Lateralität: Entwicklung, Dominanz und Förderung im Kindesalter
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Lateralität: Begriff und Bedeutung im Bildungskontext
Unter Lateralität versteht man die Bevorzugung einer Körperseite. Sie bestimmt, welche Hand, welches Auge oder welcher Fuß bevorzugt eingesetzt wird. Die Lateralität ist eng mit der Zustellung der Dominanz verbunden und beeinflusst verschiedene Bereiche der Entwicklung.
Dominanz und Verwendung
Die Dominanz einer Körperseite zeigt sich darin, dass ein Teil des Körpers bevorzugt verwendet wird. Man unterscheidet dabei zwei Formen der Verwendung:
- Die Verwendung bei alltäglichen Handlungen
- Die Bevorzugung bei spontanen Bewegungen
Die Verwendung einer Seite wird oft als Dominanz bezeichnet. Eine Hauptursache für Probleme oder Schwierigkeiten kann eine unklare Dominanz sein.
Verantwortlichkeit für die räumliche Orientierung
Die Lateralität ist verantwortlich für die räumliche Orientierung. Eine asymmetrische Verwendung der Körperteile ist funktionsfähig und stellt keine Abweichung dar, sondern eine natürliche Form der Asymmetrie.
Zwei Typen der Lateralität
Gunns Homogenität unterscheidet folgende Formen der Lateralität:
- Integrale (vollständige) Lateralität: eindeutige Bevorzugung einer Seite (Rechts- oder Linkshändigkeit)
- Nicht-integrale Lateralität: gemischte Formen wie Kreuzlaterialität, undefinierte Laterialität oder verdeckte Linkshändigkeit
Die Laterialität steht in Verbindung mit dem genetischen System, ist jedoch nicht allein durch Vererbung bestimmt. Sie hängt außerdem von der neurologischen Reifung ab. Die Ausprägung kann durch soziale und kulturelle Faktoren modifiziert werden.
Die Bewertung der Laterialität erfolgt über die spontane Verwendung (Hand beim Greifen von Gegenständen) und über die Verwendung bei Aufgaben (Schreiben, Werfen, Ziehen). Eine Festlegung vor dem vierten Lebensjahr ist problematisch.
Entwicklung der Lateralität
- Die Händigkeit ist bereits bei der Geburt erkennbar und hängt mit der Reifung des Gehirns zusammen.
- Ab etwa dem vierten Lebensmonat beginnt das Kind, Objekte gezielt zu greifen.
- Ab dem siebten Lebensmonat zeigt sich häufig eine Tendenz, eine Hand bevorzugt zu verwenden, sobald das Kind mit einer Hand eine Aufgabe besser bewältigt.
Allgemein lässt sich sagen:
- Vom dritten Lebensjahr an schwankt die Dominanz (die Seite kann wechseln).
- Zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr zeigt sich häufig eine Dominanz, die sich mit der Zeit verfestigt.
- Mit etwa sechs Jahren ist die Laterialität in der Regel endgültig ausgeprägt. Die Dominanz einer Hand wird dann bewusst und stabil.
Sportliche Aktivitäten können die Bewusstwerdung der Laterialität deutlich unterstützen.
Rechts-Links-Unterscheidung
- Stufe 1: Es existiert noch keine Unterscheidung der beiden Seiten des eigenen Körpers.
- Stufe 2 (4–5 Jahre): Das Kind versteht die Positionen der Körperteile, kann aber rechts und links noch nicht sicher unterscheiden.
- Stufe 3 (6–7 Jahre): Das Kind kann rechts und links am eigenen Körper unterscheiden.
- Stufe 4 (ab 8 Jahren): Das Kind besitzt eine ausreichend sichere Unterscheidung von rechts und links, auch auf andere Personen bezogen.
Allgemeine Orientierungen für die erzieherische Intervention
Eine Laterialität lässt sich nur schwer und nur äußerst vorsichtig beeinflussen. Gezielte Übungen helfen Kindern, Laterialität klar auszubilden. Problematisch ist es, wenn Intervention zu früh oder ohne Grundlage erfolgt. Im Zweifel sollte nicht eingegriffen werden. Stattdessen sollte mit Vorsicht und Umsicht gehandelt werden.
- Die vorgeschlagenen Übungen sollten nicht mit den Begriffen rechts und links verknüpft werden, wenn die Unterscheidung noch nicht gefestigt ist.
- Ist die Laterialität noch nicht gut entwickelt, sollte das Kind zunächst lernen, rechts und links zu unterscheiden.
Bei Kindern unter drei Jahren ist noch keine klare Dominanz vorhanden. Hier ist kein gezieltes Eingreifen notwendig. Das Kind soll spielen, manipulieren und die Welt entdecken dürfen. Die Begriffe rechts und links sind in diesem Alter noch nicht sinnvoll zu vermitteln.
Festlegung der Laterialität (3–6 Jahre): In dieser Phase zeigt sich eine allgemeine seitliche Dominanz. Ziel ist es, am Ende dieser Stufe eine feste Dominanz eines Körperteils zu erreichen. Dies geschieht durch möglichst viele Gelegenheiten zu Bewegung und Aktivität. Dabei gilt:
- Es sollten Bewegungen vermieden werden, die einseitig den Körper belasten.
- Die Körpersymmetrie sollte bewusst gemacht und räumliche Beziehungen (Position der Körperteile zueinander) gefestigt werden.
- Das Kind sollte schrittweise erkennen, welche Seite es bevorzugt verwendet.
- Die Unterscheidung der Körperseiten sollte angebahnt werden, zunächst am eigenen Körper.
Förderung der Laterialität (6–8 Jahre)
Das wichtigste Ziel ist es, die Laterialität zu stärken, die bereits gefestigt ist. Sportliche Aktivitäten dienen dazu, die Bewegungen der dominanten Körperseite zu festigen. Zudem sollen Kinder rechts und links am eigenen Körper und an anderen Personen differenzieren lernen.
Laterialität und Reifung (ab 8 Jahren)
Ab etwa acht Jahren kommt es auf die Qualität der Bewegung an, insbesondere auf die Bewegungen der nicht dominanten Körperseite. Sportliche Aktivitäten sollten daher gezielt die Koordination beider Körperseiten fördern. Komplexe Probleme können schrittweise gelöst werden, indem räumlich-zeitliche Begriffe vermittelt werden.