Nietzsches Philosophie: Wahrheit, Moral und Wille zur Macht

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Wahrheit und Moral nach Nietzsche

Alle nach Also sprach Zarathustra verfassten Schriften sind von der Idee der "Umwertung aller Werte" geprägt. Dies bedeutet zunächst, dass Nietzsches Denken sich durch ein festes Gefüge von Problemen bewegt, diese jedoch nicht selbst infrage stellt. Alle Probleme der Philosophie sind für ihn Wertprobleme; das Wesen des Wertes an sich bleibt jedoch unproblematisch.

Die axiologische Sichtweise der Vergangenheit

Wenn die Philosophie der Vergangenheit reflektiert wird – wie Nietzsche es bereits aus einer axiologischen Sichtweise tut –, so will sie dem "Werden" entkommen. Sie schätzt das Stabile und Dauerhafte als überlegen und wertvoll ein, als wäre es die "reale Sache". Nietzsche beschäftigt die noch ungelöste Frage nach dem Wert der Wahrheit – eine Frage, die für ihn radikal ist.

Wissenschaft, Metaphysik und der Wille zur Macht

Wie dem auch sei, entscheidend ist, dass Nietzsche hier mit einem engen Begriff der Wahrheit operiert, der sich primär auf objektive und wissenschaftliche Erkenntnis konzentriert. Das heißt, der Wahrheitswert, den Nietzsche infrage stellt, ist die Wahrheit über das Vorhandene: die Wahrheit der Wissenschaft und der Metaphysik, welche die Grundzüge des Existierenden beeinflusst.

Die Eröffnung der Wahrheit als Lebensfluss, als Wille zur Macht und als ewige Wiederkehr, bildet jedoch die Grundlage von Nietzsches universeller axiologischer Perspektive und kann daher selbst nur als axiologisches Phänomen verstanden werden. Die wahre Natur, die seiner eigenen Philosophie zugrunde liegt, erreicht nie eine endgültige Klarheit. Dies ist kein Zufall, der biographisch erklärt werden könnte.

Die Frage nach der Transzendenz der Metaphysik

Der Mangel an Klarheit über das Wesen der Wahrheit des "Lebens" – also die Wahrheit des Willens zur Macht und der ewigen Wiederkehr – verbirgt letztlich die tiefe Frage nach Nietzsches Standpunkt zur Metaphysik: Gehört er ihr noch an oder hat er sie bereits transzendiert? Es ist ein merkwürdiges Schauspiel zu sehen, wie Nietzsche alle bisherigen Vorstellungen von Wahrheit auf den Willen zur Macht und auf axiologische Ansichten reduziert, während er gleichzeitig seine eigene Entdeckung – die Wahrheit des Willens zur Macht – nicht in ihrer eigentümlichen Art klären kann.

Moral als Prinzip der Wertschöpfung

Der moralische Status wird für Nietzsche durch den Grad der Wahrheit definiert. Das heißt durch die Art und Weise, wie er mit dem Willen zur Macht im Einklang steht und in welchem Umfang er als Prinzip der Wertschöpfung anerkannt wird. Dies bedeutet, dass auch für Nietzsche das moralische Problem letztlich ein echtes Problem ist: Die Einhaltung des Willens zur Macht ist die Essenz des Lebens.

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