Methodik der Gruppendiskussion: Definition und Anwendung
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Einsatz von Gruppentechniken
Gruppentechniken basieren nicht auf rein theoretischen Modellen. Wir nennen sie Best Practices, da ihre Ausarbeitung und Anwendung von der spezifischen Situation abhängt, in der die Messtechnik eingesetzt wird. In der Praxis finden sich häufig Grenzfälle und Hybrid-Verfahren, da jede Technik eine Anpassung an die jeweiligen Ziele und Rahmenbedingungen erfordert.
Keine Technik ist universell für jede Situation geeignet. Die Anwendung setzt die Berücksichtigung folgender Vorsichtsmaßnahmen voraus:
- Ziele: Vorab festgelegte Ziele rechtfertigen die gewählten Techniken zur Verarbeitung oder Beobachtung.
- Gruppenmerkmale: Reife, Status, verfügbare Zeit und Alter der Mitglieder.
- Moderation: Die Fähigkeiten und Kompetenzen des Moderators oder Leiters.
- Kontext: Räumliche Gegebenheiten und Ausstattung.
- Ressourcen: Verfügbare wirtschaftliche und menschliche Mittel.
Die Arbeit mit Gruppen sollte nicht zufällig oder blind erfolgen. Es ist notwendig, die Techniken und ihre Eigenheiten zu verstehen, um die soziale Wirklichkeit besser zu erfassen und die angestrebten Ziele effektiv zu erreichen.
1.1.2 Die Diskussionsgruppe: Definition und Anwendungsbereich
Es gibt zahlreiche künstlich entworfene Gruppen, um Informationen über die gesellschaftliche Wirklichkeit zu gewinnen. Die Diskussionsgruppe ist eine Form neben anderen Formaten wie Experteninterviews, Fokusgruppen oder Delphi-Gruppen. Sie bietet einen natürlichen und spontanen Rahmen, in dem Teilnehmer über gesellschaftliche Phänomene diskutieren.
Merkmale und Durchführung
Obwohl sie informellen Treffen ähnelt, unterscheidet sie sich durch ihre methodische Struktur von alltäglichen Gesprächen oder TV-Debatten. Eine Diskussionsgruppe (GD) wird als Treffen von 6 bis 10 Personen definiert, die sich idealerweise nicht kennen und unter der Leitung eines Moderators ein Thema diskutieren.
Dabei werden zwei Hauptziele verfolgt:
- Entwicklung eines Wir-Gefühls innerhalb der Gruppe.
- Fokussierung des Dialogs auf eine soziale Fragestellung als Untersuchungsgegenstand.
Der Versuchsleiter arbeitet dabei auf zwei Ebenen: der Schaffung der Gruppensituation und der inhaltlichen Führung des Diskurses.
Struktur der Gruppendiskussion
Durch die Gruppendiskussion schafft der Forscher ein künstliches soziales Mikrosystem zur Untersuchung makroökonomischer oder gesellschaftlicher Situationen. Diese zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Interaktion: Direkte Face-to-Face-Interaktion (oder digitale Äquivalente).
- Unbekanntheit: Die Teilnehmer kennen sich nicht, um Vorbelastungen zu vermeiden.
- Diskurs: Austausch unterschiedlicher Sichtweisen mit dem Ziel des Konsenses.
- Rahmenbedingungen: Fester zeitlicher und räumlicher Kontext.
- Steuerung: Die Dynamik wird durch den Forscher geleitet, um die Ziele zu kanalisieren.
Die Gruppendiskussion schafft somit ein Szenario, in dem Teilnehmer ihre Meinung so frei und spontan wie möglich äußern können.