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Szene 9 ,Strasse , Hauptmann , doktor und später Woyzeck
Der Hauptmann und der Doktor gehen gemeinsam eine Straße entlang. Während der Doktor schnell läuft, geht der Hauptmann langsam und mahnt auch den Doktor – ähnlich wie zuvor Woyzeck in Szene 5 – nicht so schnell zu laufen, da dies ein Anzeichen für ein schlechtes Gewissen sei. Er fasst den Doktor am Mantel, um ihm zu bremsen. Gleichzeitig erklärt er ihm, dass er ihm gerade das Leben gerettet habe, weil geschossen würde. Dies zeigt die Ängstlichkeit des Hauptmanns, da er überall Gefahren wittert. Auch seine Melancholie bringt er zum Ausdruck, indem er sagt, dass es ihn schwermütig macht, wenn er seinen Mantel an der Wand hängen sieht. Dies bedeutet Untätigkeit und Langweile statt Beschäftigung, welche für den Hauptmann so wichtig ist (vgl. Auch Szene 5).
Der Doktor betrachtet ihn nach diesen Ausführungen genauer und stellt fest, dass er Anzeichen eines bevorstehenden Schlaganfalls aufweist: aufgedunsen, fett, dicker Hals und eine generell schlechte Verfassung. Gleichzeitig verspottet er ihn, da er ihn zu einer seiner Versuchspersonen machen will, an der Experimente durchgeführt werden, die dem Probanden unsterblichen Ruhm bringen würden. Verbunden wäre das dann mit extremen Qualen. Den ängstlichen Hauptmann erschreckt diese Vorstellung zunächst, aber dann tröstet er sich damit, dass die Leute von ihm sagen würden, dass er ein guter Mensch gewesen sei.
Darauf sticheln sie gegeneinander mit Wortspielen und wollen sich eigentlich verabschieden, als der Hauptmann Woyzeck erblickt und ihn ermahnt, sich nicht so zu hetzen. Er wechselt geschickt zu Maries Untreue über und macht Woyzeck gegenüber Andeutungen, die immer konkreter in Richtung des Tambourmajors gehen, betont aber erst, dass Marie im Gegensatz zu anderen Frauen treu sei. Damit verunsichert er Woyzeck, der ihn erst nicht versteht. Deshalb und um Woyzeck zu demütigen, wird der Hauptmann deutlicher und sagt, er habe um die Ecke ein sich küssendes Paar gesehen. Woyzeck läuft es heiß und kalt den Rücken herunter, er hofft immer noch, dass es ein Spaß ist. Der Hauptmann zerschlägt diese Hoffnung aber und nährt Woyzecks Verdacht weiter. Der Doktor freut sich dagegen darüber, sein Versuchsobjekt genauer inspizieren zu können und stellt erfreut Woyzecks unregelmäßigen Puls sowie seine angespannte Körperhaltung fest. Der Hauptmann weidet sich ebenfalls am Erfolg seiner Worte und meint auch noch boshaft zu Woyzeck, dass er es doch gut mit ihm meint, weil dieser ein guter Mensch sei. Genau das hat er ihm aber noch in Szene fünf abgesprochen und nur eingelenkt, weil er nicht mehr gegen Woyzecks Argumente ankam. Vermutlich will er sich hier dafür rächen.
Woyzeck selbst ist total irritiert und beginnt wirr zu reden. Er will schnell weg, aber der Doktor eilt ihm, getrieben von seinem Forscherdrang, hinterher und verspricht ihm eine weitere Zulage. Der Hauptmann bleibt allein zurück und sinniert wieder über Eile nach. Er meint, ein guter Mensch hat dankbar zu sein und das Leben zu lieben. Das bedeutet auch, sich im Krieg nicht mutig nach vorne zu werfen, sondern zu schauen, dass man am Leben bleibt. Dies erklärt auch, weshalb der Hauptmann nie über seinen jetzigen Rang hinausgekommen ist. Er hat eben keinen Ruhm in der Schlacht errungen. Am Ende wundert er sich selbst über seine seltsamen Gedankengänge.


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