Neurologische Störungen: Bewusstsein, Gedächtnis und Motorik
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I. Quantitative Bewusstseinsstörungen
Diese beziehen sich auf den Verlust oder die Verminderung des Bewusstseins und werden in vier Kategorien nach Schweregrad klassifiziert:
- 1. Schläfrigkeit (Somnolenz): Akute Störung des zentralen Nervensystems. Der Patient ist wach, aber verlangsamt, zeigt Aufmerksamkeitsdefizite und eine verminderte spontane Aktivität. Die Orientierung bleibt erhalten. Bei Verschlechterung tritt zeitliche und räumliche Desorientierung sowie Verwirrtheit auf.
- 2. Benommenheit: Der Patient neigt zum Schlaf, ist aber leicht erregbar. Typisch ist ein glänzendes, fettiges Gesicht (erhöhte Talgdrüsensekretion).
- 3. Sopor: Der Patient schläft tief und reagiert nur auf starke Reize. Er spricht kaum und führt nur einfache Abwehrbewegungen gegen störende Reize aus.
- 4. Koma: Vollständiger Verlust der Beziehung zur Umwelt und der Handlungsfähigkeit. Vegetative Störungen treten auf.
Stadien des Komas
- a. Oberflächliches Koma: Keine Reaktion auf Schmerzreize, Muskeltonus vorhanden.
- b. Synergistisches Flexor-Koma: Unwillkürliche Bewegungen, Beugung der oberen Extremitäten.
- c. Extensor-Synergie: Innenrotation der oberen Extremitäten und Streckung des Kopfes.
- d. Terminalphase: Verlust aller Bewegungen, Muskelatonie (Hypotonie).
Ursachen des Komas
- Supratentorielle Läsion: Ausgedehnte Läsionen (Tumoren, Hämatome, Infektionen) mit geordnetem Abbau der Gehirnfunktion.
- Infratentorielle Läsion: Kompression oder Zerstörung des Hirnstamms (Blutung, Infarkt).
- Diffuse/Metabolische Läsion: Multifaktoriell (Ischämie, Hypoglykämie, Leber-/Nierenversagen, Toxine, Elektrolytstörungen, Hypo-/Hyperthermie).
Differenzialdiagnosen des Komas
- Akinetischer Mutismus: Patient spricht nicht, folgt aber mit dem Blick.
- Katatoner Stupor: Erstarrung, keine Reaktion auf Bewegungsreize.
- Wachkoma: Zerstörung der Großhirnfunktion bei erhaltenen vegetativen Funktionen.
- Psychogene Bewusstlosigkeit: Hysterischer Zustand.
- Hirntod: Irreparable Schädigung mit Apnoe, fehlenden Hirnstammreflexen, weiten Pupillen und fehlender Hirndurchblutung.
II. Qualitative Bewusstseinsstörungen
- 1. Akutes Delirium: Begleitet fieberhafte Erkrankungen; gekennzeichnet durch Agitation, Verwirrtheit und visuelle Halluzinationen.
- 2. Korsakow-Syndrom: Gedächtnisstörung mit Konfabulationen und falscher Wiedererkennung, oft bei Vitamin-B1-Mangel.
- 3. Dämmerzustand: Bewusstsein ist auf ein einzelnes Objekt fixiert.
III. Gedächtnisstörungen
Das Gedächtnis umfasst Wahrnehmung/Kodierung, Retention/Speicherung und Evokation/Abruf. Strukturen wie Hippocampus und Thalamus sind essenziell.
- Dissoziationen: Gedächtnis und Intelligenz sind unabhängig.
- Episodisch vs. Prozedural: Autobiografische Fakten vs. erlernte Fertigkeiten.
- Amnesieformen: Retrograde (Vergangenheit) und anterograde (Gegenwart) Amnesie.
IV. Epilepsie
Paroxysmale Störung durch übermäßige neuronale Entladungen.
Generalisierte Epilepsie
- Tonisch-klonisch (Grand Mal): Muskelsteifheit gefolgt von rhythmischem Schütteln.
- Absencen (Petit Mal): Kurze Bewusstlosigkeit, meist bei Kindern.
Partielle Epilepsie
Fokale neuronale Aktivität, unterteilt in einfach (ohne Bewusstseinsstörung) und komplex (mit Bewusstseinsstörung).
V. Neuropsychologische Störungen
Agnosie
Störung der Wahrnehmung und Erkennung (visuell, auditiv, taktil). Beispiele: Prosopagnosie (Gesichter), auditive Agnosie (Geräusche/Worte), Aestereoagnosia (Tasten).
Apraxie
Verlust der Fähigkeit, erlernte motorische Handlungen auszuführen (z. B. ideomotorische, ideatorische oder konstruktive Apraxie).
Sprachstörungen
- Agrafie: Schreibstörung.
- Alexie: Lesestörung.
- Dysarthrie: Störung der muskulären Sprechkontrolle.