Menschenbilder im Vergleich: Darwin, Freud und Kreationismus

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Charles Darwin – Evolutionstheoretiker

Zentrale Thesen

  • Der Mensch ist, wie auch die Tiere, ein Produkt der Evolution und nicht das Ergebnis eines göttlichen Schöpfungsaktes.
  • Es gibt für die menschliche Existenz entsprechend keine göttliche Vorhersehung oder einen Plan, sondern sie ist zufällig und ohne ein Leben nach dem Tod.

Die Evolutionstheorie

  • Menschen sind durch Mutation und Selektion entstanden.
  • Mutation: Der Mensch ist durch zufällige genetische Veränderungen im Bereich der Säugetiere und innerhalb der Säugetiere durch genetische Mutation von Affen entstanden.
  • Selektion: Dies bedeutet, dass nur die Lebewesen überleben (bzw. von der Natur „selektiert“ werden), die sich am besten an ihre Lebensumstände anpassen konnten („survival of the fittest“). Beispiel Giraffen: Nach Darwin haben nur die Tiere innerhalb der Giraffenpopulation überlebt, deren Hälse lang genug waren, um Blätter in hohen Bäumen zu erreichen. Dadurch starben die Giraffen mit einer Veranlagung zum „Kurzhals“ aus.

Wolfskind-Perspektive (Darwin)

Die Entwicklung von Genie ist mit der Theorie von Darwin kompatibel. Genie konnte durch ihr unmenschliches Umfeld nicht die Fähigkeiten entwickeln, die man als Mensch zum Überleben braucht, wie zum Beispiel Sprache und Kommunikation. Zudem könnte sie diese überlebenswichtigen Fähigkeiten auch nicht an die nächste Generation weitergeben. Man könnte es als „klassischen Darwinismus“ bezeichnen, dass sie ohne Nachkommen quasi „ausstirbt“.

Konsequenzen des Darwinismus

Das Menschenbild von Darwin ist geprägt von einem Kampf ums Überleben. In der Geschichte wurde die Theorie von Darwin als Legitimierung missbraucht, um zwischen weniger überlebenswerten, also inferioren Menschen, und superioren Menschen zu differenzieren. So geschehen im Dritten Reich, in dem der „Arier“ als superiorer Mensch deklariert wurde, der das Recht habe, inferiore Menschen zu unterwerfen bzw. zu vernichten (z. B. Juden, Homosexuelle, Behinderte und andere).

Sigmund Freud – Psychoanalytiker

Das Instanzenmodell: Es, Ich und Über-Ich

These: Der Mensch besteht aus drei Teilen: Über-Ich, Ich und Es.

Die psychoanalytische Theorie

  • Das Es ist das, was jeder Mensch bei der Geburt mitbringt, also alles Ererbte, inklusive der sogenannten Triebe. Diese spalten sich auf in „Libido“ (Lust und Erschaffen) und „Destrudo“ (Zerstörungstrieb).
  • Das Über-Ich umfasst die Wert- und Normvorstellungen, die der Mensch von seiner Umwelt im Rahmen seiner Sozialisation (Eltern, Schule, Freunde, Gesellschaft) verinnerlicht.
  • Das Ich ist die Kontrollinstanz, die zwischen dem Es und dem Über-Ich steht. Das Ich wägt in jeder Situation ab, ob man den Trieben folgt oder sie aufgrund der Wert- und Normvorstellungen unterdrückt. Dabei lernt das Ich Selbstbeherrschung aus den Erfahrungen, die es macht, wenn es Reizen ausgesetzt ist.

Wolfskind-Perspektive (Freud)

Nach Freud wurde Genie wie alle Kinder mit einem Es geboren. Jede Äußerung des „Es“ wurde jedoch von Anfang an komplett von außen drakonisch bestraft. Das führte dazu, dass mit der Zeit das Über-Ich das Es komplett dominierte und auch das Ich keine wirkliche Instanz mehr in der Mitte war, denn es galt die absolute Herrschaft des Über-Ichs. Eine Herausbildung einer gesunden Selbstbeherrschung des Ichs war in diesem Fall nie möglich.

Konsequenzen der Psychoanalyse

Das Menschenbild von Freud ist geprägt von einem Ringen um Kontrolle des Ichs zwischen dem Über-Ich (Normen und Wertvorstellungen) und dem Es (Triebe und genetische Veranlagungen). Für die Schuldfrage in der Justiz bedeutet die Berücksichtigung der Außenwelt (Über-Ich) gegebenenfalls mildernde Umstände. Es gibt laut Freud per se keine bösen Menschen, sondern nur Menschen, die an der Kontrolle ihrer zerstörerischen Triebe und Reize (Destrudo bzw. Es) scheitern. Das passiert zum Beispiel, wenn das Über-Ich zu wenig Macht über das Ich hat.

Kreationismus

Thesen und Theorie des Kreationismus

  • These: Der Mensch ist Gottes Ebenbild, wie es in der alttestamentlichen Genesis der Bibel beschrieben ist.
  • Der Kreationismus entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA, wo er heutzutage auch am meisten verbreitet ist.
  • Kreationisten suchen nach Fehlern und Lücken in der Evolutionstheorie, um sich die Gottesebenbildlichkeit nicht rauben zu lassen.
  • Gemäß den Kreationisten ist die Erde – entgegen der wissenschaftlichen Beweislage – erst 6000 Jahre alt.
  • Sie bestreiten, dass der Mensch durch Mutation und Selektion entstanden ist, und begründen dies mit dem angeblichen „Missing Link“ im Stammbaum des Menschen zum Affen.

Wolfskind-Perspektive (Kreationismus)

Die Kreationisten würden argumentieren, dass das Wolfskind von Gott so geschaffen wurde. Daher gibt es für das Wolfskind keinen weiteren Behandlungs- bzw. Therapiebedarf. Sie wären auch gegen eine Erforschung der Psyche des Wolfskindes, da Menschen die Kreation Gottes und deshalb perfekt sind (es gibt keinen Grund, sie zu erforschen).

Konsequenzen des Kreationismus

Im Menschenbild der Kreationisten ist der Mensch von Gott geschaffen. Jede Tat des Menschen wird daher an den 10 Geboten Gottes gemessen. Ein Verstoß gegen diese Gebote bedeutet automatisch Schuld und die Notwendigkeit zur Sühne.

Stellungnahme zum Menschenbild

Meiner Meinung nach wird das Menschenbild von Freud dem Menschen von allen drei Perspektiven (Darwinismus, Kreationismus, Freud) am ehesten gerecht. Denn es berücksichtigt, dass der Mensch nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern vor dem Hintergrund seiner Erfahrungswelt gesehen werden muss. Diese setzt sich aus den Normen und Wertvorstellungen seiner Umwelt sowie seinen individuellen genetischen und charakterlichen Dispositionen zusammen.

Unterschied zwischen Mensch und Tier

  • Evolutionisten: Es liegt kein wesentlicher Unterschied vor; der Mensch stammt vom Tier ab. Sowohl Mensch als auch Tier besitzen Intelligenz.
  • Kreationisten: Der Mensch ist Gottes Ebenbild, das Tier nicht. Der Mensch besitzt eine Metaphysik (spirituelle Existenz, die Seele).
  • Freud: Der Mensch gleicht dem Tier durch seine Es-Dimension, unterscheidet sich jedoch durch seine Ich- und Über-Ich-Dimensionen.

Max Scheler: Der Mensch als Geisteswesen

  • Der Mensch ist vernunftbegabt und weltoffen, das Tier nicht.
  • Der Wesensunterschied zwischen Mensch und Tier liegt nicht bei der Intelligenz, nicht bei der Psyche (Freud) und nicht in der Metaphysik (Kreationisten), sondern aufgrund seines Geistes. Der Mensch ist ein Geisteswesen.
  • Der Begriff „Geist“ umfasst den Vernunftbegriff der alten Griechen („Ideendenken“), aber auch volitive und emotionale Akte wie Güte, Liebe und die freie Entscheidung.
  • Die Grundbestimmung eines Geisteswesens: Es ist weder trieb- noch umweltgesteuert, sondern frei, also weltoffen. Es hat alle Möglichkeiten, alles zu tun; es gibt keine Einschränkungen, sondern grenzenlose Freiheit.
  • Ein Tier geht in seiner Umwelt „ekstatisch auf“, d. h., es ist komplett von seiner Umwelt gesteuert. Dahingegen ist der Mensch in der Lage, die Umwelt zu einem Gegenstand zu machen und diese zu beherrschen. Er kann auch alle Dimensionen der Welt (Raum, Zeit) und sich selbst zum Gegenstand machen. Ein Beweis dafür ist, dass der Mensch Ironie und Humor besitzt.

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