Neurologische Untersuchung: Muskeltonus, Meningismus & Kraft
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Arten von erhöhtem Muskeltonus
- Spastik (Taschenmesser-Phänomen): Charakterisiert durch einen initial hohen Widerstand bei Bewegung, der dann plötzlich nachlässt. Dies ist typisch für Läsionen der Pyramidenbahn.
- Rigor (Plastische Steifigkeit / "Bleirohr-Phänomen"): Der gesteigerte Muskeltonus bleibt während der gesamten Bewegung gleichmäßig bestehen (z. B. bei Morbus Parkinson zu finden).
- Zahnradphänomen: Der Muskelwiderstand ist ruckartig spürbar, als ob das Gelenk durch ein Ritzel bzw. Zahnrad bewegt würde (ebenfalls typisch für Morbus Parkinson).
Meningeales Syndrom
- Nackensteifigkeit (Meningismus): Der Patient sollte in Rückenlage entspannt und ohne Kissen liegen. Der Kopf wird passiv gebeugt, wobei auf den Widerstand zu achten ist. Bei einer Reizung der Meningen besteht ein Widerstand gegen die Beugung, während seitliche Bewegungen meist frei sind. Dieses Manöver sollte nur durchgeführt werden, wenn kein Trauma an Kopf oder Hals vorliegt und die Stabilität der Halswirbelsäule sichergestellt ist.
- Brudzinski-Zeichen: Bei der passiven Beugung des Kopfes (mit angemessener Energie) kommt es zu einer reflektorischen Beugung der unteren Extremitäten in Hüften und Knien. Unter normalen Bedingungen tritt dies nicht auf.
- Kernig-Zeichen (zwei Alternativen):
- a) Anheben beider gestreckter Beine: Es wird beobachtet, ob der Patient die Beine reflektorisch in Hüften und Knien beugt.
- b) Beugung des Beins in Hüfte und Knie mit anschließender Streckung: Es wird geprüft, ob Widerstand oder Schmerzen auftreten. Der Test wird am anderen Bein wiederholt. Ein bilaterales Phänomen deutet auf eine Reizung der Meningen hin; ein einseitiges Ergebnis kann einer Lumboischialgie entsprechen.
Untersuchung der Muskelkraft
- Ellenbogenflexion (C5, C6 – M. biceps brachii)
- Ellenbogenextension (C6, C7, C8 – M. triceps brachii)
- Greiffunktion der Hände (C7, C8, Th1): Der Patient drückt Zeige- und Mittelfinger des Untersuchers mit gekreuzten Händen.
- Fingerabduktion (C8, Th1 – Mm. interossei): Die Handflächen und Finger sind gestreckt und gespreizt; der Untersucher versucht, die Finger von außen zusammenzudrücken, während der Patient Widerstand leistet.
- Daumenopposition (C8, Th1 – N. medianus): Der Patient bewegt Daumen und kleinen Finger gegen den Widerstand des Untersuchers zueinander.
- Hüftflexion (L2, L3, L4 – M. iliopsoas)
- Hüftextension (S1 – M. gluteus maximus)
- Hüftadduktion (L2, L3, L4 – Adduktoren): Der Untersucher versucht, seine Hände zwischen den Knien des Patienten gegen dessen Widerstand zu spreizen.
- Hüftabduktion (L4, L5, S1 – M. gluteus medius und minimus): Der Patient wird aufgefordert, die Knie gegen den Widerstand des Untersuchers zu spreizen.
- Kniebeugung (L4, L5, S1, S2 – M. gastrocnemius)
- Knieextension (L2, L3, L4 – M. quadriceps femoris)
- Dorsalflexion des Fußes (primär L4 und L5)
- Plantarflexion des Fußes (primär S1)