Philosophische Perspektiven auf den Tod und das Sterben
Eingeordnet in Religion
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 2,57 KB
Persönliche Haltung zum Tod
Wie begegnen wir dem Tod? Welche Haltung nehmen wir ein? Die persönlichen Einstellungen zum Tod lassen sich wie folgt kategorisieren:
1. Rebellion gegen den Tod
Albert Camus beschreibt die Rebellion gegen den Tod als eine Form der Loyalität zum Leben. Es ist ein tragischer Aufstand, da wir letztlich alle sterben. Camus rebelliert gegen den Tod, weil er ihn als große Ungerechtigkeit empfindet. Der Mensch beweist seine Würde und Menschlichkeit, indem er gegen den Tod aufbegehrt und dessen Ankunft hinauszögert.
2. Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod
Diese ironische Haltung besagt: „Ich bin gleichgültig gegenüber dem Tod.“ Heldentum erscheint hier sinnlos, denn wer sich nicht um den Tod sorgt, sorgt sich oft auch nicht um das Leben. Franz Kafka ist der Referent dieser Position. Sein Werk ist durchdrungen von der Faszination für den Tod und einer obsessiven Gleichgültigkeit, die sich in rituellen Versuchen äußert, dem Tod zu entgehen.
3. Der Wille zu sterben
Der Tod wird nicht immer negativ dargestellt. Unter besonderen Umständen sucht der Mensch den Tod als Erlösung (Suizid). Die Philosophie unterscheidet drei Arten des Selbstmords:
- Ethischer Selbstmord: Hier steht die Ehre im Vordergrund. Der Mensch wählt den Tod, weil er nicht in Erniedrigung leben möchte („Ich würde lieber stehend sterben, als auf Knien leben“). Die Philosophie untersucht hier, ob das Leben unter solchen Bedingungen noch lebenswert ist.
- Ästhetischer Selbstmord: Der Tod wird als höchster Akt der Schönheit und Selbstbehauptung gesucht. Der Akt des Sterbens wird in eine großartige Inszenierung verwandelt.
- Metaphysischer Selbstmord: Dieser freiwillige Akt wird als Ausdruck der Freiheit präsentiert. Der Suizid dient hier als Beweis des freien Willens, der an die Stelle Gottes tritt. Man begeht Selbstmord, weil man frei ist.
4. Magische Aneignung des Todes
Konfrontiert mit dem Schrecken des Todes und der körperlichen Verwesung, reagiert der Mensch durch Riten und Beschwörungen. Der Tod wird hier nicht als endgültiges Ende gesehen, sondern als Reise in eine andere Daseinsform.
5. Leuchtende Akzeptanz des Todes
Ein respektvoller Umgang mit dem Tod führt dazu, ihn als innere Wirklichkeit des Lebens anzunehmen. Der Tod weckt die Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Er wird akzeptiert, weil er als gewiss gilt. Wahre Lebenskunst bedeutet, den eigenen Tod und den der anderen als Teil des Lebens zu akzeptieren.