Merkmale der Gotischen Architektur: Stil und Konstruktion

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Merkmale der gotischen Architektur

1. Konstruktive Elemente

Die gotische Architektur zeichnet sich durch innovative konstruktive Lösungen aus:

  • Spitzbogen: Im 15. Jahrhundert löste der Spitzbogen die runden Bögen der Romanik ab. Er ermöglichte elliptische oder segmentale Formen.
  • Bündelpfeiler: Die tragenden Säulen bestehen aus mehreren, zu einem Bündel zusammengefassten Diensten, die als Rippen in das Gewölbe übergehen.
  • Rippengewölbe: Das Gewölbe besteht aus tragenden Rippen und einer leichten Füllung. Dies ermöglichte den Verzicht auf dicke Mauern, die durch große Glasfenster ersetzt werden konnten.
  • Strebewerk: Um das Gewicht der Gewölbe nach außen auf Strebepfeiler abzuleiten, wurden Strebebögen eingesetzt. Fialen (spitze Türmchen) dienen dabei als dekorative und statische Beschwerung der Strebepfeiler.

2. Naturalismus

Gotische Architekten ließen sich von der Natur inspirieren, was sich oft in organischen Formen widerspiegelt, die an Pflanzenstrukturen erinnern.

3. Grundriss der Tempel

Die Grundrisse folgen meist dem lateinischen Kreuz, erkennbar an der Apsis und dem Chorumgang. Bei einem griechischen Kreuz sind die Arme gleich lang. Der Bereich, in dem sich Längs- und Querschiff kreuzen, wird als Vierung bezeichnet.

4. Vertikalität und Fassadengestaltung

Gotische Bauten zeichnen sich durch eine enorme Höhe des Mittelschiffs aus. Die Fassaden sind meist in drei horizontale Ebenen unterteilt: das Portalgeschoss, die Ebene mit der Fensterrose und den oberen Abschluss mit Türmen. Im Gegensatz zur massiven, dunklen Romanik wirkt die Gotik hoch, luftig und lichtdurchflutet.

5. Neues Raumkonzept

Die gotische Architektur verfolgt zwei wesentliche Ziele:

  • Vertikalität: Die Betonung der Aufwärtsbewegung.
  • Längsrichtung: Die Führung des Blicks durch das Mittelschiff hin zum Altar.

Das Ziel ist die himmlische Transzendenz, unterstützt durch:

  • Licht: Gefiltert durch große Fensterflächen.
  • Farbe: Einsatz in Fenstern, Kapitellen und Gewölberippen.

6. Dekoration

Die Dekoration bleibt eng mit dem sakralen Kontext verbunden, etwa durch Kapellen und Chorgestühl. Ein typisches Element ist der Wimperg, ein dekorativer Giebel über Portalen.

7. Baustoffe und Gebäudetypen

Die gotische Architektur ist primär eine Steinbaukunst.

Religiöse Bauten

Die Kathedrale ist der Prototyp der Gotik. Sie zeichnet sich durch den Grundriss des lateinischen Kreuzes, ein ausgeprägtes Strebewerk und eine vertikale Gliederung der Fassaden aus.

Zivile Gebäude

In der Spätgotik entstanden vermehrt zivile Bauten wie Burgen, Rathäuser und Gemeindehäuser.

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