maria d'Aquino, die er Fiammetta nannte. Im Jahr 1340 kehrte er nach Florenz zurück, wo er bis 1362 lebte. Der Besuch eines Kartäusermönchs, der ihn aufforderte, die weltlichen Schriften aufzugeben, um den Qualen der Hölle zu entgehen, führte ihn zum Rückzug in die Einsamkeit von Certaldo, wo er 1375 starb.
Er trieb die Reifung der italienischen Prosa voran, die durch das Vorherrschen erzählender Formen gekennzeichnet ist. Seine Werke sind sehr abwechslungsreich: Er pflegte Poesie, Wissenschaft und vor allem die Erzählkunst. Als Dichter schrieb er Eklogen in Latein im Stile Petrarcas. Werke wie Filostrato, Teseida, Amorosa Visione oder Ninfale Fiesolano belegen dies. Als Humanist verfasste er De mulieribus claris (Biografien berühmter Frauen) und De casibus virorum illustrium. In seinem Prosawerk Fiammetta (ursprünglich Elegia di Madonna Fiammetta genannt) begründete er ein neues Genre: den psychologischen Roman, in dem die Analyse der Gefühle überwiegt. Eine Frau erzählt darin in autobiografischer Form von ihrer Verzweiflung über den Verlust ihres Geliebten.