Das Mittelalter: Geschichte, Kultur und Literatur

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Das Mittelalter als historische Epoche

Als historische Epoche des Mittelalters gilt die Zeit zwischen dem Untergang des Römischen Reiches (476 n. Chr.) und dem Jahr 1492, dem Zeitpunkt der Entdeckung Amerikas sowie der Eroberung von Granada, welche das Ende der Reconquista markiert. Es ist eine Zeit des kulturellen Zusammenlebens zwischen Juden, Christen und Arabern, das eine Bereicherung darstellte, wie sie beispielhaft durch die Übersetzerschule von Toledo (gegründet von Erzbischof Raymond während der Herrschaft von Alfons X. dem Weisen) verkörpert wird.

Die Phasen der mittelalterlichen Literatur

Die mittelalterliche Literatur reicht von den ersten literarischen Zeugnissen in Kastilisch bis zu jenen, die zu Beginn der Regierungszeit von Ferdinand und Isabella entstanden. Man unterscheidet drei Stufen in der mittelalterlichen Literatur:

  • 1. Phase: Sie reicht bis zum 13. Jahrhundert und zeichnet sich durch eine Tendenz zu anonymen Werken aus.
  • 2. Phase: Das 14. Jahrhundert, in dem die ersten literarischen Persönlichkeiten erschienen.
  • 3. Phase: Das 15. Jahrhundert, eine Zeit der Vor-Renaissance und ein Übergangsjahrhundert, in dem der erste Versuch einer Anpassung italienischer Formen der Poesie erfolgte.

Die mittelalterliche Gesellschaft

Die mittelalterliche Gesellschaft basierte auf dem Feudalismus, einem System, das auf Abhängigkeiten zwischen Herren und Vasallen beruhte. Die sozialen Gruppen umfassten den Adel, den Klerus und das einfache Volk unter der Monarchie. Im 13. Jahrhundert entstand zudem das Bürgertum.

Denken und Kultur

Das Denken und die Kultur des Mittelalters waren durch den Theozentrismus geprägt: Die Religion beherrschte alle Bereiche des Lebens. Die Kultur konzentrierte sich in den Klöstern, die über bedeutende Bibliotheken verfügten. Die Geistlichen übernahmen die Arbeit der Kopisten. Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela war eine wichtige kulturelle Quelle. Die romanische Kunst war aufgrund dieser Wallfahrten in Spanien sehr bedeutend. Im 13. Jahrhundert brachte der wirtschaftliche Aufschwung durch die Entstehung der Städte auch eine Wiederbelebung der Kultur mit sich. Die ersten Universitäten entstanden (z. B. Palencia, gegründet durch Alfons VIII. im Jahr 1212). In der Spätphase des Mittelalters wurde die Romanik durch die Gotik ersetzt.

Mittelalterliche Epik: Mester de Juglaría

Das erste Auftreten des Epos in der kastilischen Literatur ist auf die Heldenlieder (Cantares de Gesta) zurückzuführen – Gedichte, in denen die Taten von Helden besungen werden. Sie sind anonym, und ihr Ziel war es, Ereignisse in einer Gesellschaft zu verbreiten, die fast vollständig aus Analphabeten bestand und keine anderen Medien besaß. Die erzählten Taten sollten als Beispiel und Ansporn für die Menschen dienen. All dies war mit der Absicht verbunden, die Massen mit diesen Geschichten zu unterhalten. Die Verbreitung der Lieder erfolgte mündlich durch die Barden (Spielleute), die im Gegenzug Geld erhielten. Das Handwerk der Spielleute ist als Mester de Juglaría bekannt. Der Spielmann stützte sich auf mündliche Quellen und baute seine Geschichten aus dem auf, was er auf seinen Wanderungen hörte. Merkmale sind Versos de arte mayor, Assonanzreime sowie feste Formeln, die das Auswendiglernen erleichterten, sowie zahlreiche direkte Ansprachen an das Publikum. Das kastilische Epos zeichnet sich durch seinen Realismus aus. Besonders hervorzuheben ist die Verwendung epischer Beinamen bei der Nennung des Helden. Die Epen scheinen der Ursprung der Romanzen (Balladen) zu sein. Diese wurden zunächst mündlich verbreitet und ab dem 15. Jahrhundert in Liederbüchern (Romanceros) schriftlich festgehalten.

Überlieferung der Texte

Aktuelle Studien zeigen, dass ursprünglich viel mehr Epen verbreitet waren, als heute erhalten sind. Die Gedichte, die uns im kastilischen Epos erhalten geblieben sind, umfassen den Cantar de Mio Cid, die Mocedades de Rodrigo und den Cantar de Roncesvalles. Keines dieser Werke ist jedoch vollständig überliefert.

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