Die drei Polizeimodelle: Tradition, Professionalität und Nähe
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Die drei grundlegenden Polizeimodelle
1. Das traditionelle Modell
Dieses Modell ist eng mit der Macht verbunden. Der Begriff der öffentlichen Ordnung bildet die Hauptfunktion. Es orientiert sich stark an der gesetzlichen Anordnung und reagiert primär auf Gefahren für das politische Regime.
- Hoher Ermessensspielraum: Die Polizei agiert oft eigenmächtig.
- Informantenwesen: Die Hemmschwelle zur Begehung von Straftaten zur Gewinnung von Informationen ist niedrig.
- Willkürliche Verhaftungen: Festnahmen erfolgen oft nicht zur Strafverfolgung, sondern zur Bestrafung oder Informationsbeschaffung.
2. Das professionelle Modell
Dieses Modell entstand in den 1970er Jahren als Reaktion auf den traditionellen Stil. Wesentliche Merkmale sind:
- Bürokratie und Korruptionsbekämpfung: Stärkung der gerichtlichen Kontrolle und höhere innere Disziplin.
- Hierarchische Organisation: Vertikale und zentrale Struktur.
- Technisierung: Systematische Nutzung von Notrufnummern, Streifenwagen, Funk und Datenbanken zur Kriminalitätsbekämpfung.
- Wissenschaftliche Methoden: Fokus auf forensische Forschung statt auf Vertrauenspersonen.
Kritikpunkt: Übermäßige Bürokratie. Die interne Verwaltung beansprucht oft mehr Zeit als die Lösung von Bürgerproblemen.
Einsatzstrategien:
- Reaktive Maßnahmen: Auf Antrag von Behörden oder Bürgern.
- Proaktive Maßnahmen: Auf Initiative der Polizei.
Die Reaktionszeit ist entscheidend, wobei polizeiliche Ermittlungen oft weniger effektiv sind als die Identifizierung durch Zeugen oder Opfer. In Spanien werden beispielsweise nur etwa 33 % der Diebstähle durch polizeiliche Ermittlungen (z. B. Fingerabdrücke) aufgeklärt.
3. Das bürgernahe Polizeimodell (Community Policing)
Dieses Modell ersetzt das „Feuerwehr-Prinzip“ (reines Reagieren). Die Polizei agiert wie ein „Briefträger“, der regelmäßig im gleichen Viertel präsent ist und die Anwohner kennt.
- Effektivität: Basiert auf der engen Beziehung zwischen Polizei und Nachbarschaft.
- Ortskenntnis: Besseres Verständnis der lokalen Gegebenheiten führt zu präziseren Aktionen.
In Spanien wurde dieses Modell zwischen 1997 und 1998 gestärkt, jedoch ab 2001 aufgrund steigender Kriminalitätsraten und der wahrgenommenen Ineffizienz kritisch hinterfragt.
Fazit zum Ermessensspielraum
Ein gewisser Ermessensspielraum ist unvermeidlich, darf jedoch nicht zu Willkür oder Ungerechtigkeit führen. Es muss sichergestellt werden, dass polizeiliches Handeln stets verhältnismäßig bleibt.