Leitfaden der Gesprächsführung und Fallanalyse: Fall Fanny

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Prinzipien der Gesprächsführung

1. Individuation

Vermeidung von Voreingenommenheit und Vorurteilen: Dieses Prinzip ist in vollem Umfang schwer anzuwenden, da es schwierig ist, die eigene Sichtweise nicht einfließen zu lassen. Manchmal wich das Gespräch vom Thema ab, beispielsweise bei Fragen zu persönlichen Beziehungen, was ein unangenehmes Gefühl hinterließ.

Wissen über menschliches Verhalten: Wir wenden dieses Prinzip an, um Fannys problematische Situation durch Erkenntnisse aus der Psychologie und anderen Wissenschaften über das menschliche Verhalten zu verstehen.

Fähigkeit zuzuhören und zu beobachten: Wir hören uns ihre Probleme an und beobachten ihr Verhalten, während sie ihre Lebensgeschichte erzählt. Es ist jedoch schwierig, ihr wirkliches Problem sofort festzustellen.

Anpassung des Tempos (Pacing): Wir versuchen, Schritt für Schritt vorzugehen. Es ist jedoch schwierig, das Interview nicht zu beschleunigen, da wir Informationen zur Wohnsituation unter Zeitdruck (innerhalb von 15 Minuten) benötigen, obwohl sie viel mehr zu erzählen hätte.

Empathie und Einfühlungsvermögen: Wir zeigen Empathie und stellen empathische Fragen, was zu einer emotionalen Resonanz bei beiden Parteien führt.

Fähigkeit zur Vorausschau: Wir versuchen, das Interview im geplanten Rahmen zu halten, was uns weitgehend gelungen ist.

2. Mittel zur Erreichung der Individuation

Liebe zum Detail: Wir versuchen, das Interview nach einem Zeitplan zu führen, der ihr gerecht wird und zu einer Lösung führt.

Diskretion im Interview: Dies gelingt uns, indem wir das Gespräch an dem Ort führen, an dem sie sich aufhält (auf der Straße).

Sorgfalt bei der Aufzeichnung: Das Interview wurde zum vereinbarten Zeitpunkt dokumentiert.

Vorbereitung auf das Gespräch: Wir haben versucht, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. Da wir bereits vorab Informationen hatten, wurde die Entwicklung des Gesprächs erleichtert.

Zusammenarbeit fördern: Die Zusammenarbeit war gut, aber nicht vollständig, da sie oft vom Thema abwich und sich ausschließlich auf die Notwendigkeit eines eigenen Hauses konzentrierte.

Flexibilität: Wir waren nicht vollständig flexibel, da wir mehr über das zentrale Problem erfahren mussten und andere Dinge vernachlässigen mussten.

3. Vorsätzlicher Ausdruck von Gefühlen

Wir glauben, dass wir eine flexible Umgebung geschaffen haben, in der sie es wagte, uns tiefgreifend über ihr Leben zu berichten. Wir haben versucht, das Gespräch auf ihre Familie zu lenken. Wir geben keine unrealistischen Ratschläge, sondern zeigten am Ende des Gesprächs Wege und Netzwerke für professionelle Hilfe auf, wie etwa den Gang zur Gemeinde.

Mission des Interviewers: Wir waren nervös, ihre Geschichte zu hören und zu prüfen, ob wir als Interviewer funktionieren. Dies zeigte sich in Gesichtsausdrücken oder unpassenden Worten. Wir bemühten uns um Ruhe, um ihren Egozentrismus nicht zu verstärken, der daraus resultierte, dass sie wohl noch nie so innig mit jemandem gesprochen hatte. Wir blieben flexibel und ließen die Dinge natürlich fließen.

Ausdruck von Gefühlen bei Untersuchung und Diagnose: Zu Beginn fühlten wir uns wohl, doch im Verlauf variierten unsere Gesten, etwa als sie über ihre Nachtarbeit erzählte. Wir waren traurig über ihr Zeugnis, da ihre Kinder davon betroffen sind.

4. Kontrollierte emotionale Beteiligung

Als Fanny von ihren Kindern, der Arbeit und dem mangelnden Support ihres Partners erzählte, sahen wir den Schmerz in ihren Augen. Auch wenn wir es nicht immer in Worte fassten, gaben wir ihr durch beruhigende Gesten Verständnis und Unterstützung.

5. Akzeptanz

Obwohl Fanny keine feindselige Person ist, akzeptieren wir sie in ihrer Art und Weise. Sie suchte keinen Richter, sondern einen Leitfaden für die nächsten Schritte und Hilfe.

Hindernisse für die Akzeptanz: Es war unmöglich, die Arbeit mit ihren Kindern zu ignorieren, was wir als zentrales Problem betrachteten.

6. Nicht wertende Haltung

Wir versuchen, sensibel zu sein und keine Worte zu wählen, die ihr ein schlechtes Gefühl geben könnten. Trotz unserer Mimik versuchten wir ihr zu vermitteln, dass wir sie nicht beurteilen, sondern in ihrem Leben leiten möchten.

7. Selbstbestimmung des Einzelnen

Wir haben die Umgebung so gestaltet, dass wir das Gespräch leiten konnten, ohne unsere Rolle als Studenten zu vergessen. Sie versuchte, ihre Situation zu akzeptieren und Hilfe zu suchen. Der Fall wird nur von Studierenden eingesehen und dient dem künftigen juristischen Verständnis.

Entwicklung diagnostischer Schritte

Analyse der Problematik

Diese Phase dient dazu, Fannys soziales Problem zu ratifizieren. Wir untersuchen die Situation von Straßenkindern, in der Fanny und ihre Kinder derzeit leben. Dieser Schritt wurde korrekt angewendet.

Bedeutung des Problems

Wir versuchen zu klären, wie die Lebenssituation das Arbeitsverhältnis und die Beziehung zu ihren Kindern beeinflusst. Es fehlte jedoch an Raum, um tiefer in das Thema einzutauchen. Wir müssen hier selbstsicherer und gründlicher werden.

Ursachen und Auslöser

Wir konnten Ursachen identifizieren, die Fannys Problem verstärken. Sie stützt sich auf drei Netzwerke: Familie, Straße und Arbeit. Wir hätten hier jedoch präziser und tiefer graben müssen; es fehlte an Ruhe und Vertrauen.

Bemühungen um eine Lösung

Im Gespräch wurde deutlich, dass Fanny bisher kaum Maßnahmen ergriffen hat, um ihre Wohnsituation zu verbessern. Das Hauptziel scheint es zu sein, Bewertungen durch andere (bezüglich ihrer Kinder) zu ignorieren.

Art der angestrebten Lösung

Fanny ist sich bewusst, dass wir ihr Problem nicht direkt lösen können, aber wir können sie bezüglich sozialer Netzwerke und kommunaler Hilfe beraten. Das war ihre eigentliche Absicht, als sie uns von ihrem Problem erzählte.

Analyse der Gesprächsführung

Dies war unser erstes Interview; wir waren nervös und unsicher. Wir machten Fehler, nutzten Füllwörter und zeigten unangemessenes Lachen. Unsere Mimik war teilweise widersprüchlich. Wir unterbrachen sie manchmal abrupt, um den Fokus auf das Thema Wohnraum zu lenken, was auf sie gehetzt gewirkt haben könnte.

Analyse nicht berücksichtigter Situationen

Wir hätten tiefer in ihre Herkunftsfamilie, mögliche Depressionen oder die Probleme mit ihrem Partner eintauchen müssen. Auch das Thema Überbelegung in ihrer aktuellen Wohnung wurde nicht ausreichend untersucht.

Vorbereitung und Rahmenbedingungen

Das Interview fand auf einer Allee statt, die Fanny wählte. Das war gut für ihre Entspannung, aber schwierig wegen des Lärms (Autos, Busse) und der Ablenkungen (Grüße an andere Verkäufer). Dies führte dazu, dass wir wichtige Details übersahen.

Stärken und Schwächen der Lernenden

Unsere Stärken waren Charisma und Einfachheit. Wir zeigten echtes Interesse an ihrer Situation. Negativ war, dass wir durch unsere Nervosität den Redefluss erschwerten. Wir müssen unsere Impulse, Gesten und das Lachen besser kontrollieren.

Sozialstudie des Kasus

1. Aktuelles Problem der Betroffenen

Fanny arbeitet nachts mit ihren vier Kindern, die in Bellavista Blumen verkaufen. Sie müssen mitarbeiten, um die Miete für ihr Zimmer zu finanzieren. Die Kinder sind dabei Gefahren wie Drogen und Prostitution ausgesetzt. Sie arbeiten fünf Tage die Woche.

2. Persönliche und soziale Hintergründe

  • Persönliche Geschichte: Fanny Trujillo ist 29 Jahre alt, hat einen einfachen Schulabschluss (5. Klasse) und ist von einem Straßenhändler getrennt.
  • Familiengeschichte: Sie lebt mit ihren Kindern Christopher, Jenny, Kevin und Jordan sowie ihrem aktuellen Partner Luis in einem gemieteten Zimmer. Über ihre Herkunftsfamilie spricht sie kaum.
  • Soziale Geschichte: Sie hat ein gutes Verhältnis zu Kollegen auf der Straße, fühlt sich dort respektiert.

3. Berichte aus anderen Quellen

  • Ihre älteren Kinder beschreiben sie trotz der Nachtarbeit als "Super-Mutter".
  • Andere Verkäufer bezeichnen sie als mutige Kämpferin mit viel Kraft.

4. Beobachtungen des Interviewers

Fanny zeigt Anzeichen großer Not und emotionaler Instabilität. Sie fühlt sich unfähig, ihre Kinder allein großzuziehen, und misstraut anderen. Es fehlen ihr familiäre Vorbilder. Wirtschaftlich lebt sie von Tag zu Tag; die Arbeit auf der Straße ist für sie seit ihrer Jugend normal. Sozial ist sie in ihrem Territorium sicher und von schützenden Freunden umgeben. Aufgrund ihrer Geschichte zeigt sie eine gewisse Aggressivität.

Diagnose und Familienbewertung

1. Natur des Problems

Fannys größtes Problem ist das hohe Risiko für ihre Kinder durch die Überbelegung und die Nachtarbeit. Sie ist enttäuscht von der mangelnden Unterstützung durch die Stadt und möchte einfach nur ein sicheres Zuhause haben.

2. Bedeutung des Problems

Die Behebung der Überbelegung ist vorrangig, um die Lebensqualität der Kinder zu verbessern. Die aktuelle Situation beeinträchtigt ihre kognitive, soziale und moralische Entwicklung massiv.

3. Ursachen und Umweltbeziehungen

Aktuelle Familie: Die Beziehung zu ihrem Partner Luis ist instabil und teilweise gewalttätig. Zu ihren Kindern hat sie ein liebevolles Verhältnis; sie sind ihre wichtigste wirtschaftliche und emotionale Stütze.

Herkunftsfamilie: Fanny hat keinen Kontakt zu ihren Eltern. Als ältestes von sieben Geschwistern musste sie früh arbeiten. Sie hat eine unbewusste Wut auf die Institution Familie entwickelt.

Arbeit: Die Straße ist ihr eigentliches Zuhause, dort fühlt sie sich unterstützt und wertgeschätzt.

4. Psychologische Einordnung (Moratorium)

Fanny zeigt Merkmale einer "romantischen Liebe", die durch Impulsivität und Idealisierung geprägt ist. Sie verhält sich in ihren kognitiven und sozialen Phasen eher wie ein Teenager. Diese Unreife resultiert aus unbefriedigten emotionalen Bedürfnissen in der Kindheit.

5. Bemühungen und Lösungen

Fanny hat wiederholt bei der Gemeinde um Hilfe gebeten und Geld für eine Wohnbauförderung (10 UF) gespart. Sie sucht zudem medizinische und psychologische Hilfe (COSAM) für sich, ihre Kinder und ihren Partner.

6. Unterstützung durch die Institution

Unsere Hochschule wird Fanny durch Sozialarbeiter unterstützen, um den Zugang zum Solidaritätsfonds zu ermöglichen. Ein Support-Mitarbeiter wird zugewiesen, um durch Therapie die familiären Bindungen zu stärken und eine stabile Orientierung zu bieten.

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