Platons Philosophie: Ideenlehre und Erkenntnistheorie

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Platon (427 v. Chr. – 347 v. Chr.)

Ontologie und Erkenntnistheorie

Platons Philosophie verfolgt einen politischen Zweck: die Schaffung eines perfekten Staates, dessen Gestaltung kein kontinuierlicher Kampf ist. Es gilt zu verhindern, dass die Regierung in die Hände derer fällt, die ihren privaten Nutzen über das Wohl der Stadt stellen – ein Staat, in dem der Tod des Sokrates, die größte Ungerechtigkeit, nicht möglich gewesen wäre. Die Theorie der Ideen ist die grundlegende Referenz für die gesamte platonische Philosophie. Dabei lassen sich drei Absichten klar unterscheiden:

  • Ethische Absicht: Platon glaubte, dass Tugend auf Wissen basiert. Es ist essenziell, das Gute zu kennen, da rechtes Handeln auf dieser Erkenntnis beruht. Platon postuliert die Existenz ewiger und unveränderlicher moralischer Begriffe.
  • Politische Absicht: Die Staats- und Regierungschefs müssen sich nicht von politischem Ehrgeiz, sondern von philosophischen Ideen leiten lassen, insbesondere von der Idee des Guten.
  • Wissenschaftliche Absicht: Wissenschaft kann sich nur mit stabilen und dauerhaften Objekten befassen. Da alle sinnlichen Gegenstände veränderlich sind, können nur die unveränderlichen und ewigen Ideen Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sein.

Die zwei Welten

Nach der Ideenlehre gibt es zwei grundlegend unterschiedliche und getrennte Welten: die sinnliche Welt, in der materielle Dinge existieren (eine Welt, die vom Werden beherrscht wird, wie Heraklit beschrieb), und die verständliche Welt (Welt der Ideen), die als einzige wahrhaft real, unveränderlich, immateriell und ewig ist.

Ideen sind die Ursachen aller Dinge und die Grundlage aller Urteile. Materielle Dinge hingegen unterliegen einem permanenten Wandel und besitzen eine prekäre Realität. Man kann von ihnen nicht sagen, dass sie „sind“, sondern nur, dass sie „werden“. Sie werden mit den Sinnen erfasst, sind aber rein rational nicht voll fassbar.

Teilhabe und Nachahmung

Das Verhältnis der beiden Welten beschreibt Platon mit den Begriffen der Teilhabe (Methexis) oder Nachahmung (Mimesis). Alle schönen Dinge nehmen an der Idee der Schönheit teil. Sinnlich wahrnehmbare Wesen ahmen bestimmte Ideen nach; Ideen sind die Modelle (Urbilder), welche die Dinge nachzuahmen versuchen, ohne sie jemals vollständig zu erreichen. Ideen sind Ideale, die im Reich des Sinnlichen nicht voll zum Tragen kommen. Der Kontrast dieser beiden Welten wird im Dialog Politeia (Der Staat) durch das Höhlengleichnis verdeutlicht, welches den absoluten Primat der Ideen gegenüber allen bloßen Vorstellungen bestätigt.

Erkenntnistheorie

Platon unterscheidet zwei Formen des Wissens: das Wissen (Wissenschaft/Episteme) und die Meinung (Doxa).

Während eine Meinung falsch sein kann, schließt die Wissenschaft die Möglichkeit des Irrtums aus. Erkenntnis zielt darauf ab, die Ideen hinter den Objekten in der Welt der Sinne zu erfassen.

Da sinnliche Wesen die Ideen „nachahmen“ oder an ihnen „teilhaben“, dient die Wahrnehmung dieser Dinge als Gelegenheit zur Wiedererinnerung (Anamnesis). Der Prozess der Erkenntnis ist ein Aufstieg, in dem verschiedene Ebenen unterschieden werden können:

  • Auf der untersten Ebene des Wissens steht die Phantasie (Eikasia).
  • Darüber liegt der Glaube bzw. die Überzeugung (Pistis), die sich mit den sinnlichen Wesen befasst.
  • Im Bereich der Wissenschaft (Welt der Ideen) steht an erster Stelle die Mathematik (Dianoia). Sie hilft der Seele, sich von der Welt des Werdens abzuwenden und sich der Betrachtung der Ideen zuzuwenden.
  • Den Höhepunkt bildet schließlich die Dialektik (Noesis). Sie führt zu totalem und absolutem Wissen und erreicht die oberste Idee: die Idee des Guten.

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