Pädagogische philosophie
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1. Die Projektionstheorie
Für Feuerbach ist es entscheidend, in der Philosophie nur vom Menschen selbst auszugehen und nicht etwa von einem göttlichen Wesen oder irgendeinem absoluten Prinzip. Er entwickelt also eine anthropologische Philosophie, die ihren Bezugspunkt ausschließlich im Diesseits findet. Dennoch muss Feuerbach sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Geschichte des Menschen immer mit einer göttlichen Vorstellung verbunden ist. Dieses Phänomen gilt es zu erklären. Gott ist seiner Meinung nach nur etwas in der Vorstellung, in der Einbildung des Menschen.
In der Bibel heißt es: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bild“. Feuerbach verkehrt diese Aussage in ihr Gegenteil. Es ist der Mensch selbst, der Gott nach seinem menschlichen Bild kreiert hat. Der Beweis liegt in den Eigenschaften, die Gott zugeordnet werden. Sie sind allesamt menschlicher Natur: Weisheit, Kraft, Gerechtigkeit, Liebe.... Die Idee Gottes resultiert demnach aus dem Menschen selbst, der sein eigenes Wesen in überhöhter Weise zu dem Gottes macht. Auf Gott werden dabei nur diejenigen Charakterzüge des Menschen übertragen, die dem Wunsch nach Perfektion entsprechen. Negative Eigenschaften werden dagegen in ihr Gegenteil verkehrt. Ist der Mensch sterblich, so muss Gott unsterblich sein; ist der Mensch fehlbar, so muss Gott allwissend sein. So führt Feuerbach die Religiosität und das Göttliche allein auf den Menschen zurück. Religion ist nichts anderes als eine transzendierte Projektion menschlicher Wünsche. Religion entsteht also, weil der Mensch sein eigenes Wesen als defizitär und restringiert empfindet. In Gott kann er ein Wesen verehren, das makellos und völlig unabhängig ist. Gottesverehrung lässt sich demnach auf psychologischer Ebene als menschlichen Kompensationsversuch deuten. Feuerbach negiert in seinem Konzept daher die tatsächliche Existenz Gottes, insofern er auf eine imaginierte Existenz des Göttlichen verweist.
2. Kritik
Die Kritik Feuerbachs ist sicher keine Religionskritik im weiteren Sinne, sondern sie zielt lediglich auf das christliche oder andere personale Glaubensvorstellungen. Darüber hinaus umfasst die Theorie Feuerbachs nicht einmal alle Aspekte des christlichen Gottesbildes. Die Vorstellung eines furchtbaren, zürnenden, ungerechten Gottes, wie er uns stellenweise im Alten Testament begegnet, lässt sich mit einer Projektion wünschenswerter Eigenschaften nicht erklären.
Meine Antwort also auf die moderne Religionskritik zusammengefasst:
- Der Gottesglaube war und ist gewiss oft autoritär, tyrannisch und reaktionär. Er kann Angst, Unreife, Engstirnigkeit, Intoleranz, Ungerechtigkeit, Frustration und soziale Abstinenz produzieren, kann geradezu Unmoral, gesellschaftliche Missstände und Kriege in einem Volk oder zwischen Völkern legitimieren und inspirieren. Aber:
- Der Gottesglaube konnte sich gerade in den letzten Jahrzehnten wieder zunehmend als befreiend, zukunftsorientiert und menschenfreundlich erweisen: Gottesglaube kann Lebensvertrauen, Reife, Weitherzigkeit, Toleranz, Solidarität, kreatives und soziales Engagement verbreiten, kann geistige Erneuerung, gesellschaftliche Reformen und den Weltfrieden fördern."
Der historisch erste Gottesbeweis war der ontologische Beweis des Anselm von Canterbury:
Gott ist per Definition eine unendlich mächtige Wesenheit; etwas noch Mächtigeres kann somit nicht gedacht werden. Wäre Gott nicht existent und allein in der Vorstellung vorhanden, so gäbe es durchaus noch etwas Mächtigeres, nämlich derselbe Gott nicht nur in der Vorstellung, sondern auch in der Wirklichkeit bestehend. Dies ist ein Widerspruch zu der Annahme, dass der gedachte Gott die mächtigste denkbare Wesenheit ist. Daher muss Gott in der Wirklichkeit existieren.