Marxismus: Materialismus und Praxis erklärt

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Der Marxsche Materialismus und der Begriff der Praxis

Der Marxsche Materialismus versteht sich als eine praxisorientierte Philosophie. Er widersetzt sich sowohl dem Idealismus von Hegel als auch dem klassischen Materialismus. Gegen Hegels Idealismus, welcher die Priorität des Denkens bekräftigt, stellt Marx fest: Das grundlegende Problem der Philosophie ist die Beziehung zwischen Denken und Sein. Die zentrale Frage lautet: Was kommt zuerst – der Geist oder die Natur? Es geht nicht darum, einen der beiden Begriffe zu leugnen, sondern die Priorität des einen über den anderen zu bestimmen.

Das Verhältnis von Sein und Denken

Die Priorität des Denkens über das Sein definiert den Idealismus; der Vorrang des Seins gegenüber dem Denken ist der Materialismus. Das Verhältnis von Sein und Denken gestaltet sich wie folgt: Das Sein ist das Subjekt und das Denken das Prädikat. Das Denken entspringt dem Sein und nicht umgekehrt.

Kritik am klassischen Materialismus

Gegen den klassischen Materialismus erhebt Marx folgende Vorwürfe:
1. Es handelt sich um einen abstrakten und mechanistischen Materialismus, der die Wirklichkeit auf rein mechanische Gesetze reduziert.
2. Ihm fehlt die dialektische und historische Dimension.
Noch wichtiger ist jedoch die Kritik am Materialismus Feuerbachs: Dieser betrachtet die Wirklichkeit lediglich als Objekt der Betrachtung. Wenn das Denken nur ein Widerspiegeln der Realität ist, bleibt der Mensch in einer passiv-kontemplativen Rolle gefangen.

Die Überwindung durch die Praxis

Marxs Materialismus behauptet zwar die Unabhängigkeit der äußeren Natur vom Geist, argumentiert jedoch, dass es nicht möglich ist, die Natur vom Menschen zu trennen. Der Mensch ist ein aktives Wesen, das die Natur durch das Konzept der Praxis transformiert. Die Praxis ermöglicht Marx die Überwindung der Opposition zwischen Idealismus und Materialismus und führt die Materie auf ein anderes Terrain. Die Praxis ist die Tätigkeit, mit der der Mensch die soziale Wirklichkeit verwandelt. Durch sie befreit er sich aus seiner Entfremdung und erreicht seine Vollendung.

Der Historische Materialismus

Der historische Materialismus verneint die Autonomie von Vorstellungen gegenüber den Bedingungen der menschlichen Existenz. Er basiert auf einer dialektischen und historischen Grundlage. Als soziologische Theorie umfasst er folgende Punkte:

  1. Die ökonomische Struktur ist das eigentliche Fundament der Gesellschaft.
  2. Diese Struktur wird durch die Produktionsverhältnisse gebildet. Diese werden rechtlich durch die Eigentumsstruktur ausgedrückt, in der es Eigentümer und Arbeitnehmer (die nur ihre Arbeitskraft besitzen) gibt.
  3. Der Begriff der Produktivkräfte: Er umfasst die Arbeit und die Produktionsmittel.
  4. Die wirtschaftliche Struktur bestimmt einen Überbau, der aus ideologischen Formen besteht.
  5. Konflikte entstehen durch die normale Entwicklung der Produktivkräfte.

Fazit zur Geschichtsentwicklung

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Geschichte wird nicht durch die Vernunft oder eine „List der Vernunft“ angetrieben, sondern durch die Entwicklung der Produktivkräfte, wobei die menschliche Arbeit die wichtigste ist. Kurz gesagt: Der Mensch ist der entscheidende Akteur in der Geschichte. Die historische Entwicklung sieht vor, dass das Ziel der Geschichte das Verschwinden der Klassen und die Errichtung des Kommunismus ist.

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