Operante Konditionierung: Grundlagen und Pädagogik
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Operante Konditionierung
Verhalten ist ein Instrument zur Erreichung eines Ziels, wobei das Subjekt durch Belohnung motiviert wird.
Bei der klassischen Konditionierung tritt das Lernen durch Reize auf, während bei der instrumentellen Konditionierung das Lernen durch Reaktionen erfolgt. Bei der klassischen Konditionierung erfolgt die Verstärkung unabhängig vom Subjekt, während bei der instrumentellen und operanten Konditionierung die Verstärkung eine direkte Folge des eigenen Verhaltens ist.
Lernen ist nach Thorndike die Etablierung einer Reiz-Reaktions-Verbindung (S-R), da das Tier für den Erfolg (Flucht aus dem Käfig) belohnt wurde.
Gesetze des Lernens nach Thorndike
- Gesetz der Wirkung: Wenn eine Verbindung zwischen einer Situation und einer Reaktion von einem Zustand der Zufriedenheit begleitet oder gefolgt wird, erhöht sich die Stärke der Verbindung. Folgt ein Zustand des Unbehagens, nimmt die Stärke ab (Belohnungen und Strafen).
- Strafe: Strafe unterdrückt Verhalten, lässt es aber nicht verschwinden, da sie nur Informationen darüber liefert, was nicht zu tun ist. Belohnungen hingegen fördern das Lernen.
- Gesetz der Übung: Die Bedeutung der Praxis. S-R-Verbindungen werden durch Nutzung verstärkt und nehmen bei Nichtnutzung ab.
- Gesetz der Bereitschaft: Wenn man bereit ist zu handeln, wirkt dies stärkend und nicht aversiv.
Pädagogische Implikationen nach Thorndike
Lehrer sollten das Gesetz der Wirkung nutzen, um positive Gewohnheiten zu fördern:
- Trainieren Sie Gewohnheiten aktiv.
- Vermeiden Sie die Bildung von Gewohnheiten, die später wieder entfernt werden müssen.
- Bilden Sie keine zwei Gewohnheiten, wenn eine ausreicht.
- Bilden Sie Gewohnheiten in ihrem Anwendungskontext (Lernen in Verbindung mit Lehrplaninhalten).
Operante Konditionierung nach Skinner
Skinner versteht Konditionierung als Verstärkung von Verhalten. Er unterscheidet zwei Arten von Reaktionen: Typ S (Pawlowsch) und Typ R (operant), bei dem die Reaktion in Betrieb ist, um einen Effekt zu erzielen.
Grundlegende Prozesse
Skinner (1950) betrachtete Verhalten im Kontext von ABC (Antecedent-Behavior-Consequence): Vordersatz (Reiz), Verhalten und Folge.
- Verstärkung: Prozess zur Stärkung eines Verhaltens, der die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es wiederholt wird.
- Verstärker: Spezifische Reize, deren Wert von der Biografie, der Lerngeschichte und der aktuellen Situation des Subjekts abhängt.
Arten der Verstärkung und Bestrafung
- Positive Verstärkung: Ein Verhalten wird durch ein positives Ergebnis gefolgt.
- Negative Verstärkung: Ein Verhalten wird durch die Entfernung eines negativen Reizes gefolgt.
- Positive Bestrafung: Darbietung eines negativen Ergebnisses nach einer Antwort.
- Negative Bestrafung: Entzug eines positiven Ergebnisses nach einer Antwort.
Verstärkungspläne
- Kontinuierliche Verstärkung: Jede richtige Reaktion wird verstärkt.
- Intermittierende Verstärkung: Verstärkung nach einer bestimmten Anzahl von Reaktionen (Quote) oder Zeitintervallen.
Weitere Konzepte
- Premack-Prinzip: Bevorzugte Aktivitäten können als Verstärker für weniger beliebte Aktivitäten dienen.
- Generalisierung: Übertragung der Verstärkungswirkung auf ähnliche Reize.
- Diskriminierung: Reaktion auf spezifische Reize, aber nicht auf andere.
- Extinktion: Ein erlerntes Verhalten verschwindet, wenn die Verstärkung ausbleibt.
Pädagogische Strategien
A) Förderung von Verhalten
- Kennzeichnung und Anstiftung: Signale und Unterstützung zur Verhaltensauslösung.
- Positive Verstärkung: Hauptmethode zur Förderung gesunder Verhaltensweisen.
- Shaping: Stärkung von Fortschritten in Richtung eines Ziels (sukzessive Approximation).
- Token-Wirtschaft: Einsatz konditionierter Verstärker (Marken/Punkte) für angemessenes Verhalten.
B) Reduzierung von Verhalten
- Differentielle Verstärkung (RDO): Stärkung von Alternativverhalten statt Bestrafung.
- Kosten der Reaktion: Verlust von Verstärkern bei Fehlverhalten.
- Überkorrektur: Wiedergutmachung oder positive Praxis nach einem Fehler.
- Sättigung: Wiederholung eines Verhaltens bis zur Ermüdung.
- Time-out: Entfernung aus der Reizquelle für eine dem Alter angemessene Zeit.