Platons Erkenntnistheorie und der Philosophenkönig

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Die Welt der Meinung (Doxa)

Die Meinung (doxa) entspricht der sinnlichen Welt mit ihren körperlichen Objekten. Sie stellt eine niedrigere, unvollkommene und irreführende Art des Wissens dar. Wer sich nur an die sinnliche Welt hält, wird niemals eine vollkommene Erkenntnis erreichen. Es ist notwendig, dass der Mensch nach innen schaut und mit Hilfe seiner Vernunft zur wahren Wirklichkeit gelangt: den Ideen. Platon unterteilte die Meinung weiter in zwei Ebenen: Phantasie und Glaube.

Der Philosophenkönig

Für Platon war es notwendig, dass ein Staat von rechtschaffenen Menschen regiert wird, die ihre persönlichen Ambitionen zurückstellen können. Wer ist in der Lage, diese edle Aufgabe zu erfüllen? Nur kluge Menschen, die in Kontakt mit der Welt der Ideen standen: der Philosoph-König. Diese zeichnen sich durch ein besonderes Talent aus und durchlaufen eine Ausbildung, die erst mit 50 Jahren abgeschlossen ist. Sie müssen die Kraft der Weisheit besitzen, da sie die Erkenntnis des Guten und der Gerechtigkeit erlangt haben. Sie kehren in die Höhle zurück – auch gegen ihren Willen –, um die Menschen zu führen und eine gerechte Gesellschaft zu fördern. Philosophen-Könige sollten die höchsten Posten in der sozialen Struktur besetzen, da ihre vernünftige Seele die Klasse der Herrschenden dominiert.

Vernunft versus Sinnlichkeit

Für Platon ist der Unterschied zwischen Vernunft und Sinnlichkeit radikal: Es ist nötig, die Vernunft zu stärken und die Sinnlichkeit zu überwinden. Der Philosoph sollte der Welt der Ideen so nahe wie möglich sein, da sie die Welt der wahren Erkenntnis darstellt. Platon ging davon aus, dass alle Individuen das Wissen der Ideen in sich tragen. Die menschliche Seele war einst in Kontakt mit den Ideen, hat aber durch die Verkörperung im Leib eine Vernachlässigung erfahren (beeinflusst durch Pythagoras). Der Körper und die Sinne stellen ein Hindernis für die Seele und die Erkenntnis der Wahrheit dar. Um den Menschen zur wirklichen Erkenntnis zu führen, nutzt Platon die sokratische Methode der Mäeutik (Hebammenkunst). Das Erinnern an dieses Wissen wird als Reminiszenz bezeichnet.

Die Dialektik der Erinnerung

Eine ergänzende Form des Wissens ist die Dialektik. Dies ist ein aufsteigender Prozess, der durch logische Operationen zur Kontemplation der Ideen führt. Dabei wird auf die Sinne verzichtet und ausschließlich Intuition und Vernunft genutzt.

Die intelligible Welt

Die intelligible Welt entspricht der Welt der Ideen und der wahren Erkenntnis. Sie wird nicht durch die Sinne, sondern durch den Gebrauch der Vernunft erreicht. Sie ermöglicht es dem Menschen, sich mit absoluten moralischen Werten zu beschäftigen und die Idee des Guten und des Rechts zu verstehen.

Die Hierarchie der Ideen

Die „Ideen“ sind zeitlose, universelle und unveränderliche Urbilder, von denen existierende Objekte und Wesen abgeleitet werden. Sie entstehen nicht aus unserem Bewusstsein, sondern sind objektiv und selbst-existent. Platon legt eine Hierarchie fest:

  • Die Idee des Guten: Der Ursprung und Zweck allen Seins, die höchste Ordnung.
  • Ethisch-ästhetische Ideen: Gerechtigkeit, Mut, Schönheit.
  • Mathematische Ideen: Gleichheit, Einheit, Vielfalt.
  • Sinnliche Dinge: Wasser, Feuer, Mensch (deren Existenz als zweifelhaft gilt).

Philosophie als höchstes Bestreben muss das Wissen des Guten fördern, um eine integrative Gesellschaft und einen besseren Menschen zu schaffen. Platon unterscheidet somit klar zwischen sinnlichem Wissen (relativ und irreführend) und intellektuellem Wissen (absolut und zuverlässig).

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