Pantheon: Architektur und die Gesamtheit der Götter
Eingeordnet in Religion
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 6,01 KB
Das Pantheon: Architektur und Religionswissenschaft
Das Pantheon in Rom (Beispiel für den architektonischen Begriff)
Vier Götter des aztekischen Pantheons (Beispiel für den religionswissenschaftlichen Begriff)
Das Pantheon (von altgriechisch πᾶν pān „alles“ und θεός theós „Gott“) hat zwei grundlegende Bedeutungen:
- Ursprünglich war es der antike Name für ein allen Göttern geweihtes Heiligtum (vergleiche auch: Parthenon).
- Heute wird der Begriff zudem für die Gesamtheit der Gottheiten in einer polytheistischen Religion verwendet.[1][2]
Inhaltsverzeichnis
- 1 Baukunst
- 2 Religion
- 3 Siehe auch
- 4 Literatur
- 5 Weblinks
- 6 Einzelnachweise
Baukunst
Das den Göttern geweihte Bauwerk Pantheon stammt aus dem Umfeld der sumerischen, hethitischen, griechischen und manichäischen Mythologie und wurde bald mit einem konkreten Ort bzw. Tempel verbunden. In letzterem Sinne wurde die Vorstellung in die römische Welt übertragen.
Das in der römischen Antike errichtete Pantheon in Rom ist das bekannteste Gebäude dieser Art.[1] Da es heute das einzige gut erhaltene Pantheon ist, ist es zum Inbegriff für weitere Bauwerke mit einer ähnlichen Funktion geworden. Vielfach werden Ruhmeshallen als Pantheon bezeichnet, die dem römischen Vorbild nachempfunden sind, so etwa die Münchner Ruhmeshalle, die Oberlausitzer Gedenkhalle, das Pantheon Stourhead – oder das Pariser Panthéon, das als Gedenkstätte für alle bedeutenden Persönlichkeiten der französischen Nation errichtet wurde.[2]
Religion
In der europäischen Geistesgeschichte seit der Aufklärung sowie in der Religionswissenschaft wurde die Bezeichnung Pantheon zum Begriff für die (nach Zuständigkeiten, Funktionen, Mythen und Kulten) hierarchisch geordnete Gesamtheit aller Götter in polytheistischen (Vielgötterei) und henotheistischen (Vielgötterei mit einem allmächtigen Hauptgott) Religionen. Ein Pantheon kann eine relativ geringe oder eine beinahe unübersehbare Menge von Göttern umfassen (z. B. werden in Sumer „60-mal 60“, im Hinduismus gelegentlich 600 Millionen genannt), wobei Einteilungen – beispielsweise in Götter erster, zweiter und dritter Funktion[3] – angewendet werden können. Ein Pantheon ist immer offen: Der Kult neuer Gottheiten kann sich verbreiten, andere können „sterben“, sich aufspalten oder miteinander verschmelzen. Ähnlich unterliegt die Rangordnung innerhalb eines Pantheons einem stetigen Wandel.[1]
Der religionswissenschaftliche Begriff Pantheon ist nicht deckungsgleich mit dem deutschen Begriff der Götterwelt, der zur Bezeichnung der Gesamtheit der Götter eines Kulturraumes verwendet wird, die nicht notwendig schon in der Antike als organische Struktur gedacht wurde.[4]
Siehe auch
- Römische Mythologie
- Iranische Mythologie
- Dei Consentes
Literatur
- Baukunst
- Heiner Knell: Vom Parthenon zum Pantheon. Meilensteine der antiken Architektur. von Zabern, Darmstadt/Mainz 2013, ISBN 978-3-8053-4636-8.
- Heldenverehrung
- Eveline G. Bouwers: Public Pantheons in Revolutionary Europe. Comparing Cultures of Remembrance, c. 1790–1840. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2012, ISBN 978-0-230-29471-4.
- Religionswissenschaft
- Johann Figl (Hrsg.): Handbuch Religionswissenschaft. Religionen und ihre zentralen Themen. Vandenhoeck & Ruprecht, Innsbruck-Göttingen 2003, ISBN 978-3-506-76898-8.
Weblinks
Einzelnachweise
Einträge „Pantheon“ in Munzinger Online/Brockhaus – Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. Auflage. Aktualisiert mit Artikeln aus der Brockhaus-Redaktion, URLs: ... Baukunst, ... französische Begräbnisstätte und ... Religionswissenschaft, abgerufen von Stadtbibliothek Wuppertal am 1. Januar 2016.
Stichwort: Pantheon. In: Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann, Neumarkt/Wallersee (AU), abgerufen am 1. Januar 2016.
Geo Widengren: Das Pantheon. In: Iranische Geisteswelt., Holle Verlag, Baden-Baden 1961, S. 109–131; Reinhard Gregor Kratz u. Hermann Spieckermann (Hrsg.): Götterbilder, Gottesbilder, Weltbilder: Ägypten, Mesopotamien, Persien, Kleinasien, Syrien, Palästina. Mohr Siebeck, Tübingen 2006, ISBN 978-3-16-148673-9. S. 241 (Fußnote).