Meisterwerke der Kunstgeschichte: Courbet und Manet
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Gustave Courbet: Ein Begräbnis in Ornans (1849)
Kontext (FC): Ein Begräbnis in Ornans wurde 1849 von Gustave Courbet geschaffen. Es war ein Werk, das dem realen Leben entsprang und zusammen mit anderen Arbeiten des Künstlers, der als „Meister“ (oft provokativ als „Maurer“ bezeichnet) galt, für einen großen Skandal sorgte. Jahre später wurde es zwar zunächst abgelehnt, gilt heute jedoch als wegweisendes Werk der realistischen Bewegung.
- Stil: Realismus
- Ursprünglicher Ausstellungsort (Ubi orig): Der Salon von 1850
- Aktueller Standort (Ubi act): Musée d’Orsay, Paris
Details und Beschreibung (D)
Medium: Öl auf Leinwand. Größe: Großformatig. Kurzbeschreibung: Das Werk stellt den Moment dar, in dem sich die Bewohner der Heimatstadt des Autors anlässlich einer Beerdigung vorbereiten, um Abschied von einem Verstorbenen zu nehmen.
Formale Analyse (AF)
Farbe und Licht: Die Szene ist in der Dämmerung angesiedelt, was dazu dient, den Figuren Körperlichkeit und Fülle zu verleihen. Komposition: Es zeigt sich eine Mischung aus Symmetrie, Unordnung und Vertikalität. Perspektive: Linear. Anatomie und Proportionen: Die Darstellung ist in jedem Bereich natürlich, außer auf der linken Seite, wo das Kreuz steht, welches weniger der Realität entspricht.
Ausdruck: Die Gesichter spiegeln starken Schmerz und Traurigkeit wider; einige Teilnehmer zeigen ihre Tränen. Farbe: Die Farbpalette ist stark reduziert, um das Drama zu erhöhen; es dominieren Schwarz und Weiß (durch Lichteffekte), ergänzt durch Rot und Ocker bis hin zu bräunlichen Tönen. Pinselführung: Locker und pastös.
Bildzentrum: Der linke Bereich, in dem die Prozession und ein kauernder Mann zu finden sind. Ebenen: Es gibt zwei Ebenen: Die erste Ebene mit den Menschen und die zweite Ebene mit der Klippe und den Wolken. Kleidung: Die meisten Personen tragen schwarze Trauerkleidung, außer den Figuren links in Weiß und Rot, gekleidet wie die Totengräber jener Periode.
Bewegung und Rhythmus: Das Bild wirkt ausgeglichen, ruhig und rational trotz der Trauer. Der Rhythmus wird durch die weinenden Gestalten bestimmt. Schule: Realistisch. Details: Es gibt wenige, aber markante Details wie das Kreuz und den Hund am Rand der Grube sowie Naturelemente wie die Klippen.
Innovation und Einfluss (IMCI / IIC)
Das Werk wurde, ähnlich wie Die Werkstatt des Malers, bei der Pariser Weltausstellung abgelehnt. Es steht in Relation zu Millets Die Ährenleserinnen und Fortunys Pfarrhaus. Tiefe des Stils: 1) Es entspricht der Realität des Todes als triviales Ereignis. 2) Der Künstler strebt nicht nach idealisierter Schönheit, sondern zeigt den ungezwungenen Charakter des einfachen Volkes.
Innovation: Courbet bewies eine kluge Wahl bei den wesentlichen Naturdetails. Dies markiert den Beginn der realistischen Bewegung. Einflüsse: Das Begräbnis des Grafen von Orgaz von El Greco sowie Velázquez waren maßgeblich für die Ikonografie.
Genre: Sittenbild. Ikonologie: Courbet nutzte Familie, Freunde und Nachbarn als Modelle. Auf der rechten Seite sind seine drei Schwestern Juliette, Zoé und Zélie zu sehen. Dieses Kollektivporträt verzichtet auf Hierarchien und stellt die Beerdigung eines Bauern dar.
Zweck und Wirkung (FIF)
Der Zweck war gesellschaftskritisch. Courbet suchte den philosophischen Positivismus und eine Realität, die der Fotografie ähnelt. Das Werk beeinflusste später Picasso, der eine Version von Les Demoiselles des Bords de la Seine schuf.
Édouard Manet: Das Frühstück im Grünen (1863)
Katalogdaten: Le Déjeuner sur l’herbe (Das Frühstück im Grünen) von Édouard Manet, entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (Französischer Impressionismus). Ursprünglich im Salon des Refusés (Salon der Abgelehnten) ausgestellt, befindet es sich heute im Musée d’Orsay, Paris.
Formale Analyse
Technik: Großes Ölgemälde auf Leinwand, figurativ. Farben: Verwendung von Farben ohne starkes Mischen, überwiegend Grüntöne. Licht: Verzicht auf klassisches Chiaroscuro (Hell-Dunkel); Farben werden genutzt, um Leuchteffekte zu erzielen. Der Pinselstrich ist leicht und schnell.
Komposition: Asymmetrie zwischen Vertikalität und Horizontalität; eine bewusste Unordnung. Die menschliche Gruppe bildet eine Pyramide. Das Bildzentrum wird durch die nackte Frau und die Frau im Hintergrund rechts bestimmt. Perspektive: Manet bricht die Gesetze der Perspektive; die Formen im Hintergrund werden nicht unscharf maskiert.
Ebenen: 1. Stillleben mit Speiseresten (Repoussoir), 2. Hauptgruppe, 3. Frau im Hintergrund und Kulisse. Anatomie: Die Frauen sind zeitgemäß dargestellt, die Männer bürgerlich gekleidet. Der Ausdruck ist gleichgültig; die nackte Frau blickt den Betrachter direkt an.
Autorenschaft und Stil
Vergleichbare Werke: Olympia sorgte ebenfalls für einen Skandal. Manet zeigt eine gewöhnliche Frau (Prostituierte), die den Betrachter herausfordert. Es besteht eine Verbindung zu Renoirs Le Moulin de la Galette und Monets Impression, Sonnenaufgang.
Stilmerkmale:
- Interesse an Licht und Farbe.
- Perzeptive Kunst (basierend auf visueller Erfahrung) statt konzeptueller (idealisierter) Kunst.
- Landschaft wird einem Abstraktionsprozess unterworfen.
- Bedeutung von Wasser und Lichtreflexionen.
- Fokus auf Farbmuster ohne Mischen.
Inhalt und Genre
Genre: Brauchtum, Alltagsszene. Dargestellt wird ein Frühstück in einem Pariser Park. Inspiriert wurde Manet durch mythologische Themen wie Tizians Concerto Campestre und Giorgiones Urteil des Paris. Während nackte Frauen in der Mythologie natürlich waren, schockierte Manet die Gesellschaft, indem er reale Menschen aus Paris in dieser Situation darstellte.
Modelle: Manets Bruder, sein zukünftiger Schwager und sein bevorzugtes Modell standen hierfür Pate. Zweck: Ästhetische Innovation und die Suche nach neuen malerischen Wegen. Es reflektiert das moderne Paris mit seinen Boulevards und Parks. Beeinflusst durch die Farbenlehre von Chevreul und japanische Kunst, markiert dieses Werk den Beginn des Impressionismus und beeinflusste später Künstler wie Picasso massiv.