Das poetische Werk von Garcilaso de la Vega

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Die Gedichte des Dichters Garcilaso de la Vega wurden nach dem Vorbild der poetischen Werke (Canzoniere) Petrarcas verfasst.

1. Organisation: Das Liederbuch nach Petrarca

Im 15. Jahrhundert wurde als „Liederbuch“ (Cancionero) eine vollständige Sammlung von Gedichten und Liedern verschiedener Autoren bezeichnet. Im Sinne Petrarcas hingegen ist ein Liederbuch eine Gedichtsammlung eines einzelnen Autors, die die sentimentale oder romantische Geschichte des Dichters erzählt.

Das Liederbuch von Petrarca ist in zwei Hauptteile gegliedert:

  • Eine Sammlung von Gedichten, die seiner Geliebten zu ihren Lebzeiten gewidmet sind.
  • Eine Reihe von Gedichten, die im Gedenken an seine Geliebte nach ihrem Tod geschrieben wurden.

Das Werk wird durch ein Sonett ergänzt, das die Funktion eines Prologs übernimmt, sowie durch ein weiteres, das den Abschluss bildet. In diesem letzten Sonett sucht Petrarca ewigen Trost durch ein Gebet an die Gottesmutter.

Garcilasos Werk zeigt eine ähnliche Struktur wie das Liederbuch Petrarcas. Es besitzt eine ebenso vollendete Organisation und sucht die Nähe zu dessen Stil. Wie bei Petrarca hat auch die Liebesgeschichte von Garcilaso einen zentralen Bezugspunkt: den Tod seiner Geliebten Elisa. Die thematische Entwicklung in Garcilasos Liedern verläuft parallel zur Entwicklung der formalen Poesie.

2. Die Bildung eines literarischen Stils

Der Stil von Garcilaso zeigt eine klare Entwicklung, ausgehend von einer Nähe zum traditionellen lyrischen Cancionero.

Der Stil der kastilischen Liederbuchpoesie manifestiert sich in Garcilasos Lyrik durch folgende Merkmale:

  • Häufigkeit spitzer (akuter) Reime
  • Fehlen von bildhaften Metaphern
  • Internalisierung des Liebesgefühls
  • Fehlen der äußeren Welt (Natur)

In Bezug auf die Sprache zeigt sich die Verbindung zum lyrischen Cancionero in konzeptionellen und rhetorischen Spielereien.

Garcilasos Stil konsolidierte sich während seines Aufenthalts in Neapel. Sein Stil gewinnt an Präzision in der Bezeichnung, was sich vor allem in der Beschreibung der Natur zeigt. Dieser neue poetische Stil zeichnet sich durch einen größeren lexikalischen und sensorischen Reichtum aus, neigt jedoch durch die Aufspaltung von Ausdrücken in Synonyme auch zur Stagnation.

3. Die Themen Liebe und Natur bei Garcilaso

Es gibt zwei Hauptthemen in der Poesie von Garcilaso de la Vega: Liebe und Natur.

  • Die Liebe ist das dominierende Thema, inspiriert durch Isabel Freyre. Das Gefühl der Liebe wird von Garcilaso als eine schmerzhafte Erfahrung erlebt, zeichnet sich jedoch durch eine große Authentizität aus. Garcilasos Liebeskonzeption steht in der platonischen Tradition; sie lehnt die rein lüsterne Liebe ab und stellt ihr eine Liebe spiritueller Natur gegenüber.
  • Die Natur erscheint vor allem in den Eklogen, in denen der Dichter den Höhepunkt seines Stils erreicht hat.

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