Ortega y Gasset — Philosophisches Projekt und Stufen
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Ortega y Gasset
Ortega y Gasset: Er gehört dem zwanzigsten Jahrhundert, der zeitgenössischen Epoche. Sein philosophisches Projekt ist der Versuch, Spanien zu einer kulturellen Erneuerung und zu einer Einführung in das europäische Denken zu führen. Es zielt auch auf eine radikale Reform der Philosophie und eine Analyse des Lebens.
Als letztes Ziel der Europäisierung Spaniens wollte er das bislang unbekannte spanische philosophische Denken auf ein höheres Niveau heben. Zugleich war er politisch besorgt über das "Problem Spaniens".
Drei Stufen seiner Philosophie
1. Objektivismus
Die erste Stufe wird als Objektivismus bezeichnet. Sie ist stark vom deutschen Einfluss geprägt. Spanien war in dieser Zeit vom Neoklassizismus und vom Problem der "Europäisierung" bestimmt. Man suchte, Probleme durch Disziplin, durch eine kritische Methode, durch kritisches Selbstbewusstsein und durch Rationalität zu lösen.
2. Perspektive
Die zweite Stufe nennt Ortega Perspektive. Zu dieser Phase gehören zwei seiner großen Werke: "Meditationen über Don Quijote" (Meditaciones del Quijote) und "Das wirbellose Spanien" (España invertebrada). Er schrieb zudem soziale Arbeiten, die oft über rein philosophische Abhandlungen hinausgehen, wie etwa Die Zuschauer (Los espectadores).
Diese Periode ist geprägt vom Begriff der Umstände. Dabei handelt es sich nicht um einen rein biologischen Begriff, sondern um ein Konzept, das aussagt, dass es kein isoliertes "Ich" außerhalb der Welt gibt. Die Bedingungen des Lebens und das Leben selbst stehen in wechselseitiger Beziehung: "Freiheit in das Schicksal und das Schicksal in die Freiheit." Das berühmte dictum lautet: "Ich bin ich und meine Umstände."
Charakteristisch ist außerdem das Konzept der Perspektive: Die Welt kann nur von bestimmten Blickpunkten aus gesehen werden, und es gibt viele individuelle Perspektiven. Die Wahrheit ist insofern intersubjektiv.
Freiheit in der Fatalität: Wir besitzen Freiheit, können aber nicht die Welt wählen, in der wir leben, noch die Umstände, die uns umgeben. Das Verhängnis in der Freiheit besteht darin, dass wir innerhalb der uns umgebenden Welt nur ein gewisses Maß an Freiheit haben.
3. Ratiovitalismus
Die dritte Stufe ist der Ratiovitalismus, ein Stadium der Reife. Zu den wichtigsten Werken dieser Phase zählen "Der Aufstand der Massen" (La rebelión de las masas) und "Was ist Philosophie?" (¿Qué es la filosofía?).
In diesem Stadium erkennt Ortega den Wert der Vernunft, zugleich aber auch ihre irrationalen Wurzeln, etwa die Intuition. Ziel ist es, dass die Vernunft den vitalen Grundlagen des Lebens dient — daher der Begriff Ratiovitalismus.
Er vertritt die Auffassung, dass historische Vernunft grundlegend wichtig ist, weil der Mensch keine bloße Natur, sondern eine Geschichte hat und weil das Leben ein unvollendetes Projekt ist.
Ortega lehnt das Projekt einer politisch herrschenden Aristokratie ab; die Masse wird oftmals als gregär angesehen. Vor diesem Hintergrund sagte Ortega: "Die Lösung besteht darin, die Massen für das Beste zu unterstützen, statt sie zu unterdrücken." Gleichzeitig warnte er vor der Gefahr einer invertebración (Entstrukturierung), da die Massen zu rebellischen Tendenzen neigen können, weil die Demokratie plebejistische Züge erzeugt hat.