Das Leib-Seele-Problem: Von Platon bis Thomas von Aquin
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Das Problem der Beziehungen zwischen Leib und Seele
Platon: Der Mensch ist im Kern seine Seele. Er besteht zwar aus einem Körper, doch die Seele hat Vorrang vor diesem „Gremium“ (Gefäß). Wissen ist die Quelle des Guten und rein rational. Der Körper allein ist der Empfänger der Alma (Seele), die mit ihren Leidenschaften und tierischen Instinkten behaftet ist, was zu Fehlern in der Erkenntnis führt. Die menschliche Seele (Alma Humana) ist unsterblich; ihre Verbindung mit dem Körper ist nur momentan. Wenn eine Person stirbt, erlangt seine Seele Zugang zu einer anderen Dimension, in der sie wahres Wissen erreicht. Nach einiger Zeit kehrt die Seele zurück, um in einem neuen Körper wiedergeboren zu werden.
Für Platon besteht die Seele aus drei Teilen, die jeweils eine andere Funktion und verschiedene moralische Tugenden haben. Jeder Teil entspricht einem idealen politischen Staat und einer Art von Bürger. Für ein ausgewogenes menschliches Bedürfnis muss der rationale Teil über den Willen und die Instinkte herrschen.
Der Hellenismus: Philosophie und das Individuum
Hellenismus: Ein neuer Menschentyp tritt aus der Politik hervor, geprägt von einer Haltung der Gleichgültigkeit. Diese Philosophien finden in neuen Strömungen ihren Ausdruck. Für Epikur will der weise Mann glücklich sein, indem er sich nicht der Politik hingibt. Auch für die Stoiker gilt das Ideal des Weisen, wobei der Mensch primär als Individuum gesehen wird. Es entsteht ein Konflikt zwischen der gesellschaftlichen Rolle und der intimen Persönlichkeit.
Neue Bewegungen wie der Stoizismus und der Epikureismus bringen neue Werte hervor: die Freiheit des Einzelnen, das Fehlen von Schmerz in Geist und Körper (Ataraxie) sowie die Autarkie und die Kontrolle über Körper und Geist.
Das Christentum: Offenbarung und Schöpfung
Christentum: Die zentralen Säulen sind: Die Wahrheit wird offenbart, und der allmächtige Gott offenbart die Wahrheit des Glaubens. Der Mensch nimmt das Wort Gottes als das Licht an. Deshalb muss er dem Universum gehorchen, welches aus dem Nichts geschaffen wurde (Creatio ex nihilo) – eine Vorstellung, die für einen Griechen irrational wäre. In der Bibel, dem heiligen Buch des Christentums, ergreift Gott das Wort.
Die Vision des Menschen im christlichen Glauben
Gott schuf den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis als Mittelpunkt der Schöpfung. Trotz der Endlichkeit des Menschen werden die Würde und Gleichheit aller Menschen verteidigt. Die menschliche Seele ist unsterblich und besitzt eine Verbindung zum Schöpfer, der den materiellen Körper wiederbeleben kann. Während der Körper die Seele zur Sünde anstacheln kann, werden am Ende der Zeit die Menschen an Leib und Seele auferstehen.
Menschliche Moral und göttliches Gesetz
Die menschliche Moral hängt nicht nur von der Vernunft ab, sondern von den Gesetzen Gottes. Der Mensch muss diese Gesetze respektieren, um nicht in Sünde zu fallen. Neue moralische Begriffe wie die Sünde entstehen. Der Mensch ist frei, das Wort Gottes zu akzeptieren oder nicht, und trägt somit die Verantwortung dafür, ob er gerettet oder verdammt wird.
St. Thomas von Aquin: Die aristotelische Synthese
St. Thomas von Aquin: Als Anhänger von Aristoteles lehrte er, dass die menschliche Natur aus Körper und Seele zusammengesetzt ist. Die Seele ist dabei der Hauptteil und unbestechlich; sie ist der Beginn des Lebens im Körper. Der Körper hingegen ist vergängliches Material. Die Vereinigung von Körper und Seele ist essenziell, da der Mensch Empfindungen nur durch den Körper wahrnehmen kann.
Der Mensch wird als Animal Rationale (vernunftbegabtes Tier) definiert. Daraus ergeben sich folgende Verpflichtungen:
- Erhaltung des menschlichen Lebens.
- Die Pflicht, Kinder zu erziehen.
- Eine moralische Verpflichtung, die Wahrheit zu suchen und Unwissenheit zu vermeiden.
- Gerechtigkeit und Achtung gegenüber den Mitbürgern.