Meilensteine der Musikpädagogik: Methoden und Geschichte

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Guido d'Arezzo und der Ursprung der Notennamen

Guido d'Arezzo gab den Musiknoten ihre Namen: Ut (heute Do), Re, Mi, Fa, Sol, La. Die Note Si war ursprünglich nicht enthalten. Die Silbe Ut wurde aufgrund der Schwierigkeit der Phonation in Do geändert. Die siebte Note wurde erst im 14. Jahrhundert benannt; sie hieß Si, ein Einsilber, der aus den Anfangsbuchstaben von "Sancte Iohannes" (Heiliger Johannes) gebildet wurde. Er erfand das Tetragramm (4 Linien). Er war der erste Lehrer, der seine Schüler an den Fingern unterrichtete (die Noten stellen die Glieder dar).

Musikunterricht: Was wird gelehrt?

Traditioneller Weg:
1. Durch Langeweile.
2. Durch Auswendiglernen.
3. Die Rolle des Schülers auf Papier beschränkt.
4. Klassisches und banales Repertoire.

Wie sollte man Motivation lehren?

1. Förderung spielerischer Elemente.
2. Denken und Experimentieren (Schüler sollen die Musik fühlen).
3. Eine aktive Rolle des Schülers.
4. Ein Code, der verschiedene Stile und Epochen umfasst.

Übersicht aktiver Methoden

  • E. J. Dalcroze: Rhythmus und Gehörbildung.
  • Justine Bayard Ward: Gesang und Rhythmus.
  • Z. Kodály: Gesang und musikalische Sprache.
  • E. Willems: Gehörbildung und musikalische Sprache.
  • C. Orff: Instrumentale Experimente (Carmina Burana).
  • M. Martenot: Audition und Entspannung.
  • S. Suzuki: Lehrmethode für Kinder von 2 bis 3 Jahren.
  • M. Schafer: Kreative Improvisation.
  • J. Wuytack: Hören und Lied.

Émile Jaques-Dalcroze: Rhythmus und Bewegung

"Die Erziehung durch den Rhythmus ist in der Lage, den künstlerischen Sinn bei allen zu wecken, die ihr unterworfen sind" (E. J. Dalcroze). Er revolutionierte die Musik mit seiner Methode "The Rhythm" (Eurythmie = guter Rhythmus).

Was ist Rhythmus?

Bewusster Umgang mit der Bewegung des Körpers, um ein Verständnis für Rhythmus zu erreichen. Dies begünstigt Psychomotorik, Intelligenz, Sensibilität und Ausdruckskraft. Die Schlüsselwörter der Dalcroze-Rhythmik sind: Rhythmus, Bewegung, Tanz, Körper.

Die Dalcroze-Elemente

  • Räumliche Orientierung.
  • Dynamik (Intensität der Arbeit).
  • Natur der Musik, Tonhöhe und Dauer.
  • Notenwerte in Bewegung: Halbe Note = Schleichschritt, Viertel = Gehen/Marschieren, Achtel = Laufen, punktierte Viertel + Sechzehntel = Galopp oder Trab.

Ressourcen

  • Geräumiges Klassenzimmer.
  • Klavier (das einzige Instrument, für das er kritisiert wurde).
  • Zubehör wie Bälle, Bänder und Luftballons.
  • Institutionen: Dalcroze-Institut (Genf), Föderation der Rhythmiklehrer, Joan Llongueras Institut (Barcelona).

Justine Bayard Ward: Die Vokalmethode

Diese Methode sucht Präzision in Rhythmus und Tonhöhe und kann ab einem Alter von 6 Jahren angewendet werden. Sie nutzt populäre Werke und das gregorianische Repertoire. Ihre Ziele sind:

  • Verbesserung der Intonation und des Rhythmusgefühls.
  • Kenntnis der Tonqualitäten.
  • Alphabetisierung.

Kritisiert wurde die Methode für die Trennung von Schülern nach Fähigkeiten. Sie nutzt die alphabetische Notation (C=Do, D=Re, E=Mi, F=Fa, G=Sol, A=La, B=Si) sowie die numerische Notation (1=Do, 2=Re, 3=Mi, 4=Fa, 5=Sol, 6=La, 7=Si).

Zoltán Kodály: Musikethnologie und Gesang

Kodály war Lehrer, Komponist und Musikethnologe (Schöpfer von "Háry János"). Zusammen mit Béla Bartók sammelte er ungarische Volksmusik. Seine Sprache basiert auf der Pentatonik. Er vertrat die Ansicht, dass Kinder zuerst ihre eigene Kultur und später die universelle musikalische Sprache lernen sollten.

Die Kodály-Methode

Die menschliche Stimme ist für alle zugänglich und das schönste Instrument. Die musikalische Kultur muss auf dem Gesang basieren.

Sequenzierung

1. Hören, 2. Stimmübungen und Gesang, 3. Lesen (Noten), 4. Schreiben. Lesen und Schreiben erfolgen parallel.

Phononimie und Rhythmik

Phononimie: Handzeichen markieren die Tonhöhen im Raum. Dies dient der Intonation, dem Gedächtnis und der Teamarbeit. Es entwickelt Kreativität, Sensibilität und Geschmack.
Metrische Silben: Zur Internalisierung von Rhythmen (Halbe = Taaa, Viertel = Ta, Achtel = Titi, vier Achtel = Tiritiri).

Solfeggio

Wichtig ist, wie man singt. Solfeggio All besteht darin, jedes Lied im passenden Schlüssel zu singen, unabhängig vom System (modal, tonal oder atonal).

Carl Orff: Das Schulwerk

Orff sagte: "Musikerziehung muss im Haus beginnen." Er entwickelte das Orff-Schulwerk. Sein bekanntestes Werk ist die Carmina Burana. Seine Methode wurde in 5 Bänden veröffentlicht und von Schülern wie Jos Wuytack weitergeführt.

Elemente der Methode

  • Wort: Gesprochene Sprache.
  • Musik: Ton, Melodie, Harmonie, Klangfarbe.
  • Bewegung: Rhythmus.

Er nutzt Körperperkussion (Stimme, Klatschen, Stampfen) und spezielle Orff-Instrumente (Xylophone, Metallophone, Glockenspiele) sowie Perkussion unbestimmter Tonhöhe (Maracas, Kastagnetten, Trommeln) und die Blockflöte.

Edgar Willems: Gehörbildung

Willems betonte die physiologische Vorbereitung des Ohrs. Seine Methode umfasst:
1. Hörentwicklung (Intervalle, Erkennen von bis zu 24 Halbtönen).
2. Rhythmus und Metrum.
3. Lesen und Schreiben von Musik.

Maurice Martenot: Entspannung und Pädagogik

Sein Rat an Lehrer: "Lehre nicht, was du weißt, sondern lehre, was du bist." Er schlägt eine aktive Methode vor, die Kinesofia (Entspannung) einbezieht. Schüler sollen sich in Phasen von 10 Minuten Anspannung und 5 Minuten Entspannung konzentrieren.

Shinichi Suzuki: Talent-Erziehung

Suzuki, ein Violinist, basierte seine Methode auf dem Spracherwerb: "Alle japanischen Kinder sprechen Japanisch." Seine Methode der Nachahmung und Wiederholung beginnt bereits im Alter von 3 bis 4 Jahren.

Methodik und Ideen

  • Instrumente: Geige, Klavier, Flöte, Cello.
  • Tägliches Hören und ständige Betreuung durch die Eltern.
  • Psychisch-geistiger Faktor: Der Verstand muss das Instrument kontrollieren.
  • Auswendigspielen vor dem Notenlesen.

R. Murray Schafer: Die Klanglandschaft

Schafer, Autor von "The Rhino in the Classroom", konzentriert sich auf die Soundscape (Klanglandschaft) und die Akustische Ökologie. Er ermutigt Schüler, ihre Umwelt kritisch wahrzunehmen und neue Klänge zu erschaffen.

Felder der Musikerziehung

1. Kreativität: Stärkung der individuellen Persönlichkeit.
2. Soundscape: Katalogisierung von Klängen und Lärmschutz.
3. Begegnung der Künste: Interdisziplinäre Arbeit (Musik, Theater, Film).
4. Östliche Philosophie: Wert der Stille und Entspannung.

Jos Wuytack: Das Musicogramm

Wuytack, ein Schüler von Orff, erfand das Musicogramm, eine grafische Darstellung von Musikstücken, um das aktive Hören zu erleichtern. Seine Methode ist aktiv, progressiv und nutzt farbige Rechtecke sowie Gestik zur Improvisation. Er betont, dass weder die Notation noch die Partitur die höchste Priorität haben, sondern das Erleben der Musik.

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