Platon vs. Nietzsche: Rationalismus und Lebensphilosophie

Eingeordnet in Philosophie und Ethik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 3,14 KB

Nietzsche und Platon: Ein philosophischer Vergleich

Friedrich Nietzsche (19. Jahrhundert) prägte eine irrationale Lebensphilosophie. Es ist daher interessant, ihn mit einem Denker zu vergleichen, der eine völlig andere Sichtweise der Realität vertrat: Platon (5.–4. Jahrhundert v. Chr.) und seinen rationalen Idealismus. Nietzsche, der als Professor für Griechisch an der Universität Basel tätig war, war ein Kenner des griechischen Denkens. Er wurde zu einem großen Kritiker der Ursprünge und Fundamente der westlichen Zivilisation.

Gemeinsamkeiten im Denken

Bevor wir uns den wesentlichen Unterschieden widmen, ist es angebracht, einige Gemeinsamkeiten hervorzuheben:

  • Literarischer Stil: Beide Autoren nutzen Mythen, Metaphern und einen poetischen Stil als Lehr- und Lernmittel.
  • Aristokratisches Verständnis: Beide verteidigen einen aristokratischen Sinn des Daseins, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven.

Die aristokratische Vision

Während bei Platon eine Aristokratie des Wissens herrscht (die Weisen und Großzügigen sollen die ideale Gesellschaft in Herrscher, Wächter und Produzenten unterteilen), ist Nietzsches Aristokratie die der Schöpfer neuer Werte. Der Übermensch leitet sich aus der „Herrenmoral“ ab – geprägt von Lebensbejahung und dem Mut, das Leben auf der Erde zu bejahen.

Kritik an der Realität

Beide Autoren hinterfragen die Wahrnehmung der Realität:

  • Platon: Nutzt den „Höhlengleichnis“, um zu zeigen, dass das, was allgemein als wahr akzeptiert wird, nur Schatten sind. Nur wenige haben Zugang zur eigentlichen Realität (der Welt der Ideen).
  • Nietzsche: Kritisiert die höchsten Werte der westlichen Kultur, deren Ursprünge er im platonischen Denken verortet. Er sieht darin dogmatische, dekadente und fehlerhafte Ansätze, die um jeden Preis Rationalität erzwingen wollten.

Apollinisch vs. Dionysisch

In seinem Erstlingswerk „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ unterscheidet Nietzsche zwei gegensätzliche Kräfte:

Der apollinische Geist

Apollo repräsentiert die Werte der Vernunft, des Lichts, der Proportion, der Form und des Maßes. Der apollinische Mensch ist ein Wesen, in dem die Vernunft dominiert.

Der dionysische Geist

Dionysos ist der Gott des Weines, der Fruchtbarkeit und der instinktiven Kraft. Er steht für leidenschaftliches, pulsierendes Leben und chaotische Ekstase. Der dionysische Mensch verneint die reine Vernunft und akzeptiert die vitalen Impulse.

Fazit: Der Einfluss des Sokrates

Nietzsche bewunderte das vorsokratische Griechenland, in dem beide Kräfte koexistierten, wie der Kontrast zwischen Parmenides (das Sein) und Heraklit (das Werden) zeigt. Mit Sokrates und seiner Wahl der Vernunft als Lebensleitfaden, die von seinem Schüler Platon weitergeführt wurde, wurde jedoch das Fundament der westlichen Zivilisation gelegt, das Nietzsche so scharf kritisierte.

Verwandte Einträge: