Merkmale der Generation von 98: Spanische Literaturgeschichte
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Die Merkmale der Generation von 98
Die Generation von 98 zeichnet sich durch spezifische gemeinsame Merkmale aus:
- 1. Reales vs. offizielles Spanien: Es besteht eine klare Unterscheidung zwischen dem realen, elenden Spanien (España real) und dem sonstigen falschen, amtlichen Spanien (España aparente). Die Sorge um die Identität dessen, was den spanischen Ursprung ausmacht, wird in der sogenannten Debatte über Spanien in den nachfolgenden Generationen weitergeführt.
- 2. Liebe zu Kastilien: Die Autoren haben ein großes Interesse und eine tiefe Liebe zum elenden Kastilien (Castilla) mit seinen staubigen, verlassenen Städten. Sie bewerten die Landschaft, die Traditionen sowie die spontane und unverfälschte Sprache (castizo) neu. In ihren Schriften bereisen sie die Hochebenen, lernen Spanisch und lassen literarische Mythen sowie Balladen wieder aufleben.
- 3. Erneuerung der Gattungen: Sie brechen die alten Formen auf und erneuern die klassischen literarischen Gattungen, indem sie in allen Bereichen neue Formen schaffen. In der Erzählkunst sind dies die Nivola von Unamuno sowie der impressionistische und lyrische Roman von Azorín, der mit Raum und Zeit experimentiert und dem Leben in mehreren Epochen den gleichen Charakter verleiht. Baroja öffnet den Roman durch serielle Formen, während Valle-Inclán das Theater durch das Esperpento (Vogelscheuche), den Expressionismus oder die von Unamuno beeinflussten philosophischen Dramen revolutioniert.
- 4. Abkehr vom Realismus: Die Ästhetik des Realismus und der rhetorische Stil im Großen und Ganzen werden abgelehnt. Statt detaillierter Ausarbeitung bevorzugen sie oft eine Sprache, die näher am Volksmund (la calle) liegt, mit kürzerer Syntax und impressionistischem Charakter. Dabei werden traditionelle Wörter und typische bäuerliche Begriffe wiedererlangt.
- 5. Europäische Einflüsse: Sie versuchten, in Spanien europäische philosophische Strömungen des Irrationalismus zu etablieren, insbesondere die Lehren von Nietzsche und Bergson.
- 6. Pessimismus: Der Pessimismus ist die häufigste Einstellung unter ihnen. Ihre kritische Haltung lässt sie mit dem unzufriedenen Romantiker Mariano José de Larra sympathisieren.
- 7. Regenerationismus: Ideologisch teilen sie die Auffassung der Regeneration (Regeneracionismo), insbesondere nach Joaquín Costa, und zeigen diese in einer subjektiven Kunstform.
Stil und Ästhetik der Autoren
Der Stil ist im Hinblick auf die behandelten Autoren sehr persönlich. Sie reagieren gegen die Rhetorik, den Bombast, den Prosaismus und die verbindliche Literatur der vorherigen Epoche. Sie gelten als Erneuerer der literarischen Szene seit dem Anfang des Jahrhunderts. Der Stil ist nüchtern und direkt. Der Inhalt ist wichtiger als die Form; sie möchten dem Leser ihre Prosa so klar wie möglich vermitteln, sind anspruchsvoll und reagieren gegen Ungenauigkeiten sowie konfuse Begriffe. Veraltete Begriffe werden gesammelt und in ihren Schriften als Zeichen der Vergangenheit bewahrt.
Subjektive Vision und zentrale Themen
Die Vision ist geprägt von einer subjektiven Intonation und Sentimentalität. Ähnlich wie bei romantischen Autoren (z. B. Bécquer) konzentriert sich die Stimmung auf die betrachtete Landschaft. Daher ist die kahle spanische Hochebene (Meseta) das Symbol der Dekadenz. Die Hauptthemen der Autoren dieser Generation sind:
- Das Leben und der Tod
- Der Sinn des Lebens
- Das Vergehen der Zeit
Diese existenziellen Fragen werden vor allem durch Unamuno vertreten, obwohl auch andere Autoren Anzeichen davon in ihren Werken zeigen. In Bezug auf die Religion gibt es keine Einigkeit unter ihnen: Von Agnostikern wie Baroja über Zweifler wie Unamuno bis hin zu glühenden Katholiken wie Maeztu und Azorín sehen wir in der Generation von 98 sehr diverse Positionen vertreten.