Minderheitensprachen: Der Normalisierungsprozess des Galicischen
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Minderheitensprachen und der Normalisierungsprozess des Galicischen
Das Konzept der Minderheitensprache
Als Minderheitensprachen werden Sprachen bezeichnet, die historisch in einem spezifischen Gebiet beheimatet sind, jedoch durch den Einfluss einer dominanten Sprache in ihrem Überleben bedroht werden. Sie teilen sich den Raum mit einer offiziellen Sprache, die eine vollständige gesellschaftliche Funktion einnimmt. Wir können verschiedene Status von Minderheitensprachen unterscheiden:
- a. Ohne rechtliche Anerkennung: Sprachen wie bestimmte Regionalsprachen in Frankreich.
- b. Mit Teil-Anerkennung: Sprachen wie das Galicische, die einen gewissen Status neben der Staatssprache genießen.
- c. Mit rechtlicher Anerkennung: Sprachen wie Katalanisch in Spanien, Frankreich, Italien oder Andorra.
- d. Ausnahmefälle: Wenn die Landessprache selbst eine Minderheitensprache ist, wie Gaeilge (Irisch) in Irland.
Typologie nach John Edwards
John Edwards hat eine Typologie für Minderheitensprachen erstellt:
- Minderheitensprachen innerhalb eines Staates: Werden nur in einem Staat gesprochen.
- Nicht-exklusive Minderheitensprachen: Werden in mehr als einem Staat gesprochen.
- Lokal begrenzte Minderheitensprachen: Die Mehrheit der Sprecher befindet sich in einem anderen Staat.
Galicisch: Ein Prozess der Normalisierung
Ein Prozess der sprachlichen Normalisierung findet statt, wenn eine Sprache, die durch eine hegemoniale Sprache verdrängt wurde, in ihren Funktionen wiederhergestellt werden soll. Der Konflikt zwischen einer dominanten und einer Minderheitensprache endet entweder in der Verdrängung oder in der sprachlichen Standardisierung.
Die Normalisierung umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, den Gebrauch der Minderheitensprache in allen gesellschaftlichen Bereichen wieder zu etablieren.
Historischer Kontext und institutionelle Erholung
Seit dem Ende des Mittelalters wurde das Spanische durch rechtliche Maßnahmen zur dominanten Sprache erhoben. Im 18. und 19. Jahrhundert führte die Desgaleguización (Entgalizisierung) zu einem Rückgang der Sprache in den oberen sozialen Schichten. Die Renaissance der galicischen Literatur und die Arbeit der Bruderschaften im frühen 20. Jahrhundert legten den Grundstein für eine Erholung.
Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts begann eine institutionelle Erholung. In den 1980er Jahren wurde ein gesetzlicher Rahmen geschaffen, um die soziale Verwendung der Sprache zu fördern.
Herausforderungen der Sprachpolitik
Trotz institutioneller Bemühungen, wie durch das Generalsekretariat für Sprachpolitik, konnte die schrittweise Verdrängung des Galicischen durch das Spanische nicht vollständig gestoppt werden. Die Bemühungen konzentrierten sich auf:
- Verbesserung der Sprachkompetenz bei Beamten.
- Einführung des Galicischen in geförderten Bereichen.
- Finanzierung der CRTVG zur Förderung der galicischen Kultur.
- Förderung des Galicischen bei jungen Generationen, insbesondere an Universitäten.
Die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück, was auf drei Hauptfaktoren zurückzuführen ist:
- Mangelnde Ausbildung des Personals in der Sprachplanung.
- Nichtbeachtung geltender Rechtsvorschriften.
- Unzureichende Überwachung und Bewertung der Investitionen.
Die größte Herausforderung für die Normalisierung ist die aktive Einbindung der Zivilgesellschaft. Die Gesetzgebung zur galicischen Sprache war lange Zeit von Unbestimmtheit und Desorganisation geprägt. Erst im März 2004 wurde ein allgemeiner Plan zur Standardisierung erstellt, dessen Umsetzung in vielen Bereichen noch aussteht.