Mündliche Kommunikation und Grammatik: Ein Leitfaden
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Unit 5: Mündliche Kommunikation
Wenn wir einen Kommunikationsakt vollziehen, besteht die erste sprachliche Wahl zwischen der Schriftsprache und der gesprochenen Sprache. Aus kommunikativer Sicht sind mündliche und schriftliche Sprache zwei Codes mit unterschiedlichen Funktionen, die gewöhnlich in verschiedenen Situationen verwendet werden, auch wenn sie dieselbe Sprache nutzen.
Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Sprache
Die Unterschiede lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:
- Kontextuell: Diese ergeben sich aus der Äußerungssituation.
- Textuell: Diese resultieren aus den oben genannten Faktoren und beziehen sich direkt auf die Sprache.
Mündliche Sprache
- Kontextuell: Auditiver Kanal, spontan, unmittelbar in Zeit und Raum, Nutzung nonverbaler Codes.
- Textuell: Verwendung von Dialekten, weniger sorgfältige Auswahl und Organisation von Ideen, Bedeutung der Intonation, Deixis und Ellipsen, einfache Syntax und ungenauer Wortschatz.
Schriftliche Sprache
- Kontextuell: Visueller Kanal, ausgearbeitet, zeitlich und räumlich verzögert, geringerer Einsatz nonverbaler Codes.
- Textuell: Neutralisierung von Dialekten, strukturierte Ideen ohne Wiederholungen, Textkohäsion durch Anaphern, Zeichensetzung und Konnektoren, komplexere Syntax und präzises Vokabular.
Merkmale der Mündlichkeit
Der kommunikative Akt wird durch die physische Präsenz der Partner im selben Raum und zur selben Zeit durchgeführt. Der Sender kann das Gesagte zwar modifizieren, aber nicht löschen. Die Flüchtigkeit des gesprochenen Wortes macht es in der Regel informeller als das geschriebene Wort.
Mündliche Textsorten
Die gesprochene Sprache variiert je nach Grad der Planung und der Anzahl der beteiligten Personen:
- Nach Planungsgrundlage: Wir unterscheiden zwischen spontanen mündlichen Texten (z. B. Konversation) und geplanten mündlichen Texten (z. B. Interview, Seminar, Rundtischgespräch, Konferenz oder Referat).
- Nach Einbindung der Partner: Es gibt singuläre Texte, die eine einzelne Person ausführt (z. B. Vortrag), und plurale Diskurse oder Dialoge (z. B. Gespräch, Diskussion).
Spontanes Gespräch
Das Gespräch ist ein mündlicher Austausch zwischen zwei oder mehr Personen, die sich abwechseln. Als ungeplante Kommunikation nutzt es Redewendungen zum Aufbau des Textes und zur Entwicklung des Themas.
Die Nominalphrase
Die Nominalphrase (NP) ist durch einen Namen (Nomen) oder ein anderes nominales Element als Kern gekennzeichnet.
- Determinanten: Artikel, Possessivpronomen, Indefinitpronomen, Numerale, Interrogativ- und Exklamativpronomen.
- Kern: Nomen, Pronomen oder substantivierte Elemente.
- Ergänzungen (CN): Adjektivphrase, Präpositionalphrase, Apposition oder Relativsatz.
Das Nomen (Substantiv)
Das Nomen ist eine Wortklasse mit den Merkmalen Genus (Geschlecht) und Numerus (Anzahl) und bildet den Kern einer Nominalphrase.
Semantische Klassifikation der Nomen
Nomen benennen die Realität: Personen, Tiere, Objekte und abstrakte Gebilde. Sie werden wie folgt eingeteilt:
- Gattungsnamen vs. Eigennamen: Gattungsnamen bezeichnen Wesen derselben Art; Eigennamen bezeichnen individuelle Wesen.
- Konkret vs. Abstrakt: Konkrete Nomen bezeichnen sinnlich wahrnehmbare Objekte.
- Individualnamen vs. Kollektivnamen: Individualnamen bezeichnen in der Einzahl ein einzelnes Wesen; Kollektivnamen eine Gruppe.
- Zählbar vs. Nicht zählbar: Zählbare Substantive können mit Zahlen kombiniert werden.
- Belebt vs. Unbelebt: Belebte Substantive (Kind, Katze) beschreiben Lebewesen; unbelebte (Stein, Tisch) bezeichnen Gegenstände.
Determinanten (Begleiter)
Die wichtigste Funktion der Determinanten ist es, dem Kern voranzustehen und dessen Bedeutungsumfang zu bestimmen, ohne lexikalische Bedeutung hinzuzufügen.
- Bestimmte und unbestimmte Artikel: (der, die, das; ein, eine).
- Demonstrativpronomen: (dieser, jener) zur räumlichen oder zeitlichen Verortung.
- Possessivpronomen: (mein, dein, sein) zur Angabe der Zugehörigkeit.
- Indefinitpronomen: (all, kein, wenig, viel) zur unbestimmten Mengenangabe.
- Numerale: (eins, zwei, erster) zur exakten Mengen- oder Rangangabe.
- Interrogativ- und Exklamativpronomen: Zur Einleitung von Fragen oder Ausrufen.
Das Adjektiv
Das Adjektiv ist eine Wortklasse, die sich auf ein Nomen bezieht, in Genus und Numerus mit ihm übereinstimmt und als Attribut oder Prädikatsnomen fungiert. Es drückt Qualitäten, Ränge oder Lagen aus.
Steigerungsstufen (Graduierung)
- Positiv: Grundform (schön).
- Komparativ: Vergleichsstufe (schöner als).
- Superlativ: Höchste Stufe (am schönsten / der schönste). Er kann absolut (sehr schön) oder relativ (der schönste der Gruppe) auftreten.
Arten von Adjektiven
- Spezifizierende Adjektive: Unterscheiden ein Objekt von anderen derselben Art.
- Erläuternde Adjektive (Epitheta): Heben eine bereits bekannte Eigenschaft hervor.
Funktionen der Nominalphrase
Die Nominalphrase kann verschiedene Rollen im Satz spielen: Subjekt, Vokativ, Genitivattribut, Objekt (Akkusativ, Dativ), Prädikatsnomen oder adverbiale Bestimmung.
Lektion 6: Geplante mündliche Texte
Unsere Gesellschaft erfordert Kompetenz in geplanten mündlichen Texten, besonders im beruflichen, wissenschaftlichen und akademischen Bereich sowie in den Massenmedien. Diese Texte können singulär (eine Person, z. B. Konferenz) oder plural (mehrere Personen, z. B. Debatte) sein.
Formen der singulären Kommunikation
Hierbei informiert oder überzeugt eine Person die Zuhörer in geordneter Weise. Beispiele sind:
- Die Konferenz: Ein Fachvortrag zu wissenschaftlichen oder kulturellen Themen.
- Die Rede: Eine feierliche Erklärung zu Themen von allgemeinem Interesse.
- Der mündliche Bericht: Eine Darstellung von Fakten oder Tätigkeiten, oft in Business-Meetings.
Diese Kommunikation ist unidirektional. Der Sender muss Inhalt, Struktur, Dauer und Ton beherrschen. Der Empfänger fungiert als Publikum und interagiert kaum direkt.
Struktur und sprachliche Formen
Eine gute Planung und ein Skript sind essenziell:
- Einführung: Begrüßung, Vorstellung des Themas und Motivation des Publikums.
- Hauptteil (Entwicklung): Geordnete Präsentation von Ideen, Nutzung von Argumenten, Beispielen und Beweisen.
- Schluss: Kurze Zusammenfassung und ggf. Ausblick oder Diskussion.
Außersprachliche Techniken
Körperhaltung, Mimik und Gestik sind entscheidend. Die Aussprache muss klar, das Tempo angemessen und die Lautstärke variabel sein, um Monotonie zu vermeiden.
Plurale Kommunikation: Die Debatte
Die Debatte ist eine Konfrontation von Meinungen zu einem Thema. Beteiligte Rollen:
- Moderator: Leitet die Diskussion, erteilt das Wort, fasst zusammen und schlichtet Streit.
- Sekretär: Notiert die wichtigsten Interventionspunkte.
- Teilnehmer: Liefern Argumente und vertreten klare Standpunkte.
Weitere Formen sind das Symposium (Informationsaustausch) und der Runde Tisch (gleichberechtigter Austausch von Experten).
Die Verbalphrase: Das Verb
Die Verbalphrase fungiert als Prädikat des Satzes; ihr Kern ist das Verb. Ein Verb besteht aus einem Lexem (Bedeutungsträger) und Morphemen (grammatische Informationen).
Grammatische Kategorien des Verbs
- Person und Numerus: Wer handelt (ich, du, er/sie/es) und wie viele (Singular/Plural).
- Tempus (Zeit): Wann die Handlung stattfindet (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft).
- Modus: Haltung des Sprechers (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ).
- Aspekt: Gibt an, ob eine Handlung abgeschlossen ist (perfektiv) oder noch andauert (imperfektiv).
Verbformen
- Finite (persönliche) Formen: Nach Person und Numerus konjugiert.
- Infinite (unpersönliche) Formen: Infinitiv (singen), Gerundium (singend) und Partizip (gesungen).
Regelmäßige und unregelmäßige Verben
- Regelmäßig: Stamm bleibt gleich, Endungen folgen dem Modell.
- Unregelmäßig: Stamm oder Endungen ändern sich.
- Defektive Verben: Verben mit unvollständiger Konjugation (z. B. Wetterverben wie regnen).
Verbale Periphrasen (Umschreibungen)
Eine Periphrase besteht aus einem Hilfsverb und einer infiniten Verbform, die zusammen eine Bedeutungseinheit bilden:
- Modale Periphrasen: Drücken Pflicht oder Vermutung aus (müssen, sollen, können).
- Aspektuelle Periphrasen: Drücken den Verlauf aus (beginnen zu, gerade dabei sein, wiederholen).
Das Genus Verbi: Aktiv und Passiv
Die Stimme zeigt an, ob das Subjekt die Handlung selbst ausführt (Aktiv) oder die Handlung erleidet (Passiv). Das Passiv wird meist mit einer Form von "werden" und dem Partizip gebildet.