Pille danach: Beratungs-Spickzettel für die Apotheke

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Pille danach – Spickzettel für die Beratung

Grundidee: Eine Frau kann schwanger werden, wenn Spermien auf eine Eizelle treffen. Die Eizelle wird beim Eisprung freigesetzt. Spermien können mehrere Tage im Körper überleben. Die Pille danach verschiebt oder hemmt den Eisprung, damit keine Eizelle vorhanden ist. Deshalb gilt: So früh wie möglich einnehmen! Wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat, wirkt sie nicht sicher. Sie ist keine Abtreibungspille und bietet keinen Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI).

Ablauf im Handverkauf (HV)

Diskret beraten → Wann war die Panne? → Schwangerschaft, Medikamente und Sonderfälle abklären → passenden Wirkstoff wählen → Einnahme und Kondomgebrauch danach erklären.

Wichtige Fragen und Hintergründe

  1. „Wann war der Sex bzw. die Panne?“ – Dies entscheidet über den Wirkstoff: Bis zu 72 Stunden ist Levonorgestrel möglich, bis zu 120 Stunden Ulipristalacetat. Über 120 Stunden hinaus ist ein Arztbesuch oder die Kupferspirale danach notwendig.
  2. „Was ist passiert?“ – Handelt es sich um eine echte Panne? Zum Beispiel: Kondom gerissen oder verrutscht, ungeschützter Sex, Pille vergessen, Fehler bei Ring oder Pflaster.
  3. „War die letzte Periode normal? Könnte bereits eine Schwangerschaft bestehen?“ – Die Pille danach beendet keine bestehende Schwangerschaft. Bei Verdacht: Schwangerschaftstest oder Arztbesuch.
  4. „Nehmen Sie Medikamente oder Johanniskraut ein?“ – Manche Mittel schwächen die Wirkung ab: Johanniskraut, Epilepsie-Mittel, Rifampicin/Rifabutin, manche HIV- oder Hepatitis-C-Mittel. In diesen Fällen Rücksprache mit dem Apotheker oder Arzt halten, eventuell Kupferspirale danach.
  5. „Stillen Sie? Sind Sie unter 14 Jahre alt? Liegt Gewalt vor?“ – Sonderfall: Stillpause erklären; bei Personen unter 14 Jahren oder im Falle von Gewalt den Apotheker, Arzt oder eine Beratungsstelle einbeziehen.

Wirkstoffe und Handelsnamen

  • Ulipristalacetat 30 mg (z. B. ellaOne®, Femke®, Lencya®): 1 Tablette einmalig, so früh wie möglich, bis zu 120 Stunden (5 Tage). Meist die beste Wahl, besonders wenn mehr als 72 Stunden vergangen sind oder der Eisprung kurz bevorstehen könnte.
  • Levonorgestrel 1,5 mg (z. B. PiDaNa®, unofem HEXAL®, Postinor®, Levonoraristo®): 1 Tablette einmalig, so früh wie möglich, bis zu 72 Stunden (3 Tage).

Wichtig: Nicht beide Wirkstoffe zusammen einnehmen.

Hinweise zur Einnahme

„Bitte sofort mit Wasser einnehmen, am besten direkt jetzt. Wenn Sie innerhalb von 3 Stunden erbrechen, benötigen Sie erneut eine Tablette.“

Verhalten nach der Einnahme

Die Pille danach schützt nur für die vergangene Panne, nicht für weiteren Geschlechtsverkehr. Bis zur nächsten Blutung muss ein Kondom benutzt werden. Die normale Pille, der Ring oder das Pflaster sollten nach Packungsbeilage weitergeführt werden; trotzdem ist zusätzlich ein Kondom erforderlich. Die Periode kann früher oder später eintreten. Wenn die Blutung mehr als 7 Tage überfällig ist oder ungewöhnlich verläuft: Schwangerschaftstest machen und den Frauenarzt aufsuchen.

Besonderheiten in der Stillzeit

  • Levonorgestrel: Vorher stillen, danach ca. 8 Stunden Stillpause einlegen.
  • Ulipristalacetat: Eine Woche Stillpause einlegen, Milch abpumpen und verwerfen.

Formulierungshilfe für das Kundengespräch

„Die Tablette verschiebt den Eisprung. Darum zählt jede Stunde. Sie wirkt nicht rückwirkend, wenn der Eisprung schon vorbei ist, und schützt nicht für weiteren Sex. Deshalb bitte jetzt nehmen und bis zur nächsten Blutung ein Kondom benutzen.“

Zusammenfassender Merksatz

LNG/PiDaNa = bis 3 Tage. UPA/ellaOne = bis 5 Tage. Je früher, desto besser. Bei mehr als 5 Tagen, Schwangerschaftsverdacht, starken Wechselwirkungen, Alter unter 14 Jahren oder Gewalt immer den Apotheker oder Arzt einbeziehen.

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