Platon, Nietzsche und Thomas von Aquin: Philosophie im Vergleich
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Platon und Nietzsche: Vitalismus vs. Idealismus
Da Nietzsches Denken (19. Jh.) als irrationaler Vitalismus gekennzeichnet ist, erscheint es interessant, dieses mit einem Denker zu vergleichen, der die Wirklichkeit auf eine ganz andere Art begreift: Platon mit seinem rationalen Idealismus. Gemeinsam ist beiden Autoren die Verteidigung eines aristokratischen Sinns der Existenz, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Perspektiven.
Platon verwendet das Höhlengleichnis, um zu verdeutlichen, dass das, was man gemeinhin als wahr akzeptiert, nichts als Schatten sind. Nur sehr wenige Menschen haben Zugang zur Erkenntnis der wahren Realität. Nietzsche wiederum kritisiert allgemein die hohen Werte der westlichen Kultur, deren Ursprung er im platonischen Denken sieht. Er betrachtet diese aufgrund dogmatischer Überlegungen als dekadent und fehlerhaft, insbesondere wegen des Bemühens, Rationalität um jeden Preis zu etablieren. Der platonische Dogmatismus ist für Nietzsche somit der grundlegende Fehler der westlichen Kultur.
Ethik und Politik bei Aristoteles und Thomas von Aquin
Die christliche Ethik und das Streben nach Glück
Die Ethik unterhält eine Affinität zu Aristoteles. Alles Handeln ist auf ein Ziel ausgerichtet: das Glück, das nur durch das Studium und tugendhaftes Verhalten erreicht werden kann. Der glückliche Mensch ist bei Aristoteles der Philosoph, nicht der Heilige. Thomas von Aquin (St. Thomas) ergänzt diese Theorie um die christliche Ethik. Das Ende des Menschen ist die selige Schau Gottes (visio beatifica), die nur im Jenseits erreicht werden kann. Der einzige Mensch, der dorthin gelangt, ist der Heilige. Nur im Jenseits kann man Gott wahrhaft erkennen.
Politik, Naturrecht und Staatsformen
In der Politik wird die Bedeutung des Staates unterstrichen, der in der Natur des Menschen vorgebildet ist. Da das wahre Glück von der Begegnung mit Gott abhängt, fließen theologische Elemente ein; die letzte Verantwortung liegt bei der Kirche. Die Vernunft kann erkennen, welche Regeln befolgt werden müssen (Naturgesetze):
- Der Mensch neigt dazu, seine Existenz zu bewahren.
- Der Mensch hat eine Tendenz, seine Art fortzupflanzen.
- Der Mensch strebt danach, die Wahrheit zu suchen und in einer Gesellschaft zu leben.
Um die Gesellschaft zu organisieren, bedarf es des Rechts (positives Recht). Naturgesetze sind Teil der Natur und deren Einhaltung ist erforderlich. Da der Mensch frei ist, kann er entscheiden, ob sie umgesetzt werden. Daher ist die Figur eines Herrschers notwendig, der den natürlichen Gesetzen untergeordnet sein muss. Die Mission des Gesetzgebers ist es, das Naturrecht umzusetzen und Sanktionen zu verhängen.
Regierungsformen nach Thomas von Aquin
Thomas von Aquin legt drei gute Regierungsformen fest: Monarchie, Aristokratie und Demokratie (Politie), sowie drei schlechte: Tyrannei, Oligarchie und demagogische Demokratie.