Lazarillo de Tormes: Analyse und Themen des Schelmenromans

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Struktur und Erzählperspektive des Romans

Die Struktur des Romans besteht aus einem Prolog und ist in sieben Kapiteln organisiert. Die Geschichte wird in der ersten Person erzählt und schildert das Leben von Lázaro González Pérez.

Lázaros Herkunft und Jugend

Lázaro wird in Salamanca, nahe dem Fluss Tormes, in ärmlichen Verhältnissen geboren. Er wächst vaterlos auf, und seine Mutter dient einem Blinden (Ciego). Von diesem ersten Meister lernt Lázaro die List und die Kniffe, die ihm später nützlich sind, um zu überleben und sich von ihm zu lösen.

Die Meister des Lázaro

Lázaro dient im Laufe der Handlung mehreren Herren, die seine Entwicklung prägen:

  • Der blinde Bettler

    Der erste Meister lehrt Lázaro das Überleben durch List und Härte.

  • Der geizige Kleriker

    Der zweite Meister war ein egoistischer Kleriker, der Lázaro kaum zu essen gab. Lázaro musste ihm heimlich Lebensmittel entwenden, ohne dass dieser es bemerkte. Als er entdeckt wurde, verlor Lázaro seine Anstellung.

  • Der verarmte Hidalgo

    Anschließend dient Lázaro einem Hidalgo (verarmter Adliger). Seine Situation verschlechtert sich im Vergleich zur zweiten Anstellung, da er nun sowohl für seine eigenen Bedürfnisse als auch für die seines Herrn Nahrung suchen muss. Lázaro sympathisiert mit ihm, doch die Anstellung ist von kurzer Dauer, da der Herr plötzlich die Stadt verlässt.

  • Der unmoralische Mönch (Fraile)

    Sein vierter Meister ist ein Söldner-Mönch. Lázaro berichtet, dass dieser weder das Klosterleben noch das Beten mochte und grausame Laster pflegte (wie Pädophilie), weshalb Lázaro ihn verlässt.

  • Der betrügerische Ablasshändler

    Der fünfte Meister ist anders: Lázaro nimmt als Zuschauer an dessen Betrügereien teil und erkennt die schreckliche Natur dieser Tricks. Lázaro genießt hier jedoch Ruhe und erhält Geld, wodurch sein Leben weniger beschwerlich wird.

Spätere Anstellungen und Aufstieg

In den folgenden Anstellungen werden die Beziehungen des Protagonisten zu seinen weiteren Herren (einem Kaplan, einem Tamburinmeister, einem Gerichtsdiener und einem Erzpriester) erklärt. Die Geschichte endet mit Lázaros Unabhängigkeit und seiner Heirat, die er seiner Stellung als Pregonero (Stadtausrufer) verdankt.

Ende und verborgene Wahrheit

Die verborgene Wahrheit ist, dass die Ehe nur dazu dient, die Beziehung zwischen Lázaros Frau und dem Erzpriester zu vertuschen. Obwohl er getäuscht wird, scheint es, als würde der Protagonist lügen, sich taub gegenüber Gerüchten stellen und so tun, als sei er glücklich. Dies ist die Art und Weise, wie wir das Ende des Werkes verstehen sollen.

Zentrale Themen und literarische Bedeutung

Der Roman behandelt zentrale Themen wie Moral, die Kritik an falschem Sinn und Heuchelei sowie die Infragestellung der Ehre und Würde. Das Werk gilt als realistischer Einblick in die damalige Zeit.

Der Autor, dessen Identität unbekannt ist, wird mit verbotenen Büchern in Verbindung gebracht und das Werk selbst wurde in den Index der Inquisition aufgenommen. Die zentralen Themen des Schelmenromans sind:

  • Kleinlichkeit und Gier
  • Vorspiegelung falscher Tatsachen und falsche Frömmigkeit
  • Korruption des Klerus
  • Betteln, Waisen und Hunger

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