Narrative Texte und der Roman als Genre
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Die Erzählung oder das Epos wird von Schriftstellern als eine literarische Gattung verstanden, die versucht, die Welt so objektiv wie möglich darzustellen. Zusammen mit der Lyrik, dem Drama und Sachtexten wird sie anhand gemeinsamer Merkmale klassifiziert.
Die epische Erzählung tritt meist in Prosa auf, abgesehen von Ausnahmen wie romantischen oder epischen Gedichten in Versform.
Prosaerzählung: Subgenres
Die wichtigsten Subgenres sind:
- Die Geschichte: Eine in der Regel kurze Erzählung mit wenigen Charakteren, einem einzelnen Handlungsstrang und geringerer Komplexität als ein Roman. Die Grenzen sind fließend. Die Novelle fungiert hierbei als Hybrid mit einer Länge zwischen Kurzgeschichte und Roman. Traditionell wurden Geschichten mündlich überliefert und hatten oft einen didaktischen oder moralisierenden Zweck (z. B. El Conde Lucanor von Don Juan Manuel). Ab dem 19. Jahrhundert entwickelten Autoren Kurzgeschichten mit künstlerischem Anspruch für ein erwachsenes Publikum (z. B. Edgar Allan Poe oder Gustavo Adolfo Bécquer).
- Der Roman: Er zeichnet sich durch größere Länge und Komplexität aus. Er bietet erzählerische Freiheit und kann Dialoge, dramatische Fragmente oder lyrische Beschreibungen enthalten. Es gibt zahlreiche Unterarten wie historische Romane, Abenteuer-, Kriminal-, psychologische oder Liebesromane. Der Roman ist heute die bedeutendste literarische Gattung.
Merkmale des Romans
Der Roman ist die vollendete Erzählform, in der eine Geschichte über Personen in einem bestimmten Kontext erzählt wird. Er weist folgende Merkmale auf:
1. Erzähler und Sichtweise
Der Erzähler ist nicht mit dem realen Autor zu verwechseln. Er ist die „Stimme“, die die Fakten ordnet und aus einer bestimmten Perspektive (Sichtweise) präsentiert.
Man unterscheidet:
- Interner Erzähler: Ein Charakter erzählt die Geschichte (Ich-Erzähler oder Zeuge).
- Externer Erzähler: Die Geschichte wird von außen erzählt (dritte Person). Er kann als allwissender Erzähler, als objektiver Beobachter (wie eine Kamera) oder als Erzähler-Editor (der behauptet, das Werk nur gefunden oder herausgegeben zu haben) auftreten.
2. Die erzählte Geschichte
Die narrativen Elemente sind: Aktion (was geschieht), Zeit (wann es geschieht), Charaktere und Umwelt (der Ort des Geschehens).
- Aktion: Die Abfolge der Ereignisse. Man unterscheidet zwischen der chronologischen Geschichte und der künstlerischen Struktur (z. B. Rückblenden oder Zick-Zack-Erzählweise).
- Charaktere: Man unterscheidet zwischen Stereotypen (Held, Antiheld), Typen (soziale Gruppen wie Bettler oder Soldaten) und individuellen Charakteren mit psychologischer Komplexität.
- Umwelt: Der Raum kann real (z. B. Madrid), imaginär (an die Realität angelehnt, wie Vetusta bei Clarín) oder fantastisch (Science-Fiction oder Fantasy) sein.
- Zeit: Man unterscheidet zwischen äußerer Zeit (Handlungszeitraum) und innerer Zeit (chronologische Anordnung). Techniken wie In media res (Beginn in der Mitte), In extremis res (Beginn am Ende) oder Kontrapunkt (Gegenüberstellung von Situationen) sind gebräuchlich.
3. Diskursive Muster
Ein Merkmal ist die diskursive Pluralität, die Beschreibung, Erzählung und Dialog kombiniert. Wichtige Modi sind:
- Erzähltext: Der Erzähler berichtet über die Worte der Charaktere, ohne sie direkt wiederzugeben.
- Indirekte Rede: Der Erzähler gibt die Worte der Charaktere mit einem einleitenden Verb (sagen, schreien, murmeln) wieder.
- Direkte Rede: Der Erzähler gibt das Gespräch der Charaktere wörtlich wieder.
- Monolog: Die Stimme und Vision des Charakters stehen im Vordergrund, wobei der Erzähler die logische Ordnung beibehält.