Platon vs. Aristoteles: Ontologie und Erkenntnistheorie
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Vergleich des ontologischen Dualismus
Die wirkliche Realität liegt für Platon in der Welt der Ideen. Für ihn ist die physische Welt nur eine Nachahmung der Ideen, die allein wirklich real sind. Die Welt der Ideen setzt sich aus Ideen zusammen, die unveränderlich, ewig, verständlich und universell sind (inspiriert von den Eigenschaften des Seins bei Parmenides). Diese Welt wird durch die Vernunft und die vernünftige Seele erkannt.
Die physische Welt besteht aus sinnlichen Dingen, die wir durch die Sinne erfassen; sie sind endlich, veränderlich, unverständlich und individuell (inspiriert von den Eigenschaften des Seins bei Heraklit). Diese Welt wird durch den Körper erfahren, und was erkannt wird, ist die materielle Welt.
Für Aristoteles gibt es nur die sinnliche Welt, welche die authentische Realität darstellt. Diese Welt besteht aus Lebewesen oder konkreten Objekten (Beton). Er bekräftigt die Vielheit des Seienden als die einzige Realität und unterscheidet zwischen der primären Substanz (dem Einzelnen), die unbegrenzt und unerkennbar ist, und der sekundären Substanz oder Essenz (dem Universellen). Aus diesem Unterschied zwischen Materie und Form, welche das natürliche Wesen des Seins bilden, ergeben sich intrinsische Möglichkeiten des Seins. Er erklärt, dass es Bewegung oder Veränderung gibt, und nutzt dafür zwei Begriffe: Potenz (Macht) und Akt (Handeln).
Das Wesen der Potenz hat die Fähigkeit zur Verwirklichung seines eigenen Wesens – das Sein, das noch nicht ist, aber sein kann. Im Akt ist es bereits verwirklicht. So ist die Bewegung der Übergang von der Potenz in den Akt mit zwei Arten der Veränderung: der wesentlichen (Entstehung und Vergehen) und der akzidentellen (Ort, Menge oder Qualität).
Zur Untermauerung der Bewegung stützt er sich auf die Theorie der vier Ursachen, nach der es immer eine Wirkursache gibt, die Bewegung erzeugt, und ein Ziel, dem sie dient (erster unbewegter Beweger und Perfektion der Technik/Natur).
Vergleich der Erkenntnistheorie
Aristoteles basiert sein Verständnis der sinnlichen Welt auf der Wahrnehmung sensibler Daten, jedoch nicht als „Idee“ im Sinne Platons. Er beschreibt einen Prozess, um die Form und die sekundäre Substanz durch Konzepte und den Intellekt zu erfassen (Methode der Induktion, vom Besonderen zum Allgemeinen):
- Sinn: Die Sinne empfangen sensible Daten von individuellen Wesen oder bestimmten Objekten; der Gemeinsinn formt den Eindruck.
- Imagination: Vorstellung des Besonderen bei Abwesenheit, wodurch das Bild dieses Wesens geprägt wird.
- Gedächtnis: Vergleicht die in der Phantasie erzeugten Bilder und bildet daraus mentale Vorbilder.
- Verstand: Erhebt den Geist über das Besondere und erfasst die Form oder Essenz; bildet Konzepte und verknüpft sie, um Urteile zu fällen.
Für Platon ist wahres Wissen (Episteme) die Erkenntnis der Welt der Ideen. Diese wird in der Betrachtung durch die rationale Seele mittels dialektischer Phasen erreicht:
- Eikasía: Mutmaßung, bei der ein physisches Bild mit einem anderen sinnlichen verwechselt wird.
- Pistis: Glaube an die sinnlichen Dinge als Abbilder.
- Dianoia: Diskursive Vernunft, welche die Existenz von Ideen erkennt und die Seele auf die Betrachtung vorbereitet.
- Noesis: Die vernünftige Seele erreicht das Wissen, das die Ideen liefern.
Da die sinnliche Welt nicht die wahre Wirklichkeit ist, ist das Wissen über sie durch die Sinne nicht real, sondern nur Doxa (Meinung).
Aristoteles lehnt Platons Lehre der Reminiszenz ab. Der Prozess der Erkenntnis ist für ihn ein induktiver Prozess der Abstraktion. Im Gegensatz zu Platon argumentiert er, dass es keinen qualitativen Sprung zwischen Doxa und Episteme gibt; Platon hingegen akzeptierte den Übergang von der Doxa zur Episteme nicht, solange die Ideen nicht als authentische Realität anerkannt wurden.