Merkmale der Barockplastik und das Werk von Bernini

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Merkmale der Barockplastik

Der Wunsch nach Bewegung ist die Besessenheit der Künstler dieser Epoche. Dies bedeutet den Einsatz von freien kompositorischen Systemen, die losgelöst und ohne starre Regeln agieren. Typisch sind diagonale Kompositionen und expressive Gesten. Die Skulptur ist oft für eine oder zwei Perspektiven konzipiert und steht nur selten völlig frei. Im Allgemeinen ist sie in einen architektonischen Kontext eingebunden: als Altarbild, in Gärten oder auf Plätzen. Ihre Wirkung ist nie auf den physischen Standort beschränkt, sondern erstreckt sich auf die gesamte Umwelt; erst durch diese Einbindung erhält sie ihre volle Bedeutung.

Gian Lorenzo Bernini: Der bedeutendste Bildhauer

Gian Lorenzo Bernini (1598–1680) war ein Bildhauer von außergewöhnlichem Talent. Als Florentiner zog er nach Rom um. Seine erfolgreiche Karriere und die Wertschätzung durch die Päpste lassen sich mit der von Michelangelo vergleichen. Wie Michelangelo war er in erster Linie Bildhauer, aber auch Architekt, Maler und Dichter. Im Gegensatz zu Letzterem war er ein Mann von gutem Charakter, ein guter Vater und ein guter Sohn. Er begann seine Karriere bei seinem Vater und arbeitete bis 1624 für den Kardinal Scipione Borghese.

Karriere und Großprojekte im Vatikan

Nach der Thronbesteigung von Urban VIII. konsolidierte sich seine Karriere ab dem Jahr 1624; er widmete sich fortan verstärkt der religiösen Bildhauerei. Im Jahre 1629 wurde er zum Architekten von St. Peter ernannt. Er arbeitete mit einer Werkstatt und betreute mehrere Projekte gleichzeitig, oft über viele Jahre hinweg:

  • Neun Jahre für den Baldachin
  • Zehn Jahre für den Heiligen Longinus
  • Dreißig Jahre für die Cathedra Petri (den Stuhl)
  • Zwanzig Jahre für das Grabmal Urbans VIII.

Die wichtigsten Schaffensphasen Berninis

  1. Frühwerke (1616–1617): Darunter die Ziege Amalthea mit dem Jupiterkind (Galleria Borghese).
  2. Werke für Kardinal Borghese: Beginnend mit Aeneas und Anchises (1618–1619), eine eher manieristische Komposition. Spiralformen unterstreichen seine mythologischen Werke wie Apollo und Daphne, der Raub der Proserpina sowie der David (1623), welcher den Einfluss hellenistischer Skulptur zeigt.
  3. Religiöse Werke: Santa Bibiana und der Heilige Longinus (1629–1638) für den Petersdom im Vatikan. Dies markiert ein neues Zeitalter, in dem die Kleidung als Faktor zur Unterstützung der emotionalen Wirkung betont wird.
  4. Reifephase (1640–1650): Diese Zeit gilt als seine kreativste Phase. Zu den Werken zählen das Grabmal Urbans VIII., der Vierströmebrunnen, der Konstantin und die Verzückung der Heiligen Theresa.

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