Naturalismus und Realismus: Epochen der Literaturgeschichte
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Naturalismus
Der Naturalismus war eine literarische Bewegung, die im späten 19. Jahrhundert entstand und in geringerem Maße auch andere Künste beeinflusste. Ihr Begründer war Émile Zola in Frankreich, von wo aus sie sich in den Westen verbreitete.
Die Bewegung zielt darauf ab, die absolut objektive Realität zu erfassen, weshalb sie oft als Weiterentwicklung des Realismus bezeichnet wird. Sie integrierte Aspekte, die bis dahin in der Literatur kaum Beachtung fanden: benachteiligte soziale Schichten, soziale Probleme, Krankheiten und sexuelle Themen. Es herrscht eine gesellschaftliche Kritik mit einer pessimistischen Grundhaltung vor, wobei die Protagonisten meist dem Proletariat entstammen.
Wissenschaftliche Methode und Determinismus
Der Naturalismus umfasst die Anwendung einer wissenschaftlichen Methode: Der Autor beobachtet seine Umgebung bis ins kleinste Detail und stellt Erklärungshypothesen auf. Die Charaktere bewegen sich innerhalb eines Rahmens, der durch genetischen Determinismus und das soziale Umfeld geprägt ist. Aufgrund dieses wissenschaftlichen Ansatzes ist die Bewegung stark materialistisch und atheistisch geprägt.
Die Strömung findet ihre Entsprechung in der Philosophie und in politischen Reformen. Die dargestellten Personen und Fakten sind zeitgenössisch. Zu den wichtigsten Vertretern zählen Clarín, Guy de Maupassant, Henri Barbusse sowie die späteren Werke von Narcís Oller.
Realismus
Der Realismus ist eine Kunstrichtung, die darauf abzielt, die Realität auf möglichst präzise Weise in Kunstwerken abzubilden. Während frühere Epochen versuchten, Modelle idealisiert nachzuahmen, verzichtet der Realismus darauf und nutzt detaillierte Symbole und Beschreibungen. Als autonome Bewegung etablierte er sich im 19. Jahrhundert in der Bildhauerei, der Malerei und der Literatur.
Merkmale des Realismus
- Streben nach Objektivität: Ablehnung der Welt der Fantasie und Träume.
- Präzise Darstellung: Die Wirklichkeit wird ohne Verschönerung abgebildet; Landschaften werden als humanisierte Natur dargestellt.
- Zeitgenössische Themen: Häufige Darstellung sozialer Kritik.
- Detaillierte Beschreibung: Genaue Profile von Charakteren, Situationen und Orten. Das Alltägliche steht im Fokus, wobei politische, soziale und menschliche Aspekte erklärt werden.