Probenahme in der Forschung: Methoden und Klassifizierung
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Einführung in die Probenahme
UNIT 5: Probenahme – Konzept und Klassifizierung
Grundbegriffe: Grundgesamtheit und Stichprobe
Die Grundgesamtheit (Population) umfasst die Gesamtheit aller Einheiten (Einzelpersonen, Familien, Wohnungen etc.), aus denen Informationen extrahiert werden sollen. Die Stichprobe (Sample) ist die Anzahl der aus der Grundgesamtheit ausgewählten Einheiten, um Informationen zu extrapolieren.
Die Stichprobe wird durch einen Prozess namens Entnahme gewonnen, der von der gewählten Forschungstechnik abhängt. Eine Stichprobe muss repräsentativ sein. Das bedeutet, dass die Attribute der Grundgesamtheit in der Stichprobe im gleichen Verhältnis vorhanden sein müssen. Nur bei Repräsentativität ist eine Generalisierung (Möglichkeit der Verallgemeinerung) möglich, sodass die Schlussfolgerungen der Stichprobe auf die gesamte Bevölkerung angewandt werden können. Das Stichprobenverfahren sollte einen Mechanismus bieten, um die Stichprobe mit der Grundgesamtheit zu vergleichen und deren Repräsentativität sicherzustellen.
Faktoren zur Bestimmung der Stichprobengröße
Die Stichprobengröße hängt von sechs wesentlichen Faktoren ab:
- 1. Zeit und verfügbare Ressourcen: Diese bestimmen maßgeblich die endgültige Größe der Stichprobe.
- 2. Stichprobenmodus: a) Probabilistisch (erfordert meist eine größere Stichprobe), b) Nicht-probabilistisch (meist kleinere Stichproben).
- 3. Diversität der Datenanalyse: Bei der Anwendung multivariater statistischer Techniken muss die Stichprobe eine hohe Fallzahl aufweisen, um den Stichprobenfehler zu reduzieren.
- 4. Populationsvarianz oder Heterogenität: Je heterogener die Bevölkerung ist, desto größer ist die Varianz und desto größer muss die Stichprobe sein.
- 5. Fehlermarge: Bezieht sich auf die Stichprobengröße bei probabilistischen Methoden. Ein größerer Stichprobenumfang reduziert in der Regel den Fehler.
- 6. Konfidenzniveau (Vertrauensgrad): Alle Elemente der Grundgesamtheit haben die gleiche Chance, ausgewählt zu werden. Es gibt drei gängige Vertrauensebenen: 68 %, 95,5 % und 99,7 %. Am häufigsten wird ein Wert von 95,5 % verwendet.
Formeln zur Berechnung: Wenn das Universum größer als 100.000 Einheiten ist, wird eine Standardformel angewendet. Wenn das Universum 100.000 oder weniger beträgt, passt sich der Wert der Stichprobe entsprechend an.
Arten der Probenahme
Es gibt zwei große Kategorien: probabilistische und nicht-probabilistische Verfahren.
Probabilistische Stichprobenverfahren
Bei der probabilistischen Probenahme haben alle Elemente der Grundgesamtheit eine bekannte Wahrscheinlichkeit, in die Stichprobe aufgenommen zu werden; die Auswahl erfolgt zufällig. Ihre Merkmale sind:
- 1. Zufällige Auswahl.
- 2. Alle Elemente sind gleich wahrscheinlich.
- 3. Fehler und Konfidenzniveau sind berechenbar.
- 4. Ergebnisse können verallgemeinert werden.
- 5. Einzige Methode zur objektiven Beurteilung der Repräsentativität.
- 6. Ökonomisch teurer.
- 7. Langsamer und komplizierter in der Durchführung.
Einfache Zufallsstichprobe
Alle Elemente der Grundgesamtheit haben die gleiche Chance, in die Stichprobe zu gelangen. Ist dies nicht erfüllt, gilt die Stichprobe als fehlerhaft. Trotz ihrer Einfachheit wird sie in der Sozialforschung selten verwendet, es sei denn, es handelt sich um kleine und homogene Kollektive.
Systematische Stichprobe
Im Gegensatz zur einfachen Zufallsauswahl wird hier nur das erste Element zufällig gezogen. Das Intervall ergibt sich aus der Division der Grundgesamtheit durch die Stichprobengröße (N/n). Die übrigen Elemente werden durch Addition dieses Verhältnisses gewählt. Beispiel: N = 8000, n = 500. N/n = 16. Wird als erste Zahl die 12 gewählt, folgt 12 + 16 = 28, dann 28 + 16 = 44 usw.
Geschichtete Zufallsstichprobe
Diese Methode wird angewendet, wenn die Bevölkerung in verschiedene Klassen oder Schichten unterteilt ist, die durch bestimmte Attribute definiert sind. Sie ist die am häufigsten verwendete Technik in der Sozialforschung. Zwei Kriterien sind entscheidend:
- Schichtung: Bildung von Schichten, die in sich homogen, aber untereinander heterogen sind.
- Allocation (Aufteilung): Bestimmung der Stichprobengröße pro Schicht. Es gibt drei Arten: 1. Einfach (gleiche Anzahl pro Schicht), 2. Proportional (entsprechend dem Anteil an der Grundgesamtheit – am häufigsten verwendet), 3. Optimal (berücksichtigt zusätzlich die Variabilität innerhalb der Schichten).
Klumpenstichprobe (Cluster-Sampling)
Wird bei großen, geografisch verstreuten Populationen eingesetzt. Statt einzelner Elemente werden Cluster (Gruppen mit heterogenen Elementen, aber homogenen Clustern) ausgewählt. Während bei der geschichteten Stichprobe Individuen gewählt werden, sind es hier ganze Gruppen.
Mehrstufige Stichprobenverfahren
Wird aus einem Cluster eine weitere Stichprobe gezogen, spricht man von einer mehrstufigen oder Multi-Phase-Stichprobe. Dies ermöglicht den Zugang zu sehr großen Populationen. In der Regel erfolgt dies in drei oder vier Stufen (z. B. geografisches Gebiet -> Stadtteil -> Straße -> Haushalt). Nationale Stichproben sind meist mehrstufig aufgebaut.
Random-Route-Verfahren
Hier folgt der Interviewer einer zufällig gewählten Route auf einer Karte (Startpunkte, Gebäude etc.). Er muss Regeln befolgen, wie z. B. bestimmte Abbiegevorgaben oder die Auswahl spezifischer Gebäude. Ein Nachteil ist die Gefahr der Klumpenbildung (z. B. nur Rentner oder Hausfrauen zu bestimmten Zeiten), weshalb genaue Vorgaben für die Zielpersonen wichtig sind.
Nicht-probabilistische Stichprobenverfahren
Hier erfolgt die Auswahl nicht zufällig. Merkmale sind:
- 1. Elemente haben keine gleiche Wahrscheinlichkeit, ausgewählt zu werden.
- 2. Schwierige Berechnung von Fehler und Konfidenz.
- 3. Mögliche Voreingenommenheit durch den Forscher.
- 4. Niedrigere Kosten.
Quotenauswahl
Häufig in Marktstudien genutzt. Sie ähnelt der geschichteten Stichprobe in zwei Phasen: 1. Identifikation homogener Gruppen (Alter, Geschlecht etc.), 2. Bestimmung des Stichprobenumfangs pro Gruppe. Der Unterschied: Die Auswahl der Personen erfolgt nicht zufällig, sondern nach Vorgaben des Interviewers.
Willkürliche Auswahl (Convenience Sampling)
Wird oft in der explorativen Forschung genutzt, da sie kostengünstig ist. Das Kriterium ist subjektiv und hängt von den Interessen oder der Erreichbarkeit für den Forscher ab.
Schneeballverfahren
Wird bei schwer erreichbaren Gruppen (z. B. illegale Einwanderer, Sekten) angewendet. Ein Teilnehmer vermittelt den Kontakt zu weiteren Personen. Der Nachteil ist, dass oft nur die "sichtbarsten" Mitglieder einer Gruppe erreicht werden.
Fazit: Im Allgemeinen bietet die probabilistische Probenahme aufgrund ihrer statistischen Belastbarkeit mehr Vorteile für die wissenschaftliche Forschung.