Mercè Rodoreda und Llorenç Villalonga: Leben und Werk
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Mercè Rodoreda (1908–1983)
Der Krieg prägte ihr gesamtes erzählerisches Werk. Ihr Leben lässt sich in drei Phasen unterteilen: ihre Jugend (vor dem Krieg), die Phase der Reife (während und nach dem Exil) und die Phase des Alterns (nach der Rückkehr aus dem Exil).
Rodoreda wurde im Stadtteil Sant Gervasi in Barcelona geboren. Als einzige Tochter der Familie wuchs sie in einem rein katalanischsprachigen Umfeld auf. Sie besuchte nur drei Jahre lang die Schule; ihre weitere Bildung erwarb sie durch Selbststudium zu Hause. Ihr Vater vermittelte ihr die Liebe zur katalanischen Sprache, und ihr Großvater weckte ihr Interesse für die Blumen im Familiengarten – ein Motiv, das in ihren Erzählungen und Romanen eine zentrale Rolle spielt.
Mit 20 Jahren heiratete sie ihren Onkel. Nach der Geburt ihres einzigen Sohnes trennte sich das Paar. Als Folge dieser schwierigen Lebensphase fand sie Zuflucht in der Literatur.
Aus ihren frühen Romanen sticht Aloma hervor, das stark autobiografisch geprägt ist.
Merkmale ihres literarischen Schaffens
- Realismus: Die Präsenz der alltäglichen Realität.
- Psychologismus: Das Interesse gilt den Auswirkungen der Ereignisse auf das Bewusstsein der Charaktere.
- Symbolismus: Das ständige Auftauchen von Symbolen.
- Weibliche Hauptfiguren: Die Protagonistinnen sind meist Frauen, die im Konflikt mit der Welt und insbesondere mit Männern stehen. Sie zeichnen sich durch die Flucht in eine glücklichere Vergangenheit und den Aufbau von Welten fernab der Realität aus.
- Negative Sicht des Mannes: Charakterisiert durch Egoismus und die Auffassung des Geschlechts als Form der Herrschaft über Frauen.
- Lyrik: Ein ausgeprägter poetischer Ausdruck.
Nach dem Krieg ging Rodoreda zunächst ins Exil nach Frankreich und später in die Schweiz. Diese Jahre der Stille im Exil waren von intensiver literarischer Tätigkeit geprägt. Zu ihren Werken zählen Zweiundzwanzig Erzählungen, Der zerbrochene Spiegel und Auf dem Platz des Diamanten.
Auf dem Platz des Diamanten
Die Geschichte von Natalia umfasst drei historische Momente:
- Vorkriegszeit: Die Protagonistin heiratet Quimet, einen dominanten Mann, der ihren Namen in „Colometa“ ändert.
- Krieg: Die Situation verschärft sich durch den Tod ihres Mannes an der Front und wirtschaftliche Schwierigkeiten, die die Versorgung ihrer Kinder erschweren.
- Nachkriegszeit: Natalia stabilisiert ihr Leben durch die Heirat mit Antoni.
Llorenç Villalonga (Palma 1897–1980)
Aus einer aristokratischen Familie auf Mallorca stammend, verband er seinen Beruf als Psychiater mit der Literatur. Sein Werk ist umfangreich und umfasst Romane, Kurzgeschichtensammlungen, Theaterstücke und Zeitungsartikel.
Bekannt wurde er als Romanautor mit Mort de una dama (Tod einer Dame), einem bedeutenden Roman, der die soziale Realität seiner Zeit widerspiegelt. In diesem Werk findet sich ein Spott gegenüber der aristokratischen Gesellschaftsschicht, der er selbst angehörte. Dieser Roman verursachte einen großen Skandal in der Inselgesellschaft. Seine Artikel waren zudem aufgrund ihrer anti-katalanischen Haltung und seiner Mitgliedschaft in der Falange umstritten.
Nach dem Krieg änderte er seine Haltung und wandte sich wieder dem Katalanischen zu. Sein bekanntester Roman ist Bearn oder die Puppe, der die Geschichte einer kinderlosen aristokratischen Ehe erzählt. Der Ich-Erzähler verwendet eine Standardsprache, während die Charaktere in den Dialogen die mallorquinische Variante nutzen.
Beeinflusst von Marcel Proust, sind Villalongas Werke stark autobiografisch geprägt.