Pareto-Optimum: Definition, Beispiele und Kritik
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Pareto-Optimum
Ein Pareto-Optimum (auch Pareto-effizienter Zustand), benannt nach dem Ökonomen und Soziologen Vilfredo Pareto (1848–1923), ist ein Zustand, in dem es nicht möglich ist, eine Eigenschaft zu verbessern, ohne zugleich eine andere verschlechtern zu müssen. Die Menge aller Pareto-Optima heißt auch Pareto-Menge. Das Pareto-Kriterium dient der Beurteilung, ob sich ein Zustand durch die Verbesserung eines Parameters verbessert (Pareto-Superiorität), ohne andere Parameter zu verschlechtern. Vilfredo Pareto bezog sich ursprünglich auf Individuen anstatt auf Eigenschaften.
Ein Pareto-Optimum ist das Ergebnis einer Pareto-Optimierung.
Beispiele für Pareto-Optima
Beispiel 1: Festigkeit und Masse
x-Achse: „Leichtigkeit“ (= Kehrwert der Masse)
Ein Bauteil soll sowohl stabil (z. B. druckfest) als auch leicht sein. Es ist durch die Eigenschaften Festigkeit und Masse gekennzeichnet. Je höher die Festigkeit und je geringer die Masse, desto besser ist das Bauteil. Trägt man die Wertepaare für viele Bauteile in ein Diagramm ein, erhält man die blau markierte Menge in der Grafik.
Bei gleicher Masse ist das Bauteil besser, das fester ist. Bei gleicher Festigkeit ist das Bauteil besser, das leichter ist. Trifft die Verbesserung des einen Wertes auf die Verschlechterung des anderen, sind die Bauteile nicht Pareto-vergleichbar.
Alle Bauteile auf der roten Kurve sind pareto-optimal. Eine Erhöhung eines Wertes ist hier nur möglich, wenn der andere abnimmt.
Beispiel 2: Standortwahl
Drei Individuen (A, B, C) benötigen einen Brunnen. Jeder möchte den Brunnen möglichst nah an seinem Haus haben.
Skizze der möglichen Plätze für den Brunnen:
(b1)
(b2) (b3)
(b4) (b5)
=====|A|=====|B|=====|C|========Straße=====
Das Pareto-Optimum ist hier die Menge { b4, b5 }, da für diese Plätze keine Alternative existiert, die mindestens einen Beteiligten besser stellt, ohne einen anderen zu verschlechtern.
Pareto-Kriterium vs. Nutzensumme
Das Kriterium der Pareto-Optimalität verdrängte in der ökonomischen Theorie das utilitaristische Kriterium der „Summe der individuellen Nutzen“, da eine kardinale Messbarkeit und interpersonelle Vergleichbarkeit von Nutzen wissenschaftlich oft abgelehnt wird.
Status-quo-Regelung
Das Pareto-Kriterium befürwortet alle Änderungen, die niemandem schaden. Problematisch ist jedoch die Verbindung mit einer Status-quo-Klausel: Da Änderungen unterbleiben, wenn sie auch nur einer Person schaden, wirkt das Kriterium oft konservativ zugunsten bestehender Verhältnisse.
Bedingungen für Effizienz
Pareto-Optimalität in einer Volkswirtschaft erfordert:
- Tauschoptimum: Die Grenzraten der Substitution sind für alle Individuen identisch.
- Optimaler Faktoreinsatz: Die Grenzproduktivitäten der eingesetzten Faktoren müssen gleich sein.
Kritik am Pareto-Kriterium
Das Kriterium ist in der Sozialwahltheorie umstritten. Amartya Sen wies 1970 auf die „Unmöglichkeit eines Pareto-Liberalen“ hin, bei der eine liberale Gesinnung mit dem Pareto-Kriterium kollidieren kann. Zudem argumentierte Guido Calabresi, dass staatliche Entscheidungen aufgrund distributiver Wirkungen selten rein Pareto-optimal sein können.
Literatur
- Dieter Brümmerhoff: Finanzwissenschaft. 9. Auflage, Oldenbourg, 2007.
- Eberhard Feess: Mikroökonomie. Vahlen, 2004.
- Amartya K. Sen: Collective Choice and Social Welfare. Holden-Day, 1970.