Nationalismus, Imperialismus und der Wandel im 19. Jahrhundert

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Nationalismus und die Bildung von Nationalstaaten

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich zwei grundlegende Vorstellungen von Nationalismus: Die Auffassung der deutschen Romantik verteidigte die Kulturnation; für sie war die Nation wie ein lebendiger Organismus. Französische Theoretiker hingegen stellten eine politische Konzeption der Nation dar, die durch das Volk gebildet wurde und auf dem Austausch von Gesetzen, Rechten und Pflichten basierte. Dies führte zu einer gezielten Nationalisierungspolitik.

Die Nationalisierungspolitik der Staaten

Staaten initiierten Maßnahmen zur nationalen Identitätsstiftung: Jedes Land entwickelte eine Nationalsprache, Flaggen und Hymnen. Sogar der Leistungssport wurde genutzt, um sich von anderen Ländern abzugrenzen.

Zerfallende nationalistische Bewegungen

  • Belgien: Trennte sich 1830 von den Niederlanden und wurde ein unabhängiger Staat.
  • Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich: Verschiedene Gruppen schufen Bewegungen, die Unabhängigkeit forderten. Das türkische (osmanische) Reich fragmentierte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts. Zuerst trennte sich Griechenland, gefolgt von Serbien, Rumänien, Montenegro, Bulgarien und Albanien.
  • Irland: Erlangte 1922 die Unabhängigkeit von Großbritannien.

Die Einigung Italiens und Deutschlands

Die italienische Einigung wurde unter der Leitung von Piemont vorangetrieben und gipfelte im Jahr 1861. Die Wiedervereinigung Deutschlands wurde ab 1862 von Wilhelm I. und dem ersten Minister Bismarck beschleunigt. Durch militärische Kapazitäten entstand 1871 das Deutsche Kaiserreich, das II. Reich.

Die Expansion der USA und der Sezessionskrieg

Von 1800 bis 1850 wuchs die Bevölkerung der USA von 5 auf 23 Millionen Einwohner, primär durch die Aufnahme von Einwanderern und neuen Gebieten wie Louisiana, New Mexico und Florida. 1848 folgte die Expansion nach Kalifornien. Diese Landnahme prägte das Volk der USA und führte zur Herausbildung von drei unterschiedlichen Regionen: Nord, West und Süd.

Sklaverei und Bürgerkrieg

Die Zusammenstöße zwischen Abolitionisten (Gegnern der Sklaverei) und Sklavenstaaten waren im 19. Jahrhundert dauerhaft präsent. 1860 wurde Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt, der gegen die Sklaverei eintrat. Daraufhin spalteten sich 11 Staaten im Süden ab, da sie dieses Recht beanspruchten. Der Bürgerkrieg (1861–1865) endete mit dem Sieg des Nordens. Dabei kamen moderne Waffen wie Gewehre, Schlachtschiffe und Revolver zum Einsatz.

Die Ära des Wiederaufbaus

Es folgte eine Zeit großen wirtschaftlichen Wohlstands, in der die USA zur Weltmacht aufstiegen. Die Sklaverei wurde abgeschafft. In der Politik entstanden zwei dominierende Parteien: Republikaner und Demokraten.

Liberalismus und politische Systeme

In Großbritannien und Frankreich entwickelte sich die Demokratie allmählich durch das allgemeine Männerwahlrecht, die Entwicklung der Religions- und Meinungsfreiheit sowie die Entstehung moderner politischer Parteien. Dennoch gab es noch keine authentische Demokratie: Frauen fehlten viele Rechte, was zur Sufragetten-Bewegung führte, und es gab Wahlmanipulationen. Im frühen 20. Jahrhundert wurden Arbeitslosenversicherungen und Renten eingeführt.

Autoritäre politische Systeme

  • Russland: Der Zar und der Adel monopolisierten die Macht. Die Leibeigenschaft bestand bis 1861. Die Wirtschaft war agrarisch geprägt, gestützt durch die orthodoxe Kirche und das Offizierskorps.
  • Deutschland: Verabschiedete eine fortschrittliche Verfassung mit einem Parlament und betrieb eine aktive Sozialpolitik.
  • Österreich-Ungarische Monarchie: Der Kaiser besaß die volle Macht, unterstützt durch die katholische Kirche, den Adel und die Armee.

Das Zeitalter des Imperialismus

Imperialismus bezeichnet die Herrschaftsausdehnung eines Landes über ein anderes. Dabei unterscheidet man zwischen der Metropole (Eroberer) und den Kolonien (Eroberte). Im 16. und 17. Jahrhundert waren Spanien und Portugal die Hauptakteure. Im 19. Jahrhundert wurden Großbritannien und Frankreich zu den wichtigsten Mächten, gefolgt von Deutschland, Italien, den USA und Belgien. Außerhalb Europas stieg Japan auf. 1914 hingen 84 % der Welt von Europa und den USA ab.

Faktoren des Imperialismus

  • Wirtschaftliche Faktoren: Kolonien wurden zu Absatzmärkten und Räumen für Kapitalinvestitionen. Sie lieferten zudem billige Rohstoffe.
  • Politische Faktoren: Eroberung strategischer Standorte sowie Streben nach Prestige und Nationalstolz.
  • Demografische Faktoren: Millionen Europäer migrierten in die Kolonien.
  • Ideologische Faktoren: Rassistische Ideologien und die Überzeugung, dass Weiße den Schwarzen überlegen seien und die Aufgabe hätten, sie zu „zivilisieren“. Es wurden Missionen in Afrika, Asien und Ozeanien gegründet.
  • Wissenschaftliche Neugier: Geographische Gesellschaften und Forschungsreisen führten dazu, dass das Land, welches ein Gebiet zuerst erkundete, das Recht zur Kolonialisierung beanspruchte.

Der Prozess der Eroberung

Großbritannien eroberte im 19. Jahrhundert Indien, während Frankreich Algerien besetzte. 1870 wurden die Kontinente unter den Mächten aufgeteilt (Berliner Konferenz 1885). Lateinamerika erreichte zwar die Unabhängigkeit von Spanien und Portugal, blieb aber im 19. Jahrhundert wirtschaftlich von europäischen Ländern und später verstärkt von den USA abhängig.

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