Mittelalterliche Lyrik: Tradition und Kultur

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Mittelalterliche Lyrik

Bis zum vierzehnten Jahrhundert war die Lyrik ausgesprochen beliebt. Sie wurde mündlich überliefert, in der Regel mit Musik begleitet, und das Hauptthema waren Liebeslieder, meist aus weiblicher Perspektive. Kultivierte lyrische Proben sind in der mittelalterlichen kastilischen Literatur sehr selten; erst ab dem fünfzehnten Jahrhundert begann man, diese Poesie und das Songwriting zu sammeln. Allerdings gab es im Galizischen, Katalanischen und anderen romanischen Sprachen, die vom provenzalischen Dialekt beeinflusst waren, eine reiche Tradition der höfischen Dichtung.

Traditionelle oder populäre Lyrik

Die traditionelle und populäre Lyrik weist trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft eine Reihe gemeinsamer Merkmale auf:

  • Thematische und stilistische Ähnlichkeiten: Werke aus verschiedenen Epochen und Kulturen ähneln sich.
  • Mündliche Überlieferung: Sie wird von Generation zu Generation weitergegeben, meist in Form von Liedern oder Tänzen.
  • Anonymität: Der Autor ist in der Regel anonym und kollektiv.

1. Mozarabische Lyrik / Jarchas

Die Jarchas sind eines der ersten Beispiele der lyrischen Dichtung auf der Halbinsel. Die ältesten stammen aus dem zehnten bis zwölften Jahrhundert. Es handelt sich um kurze und einfache Kompositionen mit Texten in mozarabischer Schrift (in hebräischer oder arabischer Schrift verfasst). Das Mozarabische war ein romanischer Dialekt (aus dem Lateinischen) mit starkem arabischem Einfluss, der von Christen im muslimischen Gebiet der Halbinsel gesprochen wurde. Mit dem Fortschritt der Reconquista verschwand er, was die Auslegung der Jarchas erschwerte. Normalerweise werden Jarchas aus der Sicht einer jungen Frau vorgetragen, die sich entweder direkt an ihren habibi (Geliebten) oder an ihren weiblichen Kreis (Mutter, Schwestern und Freunde) wendet. Das Hauptthema ist die Liebe, wobei die Lieder der Freundin im städtischen Umfeld eine besondere Sinnlichkeit und Kühnheit der Protagonistin betonen. Formell handelt es sich um Kompositionen von zwei bis sieben kurzen Versen mit gelegentlichen assonierenden Reimen.

2. Galizisch-portugiesische Lyrik / Cantiga de Amigo

Nach ihrem beherrschenden Thema werden die Lieder der Freundin in folgende Gruppen unterteilt:

  • Wallfahrtslieder: Die Begegnung zwischen den Liebenden findet während der Wallfahrt zu einem religiösen Schrein statt.
  • Barcarolles: Die Evokation des Geliebten bezieht sich auf das Meer.
  • Tanzlieder: Der Tanz wird mit der Liebe assoziiert.

3. Traditionelle katalanische Lyrik

Aus bescheidenen Anfängen, wie der Pastorela (Treffen zwischen Ritter und Schäferin) oder der Albada (Lieder zu Ehren des Brautpaares oder zum Abschied der Geliebten am nächsten Morgen), entwickelte sich eine raffinierte und kultivierte Poesie. Diese wurde von Troubadouren an den Höfen geschaffen und gesungen, um die großen Herren zu unterhalten. Diese Dichtung verbreitete die Ideologie der höfischen Liebe – ein poetisches Spiel, das eine Parallele zwischen der Beziehung von Lehnsherr und Vasall und der Liebe zur Frau zieht.

4. Traditionelle kastilische Lyrik / Weihnachtslieder

Neben dem Weihnachtslied finden wir eine Vielzahl von Volksdichtung, die durch Unregelmäßigkeiten gekennzeichnet ist. Die parallelistische Ballade basiert auf der Wiederholung desselben Refrains in jeder Strophe aus zwei monorhythmischen Zeilen. Es gibt eine Vielzahl von Themen, von der Feldarbeit (Pflügen, Mähen, Ernten, Weiden) bis hin zum Thema par excellence der traditionellen Lyrik: der Liebe. In der kastilischen Liebesdichtung wird oft die Beschreibung des Geliebten betont (Augen und Haare), die Liebe in der Wallfahrtskirche, in der Dämmerung, an der Quelle oder am Fluss, der Liebesschmerz sowie Protestlieder gegen eine frühreife Heirat oder den ungewollten Eintritt ins Kloster.

Kultivierte Lyrik

Die lírica culta drückt Emotionen und Gefühle einer männlichen Stimme aus und wurde von der höfischen Liebe inspiriert: Die Liebe ist eine Kraft, die Leiden verursacht – ein Leiden, das der Dichter-Vasall mit Freude begrüßt. Ihre Blütezeit lag im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert, vor allem in letzterem.

1. Galizisch-portugiesische Lyrik

  • Cantigas de amor: Sie sind durch den Einfluss der höfischen Dichtung geprägt, sowohl in den Themen als auch in den raffinierten und komplexen poetischen Techniken der Dichter.
  • Spott- und Schmählieder: Themen des täglichen Lebens, Politik und Gesellschaft werden aus satirischer und komischer Sicht behandelt. Der Stil ist lässig, humorvoll und manchmal rau. Die Sprache ist einfach und nutzt Jargon und Slang.

2. Kastilische Lyrik

Das Galizisch-Portugiesische galt als die kulturelle Sprache der Poesie par excellence, weshalb man erst ab dem fünfzehnten Jahrhundert begann, kultivierte Lyrik auf Kastilisch zu verfassen. Alfonso Álvarez de Villasandino begann zwar auf Portugiesisch zu schreiben, verfasste aber ab dem Jahr 1400 seine lyrischen Kompositionen auf Kastilisch.

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