Ludwig Wittgenstein: Leben, Werk und Logischer Atomismus
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Ludwig Wittgenstein: Leben und Werdegang
Ludwig Wittgenstein wurde 1889 in Wien als jüngster Sohn einer wohlhabenden Familie mit jüdischen Wurzeln geboren, die später zum Katholizismus konvertierte. Er studierte an einer technischen Schule in Linz, wobei er einen Schwerpunkt auf Mathematik und Physik legte. Sein Leben war von persönlichen Schicksalsschlägen geprägt, darunter der Suizid mehrerer Brüder.
Nach seinem Studium an der Technischen Hochschule Berlin und im Bereich der Luftfahrt traf er 1909 auf den Philosophen Bertrand Russell, dessen Arbeit einen entscheidenden Einfluss auf Wittgensteins Denken ausübte. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 meldete er sich freiwillig zum österreichischen Militär.
Die Entwicklung der Sprachphilosophie
Während des Krieges entwickelte er die Theorie der bildhaften Sprache. Er postulierte, dass Sprache und Wirklichkeit dieselbe logische Struktur teilen. Ethische und religiöse Wahrheiten können laut Wittgenstein zwar durch Handlungen gelebt, aber nicht verbal präzise ausgedrückt werden.
Sein Hauptwerk, der „Tractatus Logico-Philosophicus“, wurde 1918 vollendet. Das berühmte Fazit lautet: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Nach dem Krieg kehrte er nach Wien zurück, verzichtete auf sein Familienerbe und arbeitete als Grundschullehrer.
Der Logische Atomismus
Die Theorie des logischen Atomismus, die er gemeinsam mit Bertrand Russell entwickelte, analysiert die Welt als eine Gesamtheit von Tatsachen:
- Atomare Sätze: Jedes Atom entspricht einem atomaren Satz.
- Wahrheitsgehalt: Ein Satz ist wahr, wenn er mit der Realität übereinstimmt, und falsch, wenn dies nicht der Fall ist.
- Molekulare Sätze: Diese setzen sich aus verschiedenen atomaren Sätzen zusammen; ihr Wahrheitswert hängt von der Kombination der atomaren Bestandteile ab.
Tractatus Logico-Philosophicus: Kernkonzepte
Wittgenstein adressiert im Tractatus die Probleme der Philosophie, die seiner Meinung nach aus einem unpräzisen Sprachgebrauch resultieren.
A) Die Abbildtheorie
Sätze sind Bilder der Wirklichkeit. Sprache und Welt sind durch eine isometrische Struktur verbunden, die auf drei Konzepten basiert:
- Die Welt der Tatsachen.
- Die Sprache, bestehend aus Sätzen oder Aussagen.
- Eine logische Struktur, die die Beziehung zwischen beiden definiert.
B) Arten von Sätzen
- Sätze mit Sinn: Empirische Sätze der Wissenschaft.
- Sätze ohne Sinn (Tautologien): Sie sagen nichts über die Welt aus, sondern manifestieren nur die logische Struktur.
- Sätze ohne Bedeutung (Unsinn): Sie beziehen sich nicht auf Fakten, sondern auf Werte oder metaphysische Wesenheiten, die außerhalb der Grenzen der Sprache liegen.
Wahrheit ist das, was erfahren und gelebt werden kann, auch wenn es sich nicht in Worte fassen lässt.