Primitive Reflexe bei Neugeborenen: Übersicht & Bedeutung

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Die Bedeutung primitiver Reflexe beim Neugeborenen

Primitive Reflexe beim Neugeborenen (RN) sind automatisierte Reaktionen, die wie systematisierte Übungen wirken. Sie zeigen den Vorrang der fokalen subkortikalen Zentren für Tonus und Bewegung während des Übergangszustands der kortikalen Unreife. Die meisten dieser normalen Reflexe treten beim Neugeborenen stereotyp auf und verschwinden spontan, sobald das Zentralnervensystem (ZNS) reift. Sie bilden die Grundlage für die spätere willkürliche, aktive und funktionale Mobilität und verschwinden in der Regel während des ersten Lebensjahres.

Saugreflex und Orientierungsreflex

Saugreflex: Wenn das Baby entspannt auf dem Rücken liegt und der Zeigefinger leicht zwischen die Lippen eingeführt wird, erfolgt ein automatisches Saugen. Dieser Reflex verschwindet etwa nach zwei Monaten und steht im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme.

Orientierungsreflex (Suchreflex): Bei Stimulation des Lippenbereichs mit dem Finger spitzt das Kind den Mund und sucht mit den Lippen den Finger des Prüfers. Wenn das Kind hungrig ist, ist dieser Reflex besonders lebhaft. Er verschwindet nach etwa zwei Monaten und bezieht sich ebenfalls auf die Nahrungssuche.

Greifreflexe: Palmar und Plantar

Palmarer Greifreflex: Das Kind befindet sich in Rückenlage. Legt man den Zeigefinger quer in die Handfläche des Kindes, schließt sich die Hand. Beim Neugeborenen erscheint dieser Reflex mit großer Intensität. Er nimmt allmählich ab, während die Handbewegung in die aktive Manipulation integriert wird, und verschwindet vollständig zwischen dem 3. und 4. Monat.

Plantarer Greifreflex: Durch Druck in den ersten Zwischenknochenraum der Fußsohle wird eine Beugereaktion der Zehen ausgelöst. Dieser Reflex erscheint und verschwindet bei gesunden Kindern im 3. Quartal; sein Verschwinden korreliert mit dem ersten Stehen des Kindes. Er ist sehr stark ausgeprägt.

Stütz- und Schreitreflexe

Primitive Stützreaktion: Das Kind wird mit seinen Füßen auf einen Tisch gestellt. Es reagiert, indem es seine Beine streckt und steht. Dieser Reflex kann beim Neugeborenen bis zum 2. oder 3. Monat beobachtet werden.

Automatischer Schreitreflex: Ausgehend von der primitiven Stützreaktion kann das Kind Gehbewegungen ausführen, wenn es leicht und einseitig nach vorne geneigt wird. Dieser Reflex erschöpft sich meist um die 4. Lebenswoche.

Steigreflex und Moro-Reflex

Steigreflex (Überwinden von Hindernissen): Bei Stimulation des Fußrückens an einer Tischkante erfolgt als Antwort die Beugung der unteren Extremität, um den Fuß auf den Tisch zu setzen. Dies wird nacheinander mit jedem Fuß durchgeführt und besteht bis zu einem Alter von 4 bis 6 Wochen.

Moro-Reflex: Der Prüfer hält das Kind am Kopf und lässt ihn in Rückenlage kurz (ca. 1 bis 2 cm) nach hinten sinken. Das Kind reagiert durch eine weite Abduktionsbewegung der Arme mit offenen Händen und gespreizten Fingern (Umklammerungsreflex). Zudem kann eine Beinstreckung erfolgen, wobei diese Reaktion variabel ist. Gewöhnlich wird die Bewegung von Weinen begleitet. Der Reflex ist ab der Geburt vorhanden, nimmt später ab und verschwindet im 2. bis 3. Monat.

Galant-Reflex und gekreuzter Streckreflex

Galant-Reflex: Das Baby wird in Bauchlage gehalten. Mit einem Schlüssel oder Stift wird paravertebral von D4 bis L2 (vom Schulterblatt bis zum unteren Rücken) gestrichen. Die Reaktion des Kindes ist eine Krümmung des Rumpfes zur stimulierten Seite. Arm und Bein auf der Außenseite entfernen sich, während sie sich auf der Innenseite annähern. Dieser Reflex sollte zwischen dem 4. und 5. Monat verschwinden, da ab 4,5 Monaten die Rumpfdrehung und -streckung einsetzen sollte.

Gekreuzter Streckreflex: Das Kind liegt in Rückenlage. Ein Bein wird in Extension (Streckung) gehalten, während die Fußsohle von der Ferse zu den Zehen gerieben wird. Die Antwort erscheint im gegenüberliegenden Bein in drei Stufen:

  • Beugung von Hüfte und Knie
  • Streckung von Hüfte und Knie mit Adduktion des Beins
  • Bewegung zur Mittellinie mit fächerförmig gespreizten Zehen

Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex und Überlebensreflex

Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex (ATNR): Das Kind liegt in Rückenlage mit symmetrisch ausgerichteten Gliedmaßen. Wird der Kopf stark zur Seite gedreht, erfolgt eine Streckreaktion der Extremitäten auf der Gesichtsseite und eine Beugung der kontralateralen Extremitäten (Fechterstellung). Bei gesunden Kindern sollte dieser Reflex innerhalb der ersten drei Monate verschwinden.

Überlebensreflex (Kopfstellreaktion): Bringt man das Kind in Bauchlage mit geradem Kopf, reagiert es, indem es den Kopf zu einer der beiden Seiten dreht, um die Atemwege freizuhalten.

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