Vom Mythos zum Logos: Die Anfänge der Philosophie

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1. Das Wesen der Dinge und die philosophische Ontologie

Die Idee, dass Dinge eine konsequente Art des Seins besitzen, wird in der Philosophie als Wesen (griechisch: eidos) bezeichnet. Das Wesen einer Sache ist das, was ein Ding trotz äußerer Veränderungen in seinem Kern ausmacht. Frühe Philosophen entwickelten hierzu gegensätzliche Begriffe der Ontologie:

  • Wesen vs. Erscheinung
  • Dauer vs. Veränderung
  • Einheit vs. Vielfalt

Auch auf erkenntnistheoretischer Ebene (Gnoseologie) entstand der Gegensatz zwischen Vernunft und Sinnen. Man erkannte, dass die bloße sinnliche Wahrnehmung nicht ausreicht, um das wahre Wesen der Dinge zu erfassen; dazu ist eine rationale Abstraktion notwendig.

2. Die Suche nach dem Ursprung: Die Arche

Die zweite grundlegende Überzeugung der frühen Philosophen war, dass das gesamte Universum vernünftig und verständlich ist und auf wenige Grundprinzipien reduziert werden kann. Diese Suche nach dem Wesen gleicht einer taxonomischen Einordnung, wie sie heute in der Biologie üblich ist.

Die griechischen Philosophen nannten dieses letzte Prinzip der Wirklichkeit Arche. Die Arche ist der Ursprung, das Substrat, auf das alles reduziert werden kann. Die ersten Philosophen und Wissenschaftler suchten die Arche in der Physis (Natur). Die revolutionäre Neuerung bestand darin, natürliche Erklärungen für natürliche Phänomene zu suchen. Thales, der erste Philosoph und Wissenschaftler der Geschichte, argumentierte, dass Wasser die Arche von allem Seienden sei. Dies war revolutionär, da er erstmals auf göttliche Erklärungen verzichtete.

3. Der Übergang vom Mythos zum Logos

Rund um das 6. Jahrhundert v. Chr. begannen einige Denker in der griechischen Kolonie Milet, mythische Erklärungen des Universums zurückzuweisen und erste rationale Erklärungen zu formulieren. Mit ihnen entstand die Philosophie und Wissenschaft – eine geistige Revolution, die als Übergang vom Mythos zum Logos bekannt ist.

Wissenschaft im Westen begann als Suche nach den Gesetzen, die die Natur regieren. Dieses Unterfangen ist nur möglich, wenn Anthropomorphismus und Willkür – Merkmale des Mythos – durch die Ideen von Ordnung und Notwendigkeit ersetzt werden. Das Universum wird als Kosmos (ein geordnetes Ganzes) begriffen, nicht als Chaos. Ereignisse geschehen aufgrund unpersönlicher Gesetze.

Während Mythen und Religionen auf Glauben basieren, setzen Wissenschaft und Philosophie die Vernunft voraus. Dennoch beruht die Wissenschaft auf einem grundlegenden Vertrauen: dem Glauben, dass die Welt rational und verständlich ist und die menschliche Vernunft in der Lage ist, die Struktur des Universums zu erfassen.

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