Platons Anthropologie: Dualismus von Körper und Seele

Eingeordnet in Philosophie und Ethik

Geschrieben am in Deutsch mit einer Größe von 2,56 KB

IV. Anthropologische Dimensionen der Ideenlehre

Der ontologische Dualismus zwischen der sinnlichen Welt und der intelligiblen Welt findet seine Parallele in der Anthropologie durch den Dualismus zwischen Körper und Seele. Platon begreift den Menschen als ein Wesen, das aus zwei verschiedenen Substanzen besteht:

  • Der Körper: Er bindet uns an die sinnliche Welt.
  • Die Seele: Sie verbindet uns mit der intelligiblen Welt.

Die menschliche Seele ist dem Körper überlegen, da sie das Prinzip des Wissens und der Vernunft darstellt. Der Körper hingegen ist der Vergänglichkeit und dem Tod unterworfen, während die Seele ein unsterbliches Schicksal besitzt.

Die Theorie der Erinnerung (Anamnesis)

Platon führt mehrere Argumente für die Unsterblichkeit der Seele an, die auf der Theorie der Erinnerung basieren. Wenn wir beispielsweise einen mathematischen Satz als wahr erkennen, geschieht dies nicht durch bloßes Lernen, sondern weil wir uns an die Beziehungen zwischen den Ideen erinnern, die unsere Seele bereits in der Welt der Ideen geschaut hat, bevor sie in den Körper inkarnierte. Wissen ist somit ein Wiedererinnern an bereits gemachte Erfahrungen.

Die Dreiteilung der Seele

Für Platon ist die Seele ein Prinzip, das sich aus sich selbst bewegt. Im Mythos des geflügelten Wagenlenkers unterteilt er die Seele in drei Teile:

  1. Der rationale Teil: Der vornehmste Teil, der als geistiger Führer fungiert.
  2. Der iraszible Teil: Symbolisiert durch das edle Pferd, steht er für Mut und Willenskraft.
  3. Der begehrliche Teil: Symbolisiert durch das widerspenstige Pferd, steht er für Lust und sinnliche Leidenschaften.

Philosophie als Reinigung

Die Seele strebt nach der Befreiung vom Körper. Die Philosophie dient dabei als intellektuelle Annäherung an die Welt der Ideen. Der rationale Teil der Seele muss den Menschen von sinnlichen Begierden reinigen. Platons anthropologischer Dualismus ist durch eine radikale Trennung gekennzeichnet: Die Seele als unsterbliches Prinzip des Wissens und der Moral steht dem Körper als Quelle der Unwissenheit und des Bösen gegenüber. Da der Körper und seine Leidenschaften für menschliches Leid verantwortlich sind, ist die wichtigste Aufgabe des Menschen die Praxis der Tugend und die philosophische Lebensführung, um die Seele zu reinigen und ihre endgültige Bestimmung zu erfüllen.

Verwandte Einträge: