Literatur des 15. Jahrhunderts: Lyrik, Prosa und Celestina

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1. Lyrik des 15. Jahrhunderts

1.1 Populäre Lyrik

Die populäre Lyrik des 15. Jahrhunderts wurde in verschiedenen Liederbüchern der Zeit gesammelt, wie dem Cancionero de Baena, dem Cancionero de Stúñiga und dem Cancionero de Medinaceli. Diese Kompositionen zeichnen sich durch Einfachheit, Schönheit und lyrische Dichte aus. Die Metrik ist oft unregelmäßig, mit Versen von sechs bis acht Silben. Ein zentrales Thema ist die Liebe. Häufig wird die Struktur des Zejel verwendet: ein Refrain, gefolgt von einer Strophe mit vier Versen und einer Rückkehr zum Refrain. Weihnachtslieder (Villancicos) haben hier ihren Ursprung.

1.2 Romanzen (Balladen)

Die Romanzen sind eine der bedeutendsten Gattungen der mündlichen Überlieferung. Sie entstanden im späten 14. Jahrhundert aus epischen Fragmenten. Sie bestehen aus einer Reihe von achtsilbigen Versen mit assonierendem Reim in den geraden Zeilen. Man unterscheidet verschiedene Themen:

  • Historische Romanzen: König Don Rodrigo, El Cid.
  • Grenze und Mauren: Kämpfe gegen das maurische Königreich Granada.
  • Karolingische oder bretonische Themen: Roland, Karl der Große.
  • Romantische und lyrische Themen: Sentimentalität und Liebe.

Aufgrund ihrer expressiven Einfachheit und der Verwendung von Wiederholungen und Parallelismen wurden sie auch von Kultautoren des 16. und 17. Jahrhunderts aufgegriffen (Romancero Nuevo).

1.3 Gelehrte und höfische Poesie

Neben der populären Lyrik entwickelte sich eine kultivierte, höfische Poesie, die Einflüsse der provenzalischen Troubadoure und der italienischen Allegorik (Dante) vereinte. Bedeutende Dichter waren der Marquis von Santillana, Juan de Mena und Jorge Manrique.

Der Marquis von Santillana

Íñigo López de Mendoza schrieb in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sein Werk umfasst provenzalisch beeinflusste Lyrik (Serranillas), italienisch geprägte Sonette und moralisch-didaktische Dichtung (Proverbios). Sein wichtigstes Werk ist das Laberinto de Fortuna.

Der Totentanz (Danza de la Muerte)

Ein anonymes Werk, in dem ein Skelett Menschen aller sozialen Schichten dazu auffordert, sich an ihre Sterblichkeit zu erinnern und am Totentanz teilzunehmen.

1.4 Jorge Manrique

Er ist der bedeutendste Dichter der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sein Werk umfasst Liebeslyrik und das berühmte Gedicht Coplas a la muerte de su padre (Versen auf den Tod seines Vaters), das 1476 nach dem Tod seines Vaters entstand. Es ist ein Meisterwerk der kastilischen Literatur, das Themen wie die Vergänglichkeit des Lebens, das irdische Leben als Weg zum ewigen Leben und den Ruhm nach dem Tod behandelt.

2. Prosa des 15. Jahrhunderts

Die Prosa dieser Zeit umfasst verschiedene Gattungen:

  • Ritterromane: Bretonischer und karolingischer Zyklus, Amadís de Gaula.
  • Schelmenroman: Lazarillo de Tormes.
  • Pastoralroman: La Diana.
  • Maurischer Roman: Guerras civiles de Granada.
  • Byzantinischer Roman: Persiles y Sigismunda.
  • Sentimentaler Roman: Cárcel de Amor.

3. La Celestina

Eines der bedeutendsten Werke der spanischen Literatur, bekannt für seine Tiefe, Komplexität und stilistische Vollendung.

3.1 Textgeschichte und Autorschaft

Die erste bekannte Ausgabe erschien 1499 (16 Akte). Spätere Ausgaben (1502, 1507) wurden unter dem Titel Tragicomedia de Calisto y Melibea mit 21 Akten veröffentlicht.

3.2 Gattungsproblematik

Aufgrund der dialogorientierten Struktur ist umstritten, ob es sich um ein dramatisches Werk für die Bühne oder um einen Roman für die Lektüre handelt.

3.3 Argument

Calisto verliebt sich in Melibea. Mit Hilfe der Kupplerin Celestina arrangiert er Treffen. Die Diener Sempronio und Pármeno werden durch Gier korrumpiert und schließlich hingerichtet. Calisto stirbt bei einem Sturz aus dem Garten, woraufhin Melibea Selbstmord begeht.

3.4 Charaktere

Das Werk kontrastiert zwei Welten: Die Welt der Kuppler und Diener (pragmatisch, materialistisch) und die Welt von Calisto und Melibea (sinnliche Liebe, Egoismus). Celestina ist die zentrale Figur, eine listige und heuchlerische Kupplerin.

3.5 Liebe in La Celestina

Die Liebe zwischen Calisto und Melibea ist tragisch und kann aufgrund sozialer oder religiöser Hindernisse nicht in einer Ehe münden.

3.6 Sprache und Stil

Das Werk nutzt zwei Sprachebenen: Eine kultivierte, rhetorische Sprache für die Adligen und eine lebendige, volkstümliche Sprache voller Sprichwörter für die unteren Schichten.

3.7 Mittelalter und Renaissance

La Celestina steht an der Schwelle zwischen zwei Epochen: Sie reflektiert mittelalterliche Moralvorstellungen (göttliche Strafe für Unordnung) und neue Renaissance-Ideale (Individualismus, Sinnlichkeit).

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