Die Prosa der Renaissance: Humanismus und Denken
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Die Prosa der Renaissance: Ein Wendepunkt
Die Renaissance stellt einen entscheidenden Wendepunkt gegenüber dem Weltbild des Mittelalters dar. Ihr Ideal war es, die Lehren der klassischen griechisch-römischen Antike an die moderne Zeit anzupassen. Aus diesem Bedürfnis entstand eine neue Prosa, die sich von mittelalterlichen Modellen distanzierte.
Einflussreiche Denker in Europa
Zu den einflussreichsten Denkern der Renaissance aus Italien zählen Niccolò Machiavelli und Baldassare Castiglione.
- Niccolò Machiavelli: Er begründete mit seinem Werk Der Prinz die moderne Politikwissenschaft. Er argumentierte, dass der Zweck die Mittel heiligt und die Macht des Staates, vertreten durch den Prinzen, über den moralischen und ethischen Werten des Einzelnen steht.
- Baldassare Castiglione: In seinem Hauptwerk Der Höfling entwarf er ein Verhaltensmodell für den Renaissance-Adel. Er betonte, dass ein guter Hofmann nicht nur den Umgang mit Waffen beherrschen, sondern auch über Kultur und Moral verfügen sollte.
Humanistische Vordenker
- Desiderius Erasmus: Der Niederländer versuchte, klassische Kultur mit der christlichen Religion zu versöhnen. Er strebte eine geistige Erneuerung der Kirche und Harmonie unter den Christen an, die durch die Religionskriege nach der Reformation zerrüttet waren.
- Thomas More: Der Engländer skizzierte in seiner Utopia ein Modell einer idealen Gesellschaft, die religiöse Intoleranz, ungleiche Vermögensverteilung und Gewalt ablehnt. Zudem kritisierte er die Todesstrafe.
- Michel de Montaigne: Der Franzose analysierte in seinen Essays skeptisch die Gesellschaft seiner Zeit. Er verurteilte die Widersprüche starrer Institutionen und wollte dem Leser helfen, sich selbst besser zu verstehen.
Die Renaissance in Spanien
Spanien war eines der ersten europäischen Länder, das das neue humanistische Denken aufnahm, was verschiedene Genres prägte:
1. Die historische Prosa
Besonders bedeutend waren die Chronisten der Indias, die von der Faszination für den neuen Kontinent Amerika berichteten:
- Bernal Díaz del Castillo: Als Prototyp des Schriftsteller-Soldaten beschrieb er die Ankunft der Spanier in Mexiko in seinem Werk Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Neuspanien.
- Fray Bartolomé de las Casas: In seinem Kurzgefassten Bericht von der Verwüstung der westindischen Länder klagte er die Grausamkeiten der Spanier an und verteidigte die indigene Bevölkerung.
2. Die didaktische Prosa
Ziel war es, dem Renaissance-Menschen moralische und humanistische Werte zu vermitteln. Ein wichtiger Vertreter ist Fray Antonio de Guevara mit seinem Werk Menosprecio de corte y alabanza de aldea (Verachtung des Hofes und Lob des Dorfes), das ein Leben abseits höfischer Intrigen propagiert.
3. Der Dialog
Dieses Genre basiert auf der antiken Tradition Platons, Ideen durch fiktive Dialoge darzustellen. Ein Schlüsselwerk ist der Diálogo de la lengua von Juan de Valdés, die erste Abhandlung über die spanische Sprache:
- Verteidigung des Kastilischen als gleichwertig zum Lateinischen.
- Forderung nach einem Stil, der auf Kürze, Einfachheit und Natürlichkeit basiert.
- Verwendung von Sprichwörtern als didaktisches Mittel.
- Ablehnung unnötiger Neologismen.