Leben und Werk des Dichters Vergil

Eingeordnet in Latein

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 3,86 KB

Leben des Vergil

Vergil wurde 70 v. Chr. in eine bescheidene Familie in der Nähe von Mantua geboren. Als er zwanzig Jahre alt war, ging er nach Rom, um Rhetorik zu studieren. Da er jedoch aufgrund seiner schüchternen Art, seiner schwachen Gesundheit und seiner mangelnden rhetorischen Begabung nicht als Redner arbeiten konnte, kehrte er nach einer Zeit in Rom zurück. Dank der Unterstützung durch Augustus erhielt er eine Entschädigung in Kampanien. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in einer Villa in Neapel, die ihm Augustus geschenkt hatte.

Im Jahr 19 v. Chr. reiste er nach Griechenland und Kleinasien, um die Schauplätze seines Epos, der Aeneis, zu besuchen und Korrekturen vorzunehmen. Er erkrankte jedoch in Megara, kehrte nach Italien zurück und starb kurz darauf in Brindisi. Auf dem Sterbebett bat er Augustus, sein unvollendetes Werk zu vernichten, doch dieser ließ es dennoch veröffentlichen. Zu Vergils Hauptwerken zählen die Bukolika, die Georgica und die Aeneis.

Die Bukolika

Die Bukolika bestehen aus zehn kurzen Gedichten über das Hirtenleben. Sie zeigen einen deutlichen Einfluss des hellenistischen Dichters Theokrit von Syrakus. In diesen Gedichten besingen Hirten ihre Liebe und ihr Leid, oft in Form eines poetischen Wettstreits zwischen zwei Hirten, bei dem ein dritter als Richter fungiert. Die Handlung spielt in Arkadien, einer von Vergil erfundenen literarischen Landschaft, die über das historische Arkadien im Zentrum des Peloponnes hinausgeht. Die Eklogen sind in Hexametern verfasst.

Die Georgica

Die Georgica sind ein zwischen 36 und 29 v. Chr. verfasstes Lehrgedicht über landwirtschaftliche Methoden, bestehend aus vier Büchern:

  • Buch I: Allgemeine Pflege der Felder.
  • Buch II: Weinbau, Oliven- und Obstbäume sowie eine Laudatio auf das Landleben.
  • Buch III: Viehzucht und Haustiere, inklusive einer dramatischen Schilderung einer Viehseuche.
  • Buch IV: Leben und Zucht der Bienen, ergänzt durch die mythologische Episode des Hirten Aristaeus.

Aus künstlerischer Sicht gelten die Georgica als das am sorgfältigsten ausgearbeitete Werk Vergils.

Die Aeneis

Die Aeneis ist der Höhepunkt des römischen Epos. Sie erzählt von der Ansiedlung des Trojaners Aeneas in Italien auf ausdrücklichen Wunsch der Götter, um die Gründung Roms vorzubereiten. Damit wird der göttliche Ursprung der Stadt und der julischen Familie legitimiert, da Julius Cäsar seine Abstammung auf Iulus, den Sohn des Aeneas und Enkel der Venus, zurückführte.

Aufbau der Aeneis

Die Aeneis besteht aus 12 Gesängen:

  • Gesang I: Ankunft des Aeneas vor Karthago und der von Juno verursachte Sturm.
  • Gesang II & III: Aeneas berichtet Dido, der Königin von Karthago, vom Untergang Trojas und dem Tod seines Vaters Anchises in Sizilien.
  • Gesang IV: Die tragische Liebesgeschichte zwischen Dido und Aeneas.
  • Gesang VII: Ankunft in Italien und Beginn des Krieges gegen Turnus.
  • Gesang VIII–XI: Kämpfe der Trojaner gegen die italischen Stämme.
  • Gesang XII: Entscheidung durch den Zweikampf zwischen Aeneas und Turnus.

Inspiration der Aeneis

  • Homer: Die Aeneis ist stark von der Ilias und der Odyssee inspiriert.
  • Ennius und Naevius: Diese Dichter behandelten bereits die Legende des Aeneas im Kontext der römischen Geschichte.
  • Mythologie und Legenden: Vergil nutzte die reiche Tradition der epischen Sage, um sein Werk zu gestalten.

Verwandte Einträge: