Prometheisch: Bedeutung, Herkunft und der Mythos
Eingeordnet in Philosophie und Ethik
Geschrieben am in
Deutsch mit einer Größe von 4,23 KB
Prometheisch
Bedeutung des Begriffs
Adjektiv
| Positiv | Komparativ | Superlativ |
|---|---|---|
| prometheisch | prometheischer | am prometheischsten |
Worttrennung: pro·me·the·isch, Komparativ: pro·me·the·i·scher, Superlativ: am pro·me·the·ischs·ten
Aussprache: IPA: [pʁomeˈteːɪʃ]
Bedeutungen: [1] bildungssprachlich: an Kraft und Größe alles überragend.
Herkunft: Auf den sagenhaften Titanen Prometheus („der Vorausdenkende“) der griechischen Mythologie zurückgehend.
Synonyme: gigantisch, kolossal, riesenhaft, titanenhaft, titanisch, übermenschlich, überwältigend.
Gegenwörter: [1] epimetheisch.
Beispiele
- Allmachtsfantasien dieser Art, die den Menschen zum alleinigen Meister seines Schicksals machen wollen, nannte man früher prometheisch.
- Wer aber jetzt den prometheischen Umbruch fordert, muss wissen, dass er am allergrößten aller denkbaren Räder dreht.
- Eine der Schlussfolgerungen ist, dass sich die prometheisch schaffende Kraft mit der Natur verbinden muss.
- Warum hat er vor dieser Hybris nicht gewarnt? Weil er selbst der prometheischste Mensch dieser Zeit ist.
- Das Schiff war in seiner Erscheinung prometheisch.
Prometheus: Der Mythos
Prometheus (griechisch Προμηθεύς, „der Vorausdenkende“) ist in der griechischen Mythologie der Freund und Kulturstifter der Menschheit. Oft wird er als Schöpfer der Menschen und Tiere bezeichnet. Als Feuerbringer und Lehrmeister der Menschen weist er Gemeinsamkeiten mit Hephaistos, Apollon und Athene auf.
Genealogie
Prometheus ist ein Titan, Sohn des Iapetos und der Asia, Klymene oder Gaia. Er ist der Bruder von Atlas, Menoitios und Epimetheus. Sein Sohn mit Pronoia ist Deukalion.
Die Prometheus-Sage
Prometheus formte die Menschen aus Ton. Athene verlieh ihnen Verstand und Vernunft. Um die Menschen vor Zeus zu schützen, griff Prometheus zu einer List bei der Opfergabe, was Zeus erzürnte. Als Strafe entzog Zeus den Menschen das Feuer. Prometheus stahl es jedoch zurück, indem er einen Riesenfenchel am Sonnenwagen des Helios entzündete.
Zur Rache schuf Zeus Pandora, die mit ihrer Büchse alle Übel über die Menschheit brachte. Prometheus selbst wurde zur Strafe an einen Felsen im Kaukasus gekettet, wo ein Adler täglich von seiner Leber fraß, bis er schließlich durch Herakles befreit wurde.
Prometheus in der Geistesgeschichte
Hesiod und Aischylos
Bei Hesiod steht Prometheus für den Abstieg des Menschen in ein mühseliges Leben. Bei Aischylos hingegen symbolisiert er den Aufstieg der Menschheit zur Zivilisation.
Platon
Platon nutzt den Mythos, um die Notwendigkeit von Scham und Recht für das gesellschaftliche Zusammenleben zu begründen.
Neuzeitliche Rezeption
Die Figur des Prometheus ist ein zentrales Motiv der Kulturgeschichte:
- Johann Wolfgang Goethe: Sein Gedicht Prometheus feiert den Trotz des schöpferischen Genies.
- Mary Shelley: Ihr Roman Frankenstein trägt den Untertitel „Der moderne Prometheus“.
- Hans Jonas: In Das Prinzip Verantwortung nutzt er die Metapher des „entfesselten Prometheus“, um die Gefahren moderner Technologie zu beschreiben.
Literatur
- Karl Bapp: Prometheus. In: Wilhelm Heinrich Roscher (Hrsg.): Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie.
- Karl-Martin Dietz: Prometheus der Vordenker.
- Claus Leggewie, Ursula Renner: Prometheische Kultur.