Psychologie: Wahrnehmung und Gedächtnis verstehen
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Psychologie: Wahrnehmung und Gedächtnis
1. Wie funktioniert der menschliche Geist?
Denker aller Zeiten haben das Wissen untersucht. Im Jahr 1960 erschien die Cognitive Psychology. Ziel der Studie war die Analyse kognitiver Prozesse wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Lernen und Denken.
Informationen von den Sinnen durchströmen den menschlichen Geist als ein kognitives System, dessen Komponenten wie folgt gesammelt werden:
Aufmerksamkeit – Wahrnehmung – Gedächtnis
Der Mensch ist als Informationsprozessor konzipiert:
- Zunächst werden Reize empfangen.
- Diese Reize werden in Nervenimpulse an das Gehirn umgewandelt (Sensation/Empfindung).
- Diese Nachrichten werden organisiert (Wahrnehmung).
- Die Informationen werden im Gedächtnis behalten.
SENSENSORISCHE REGISTRIERUNG – AUFMERKSAMKEIT – WAHRNEHMUNG – GEDÄCHTNIS
2. Der Zugang zur Welt außerhalb unseres Bewusstseins
Der erste Kontakt mit der Umwelt erfolgt durch Gefühle. Es entsteht eine Empfindung, wenn unsere Sinne durch physikalische Energie angeregt werden. Der Körper nimmt diese Energie auf und leitet sie entlang der Nerven zum Gehirn, welches die Informationen aufnimmt und verarbeitet.
- Stimulus (Reiz): Jede Form von Energie, auf die wir reagieren (z. B. Lichtwellen, Ton).
- Sinn: Der physiologische Weg, über den wir auf eine Art von Energie reagieren.
- Empfindung: Ein Gefühl, das wir als Reaktion auf Informationen erfahren, die wir durch die Sinne erhalten.
Stimuli sind in der Lage, Empfindungen auszulösen.
- Absolutschwelle (Minimum): Die geringste Intensität eines Reizes, die die Sinne erfassen können.
- Maximalschwelle: Der stärkste Reiz, dem die Sinne widerstehen können.
- Differenzschwelle: Diese ist variabel und hängt von der Intensität des ursprünglichen Reizes ab.
Wir reagieren nicht immer auf alle Reize unserer Umwelt. Wir sind für einige Reize sehr empfindlich und gegen andere sehr unempfindlich. Die sensorischen Systeme ermöglichen es dem Organismus, die notwendigen Informationen für Funktion und Überleben zu erhalten.
Wie viele Sinne haben wir?
Es heißt oft, es gäbe fünf, aber es gibt viele mehr. Die klassischen fünf Sinne werden Exterozeptoren genannt; sie sind mit der Erfassung von Informationen von außen betraut.
Andere Sinne werden Interorezeptoren genannt. Sie empfangen interne Stimulationen, beispielsweise aus dem Verdauungstrakt (Hunger, Durst etc.).
Propriozeptoren: Diese befinden sich in Muskeln, Gelenken und Sehnen und sind für Muskelreaktionen verantwortlich.
Die Nozizeptoren: Diese berichten über Schmerzempfindungen.
3. Wahrnehmung: Die Verarbeitung sensorischer Informationen
Wir nehmen Gegenstände durch die Sinne wahr, verarbeiten sie jedoch später, um ihnen einen Sinn zu geben. Diesen mentalen Prozess nennen wir Wahrnehmung.
Definition Wahrnehmung: "Es ist der Prozess, durch den wir Daten von außerhalb erhalten und organisieren, um sie sinnvoll zu interpretieren und uns der Welt um uns herum bewusst zu werden."
3.1. Merkmale der Wahrnehmung
1. Die Wahrnehmung ist ein dualer Prozess (extern-intern): Sie hängt von äußeren Reizen und persönlichen Merkmalen (Motivation, Erwartungen etc.) ab.
2. Die Wahrnehmung ist ein Selektionsprozess: Reize werden ausgewählt; diese Auswahl nennen wir Aufmerksamkeit.
Aufmerksamkeit ist eine Art Informationsfilter und ein Frühwarnsystem für Daten.
Faktoren der Aufmerksamkeit:
- Extern: Intensität, Größe, Farbe etc.
- Intern-biologisch: Notwendigkeit und soziale Interessen.
Andere Phänomene, die die Aufmerksamkeit beeinflussen:
- Erhöhte Aufmerksamkeit bei angenehmen Reizen.
- Verminderte Aufmerksamkeit bei unangenehmen Reizen.
- Habituation: Wir schenken vertrauten oder repetitiven Erfahrungen weniger Aufmerksamkeit.
Es gibt zwei Typen von Aufmerksamkeit: Anhaltende und selektive Aufmerksamkeit.
3. Wahrnehmung ist subjektiv: Wir nehmen wahr, was uns interessiert (Wahrnehmungs-Bias). Dies zeigt sich in:
- Der Interpretation der Daten: Unsere Erwartungen beeinflussen, was wir wahrnehmen (Urteilen vor dem Wissen).
- Dem Inhalt: Wünsche, Erinnerungen und Emotionen beeinflussen die Wahrnehmung.
4. Der soziale Kontext: Bildung und Kultur beeinflussen die Wahrnehmung. Es gibt perzeptive Variationen zwischen Individuen verschiedener Kulturen. Wir lernen von anderen, wie wir die Umwelt wahrnehmen.
3.2. Theorien der Wahrnehmung
3.2.1. Assoziationstheorie
Diese Theorie betrachtet Wahrnehmung als ein Flickwerk von Empfindungen. Empfindungen werden erst isoliert wahrgenommen und dann vom Gehirn verknüpft, um die allgemeine Wahrnehmung des Gegenstandes zu bauen. Das Subjekt nimmt hierbei eine passive Rolle ein.
3.2.2. Kognitive Theorie
Studium der Wahrnehmung durch Analogien zwischen dem Geist und Computern. Es ist ein konstruktiver Prozess durch das Subjekt. Das Subjekt ist hierbei aktiv.
3.2.3. Gestalttheorie
Wir nehmen keine isolierten Reize wahr, sondern ein organisiertes Ganzes. Der Mensch organisiert empfangene Gefühle in einer Gestalt (Form). Das Wahrnehmungsfeld ist nach bestimmten Prinzipien organisiert:
- a) Konfiguration: Objekte werden im Gegensatz zu ihrer Umwelt wahrgenommen (Figur-Grund-Prinzip).
- b) Gruppierung der Stimuli: Die Figur unterliegt Gesetzen wie Nähe (nahe Reize werden gruppiert), Ähnlichkeit (ähnliche Figuren werden gruppiert), Kontinuität (visuelle Komponenten werden als Linien wahrgenommen) und Geschlossenheit (Lücken werden mental geschlossen).
- c) Konstanzphänomene: Was wir wahrnehmen, bleibt stabil und konstant, was entscheidend für die Anpassung an die Umwelt ist.
3.3. Veränderungen im Wahrnehmungsprozess
Die wichtigsten Veränderungen sind:
- Illusionen: Manchmal sind Daten irreführend. Optische Täuschungen hängen davon ab, wie man Dinge sieht. Es gibt meist ein reales Objekt als Bezugspunkt, das verzerrt wahrgenommen wird.
- Halluzinationen: Das Subjekt nimmt etwas wahr, das in der Realität nicht existiert. Diese können einfach (z. B. Geräusche) oder komplex (z. B. Stimmen) sein.
4. Das menschliche Gedächtnis
Was ist Erinnerung? Es ist eine geistige Fähigkeit, die es uns erlaubt, Informationen über vergangene Ereignisse zu speichern, zu behalten und abzurufen.
Bransford sagt, dass Menschen beim Lesen von Geschichten einen Sinn konstruieren und sich an diese Konstruktionen erinnern. Gedächtnisprozesse beinhalten das Konstruieren und Rekonstruieren von Informationen. Wir prägen uns neue Dinge basierend auf dem ein, was wir bereits kennen.
Unsere Erinnerungen können gestört sein; wir erinnern uns oft nicht an das, was tatsächlich passiert ist, sondern an das, was wir glauben, dass passiert ist. Das Gedächtnis ist mit dem gesamten Denkprozess verbunden und besteht aus einer Reihe komplexer, miteinander verbundener Systeme.
4.1. Wie funktioniert das Gedächtnis? Theorien
Assoziationismus: Das Gedächtnis ist eine Kopie der Realität. Ereignisse werden verknüpft, wenn sie gemeinsam auftreten. Je höher die Frequenz, desto stärker die Verbindung. Je mehr Zeit man mit Lernen verbringt, desto mehr behält man.
Kognitive Psychologie: Der Mensch konstruiert sein Gedächtnis. Bartlett betonte, dass das Gedächtnis nicht nur reproduziert, sondern eigene Erinnerungen konstruiert. Neue Informationen verändern das vorhandene Wissen.
Ein Ereignis zu behalten erfordert drei Schritte: Kodieren, Speichern und Abrufen (analog zu einem Computer).
Das Gedächtnis besteht aus drei Komponenten:
- Sensorisches Register
- Kurzzeitgedächtnis
- Langzeitgedächtnis
4.1.1. Merkmale der Gedächtnissysteme
Sensorisches Gedächtnis: Hält Informationen aus der Umwelt für sehr kurze Zeit fest, bevor sie ins Kurzzeitgedächtnis übertragen werden oder verschwinden.
Kurzzeitgedächtnis: Ein temporäres Speichersystem mit zwei Eigenschaften: Begrenzte Speicherkapazität und kurze Retentionsdauer. Informationen können in "Chunks" (sinnvolle Einheiten) unterteilt werden, um mehr zu speichern.
Langzeitgedächtnis: Hier werden Informationen für lange Zeit gespeichert. Wenn wir uns nicht erinnern, bedeutet das nicht zwingend, dass die Information gelöscht wurde.
E. Tulving unterscheidet zwei Arten:
- Episodisch: Erinnerung an Tatsachen und Erlebnisse.
- Semantisch: Wissen über die Welt, abstrakte Inhalte und Sprache.
5. Wie werden Erinnerungen abgerufen?
Vorwissen beeinflusst das Gedächtnis. Wir speichern Erinnerungen bevorzugt in einer geordneten Weise ab.
Aspekte der Erinnerung:
- Man erinnert sich am besten an das, was zuerst und zuletzt erscheint (Primacy- und Recency-Effekt).
- Besonders fremde oder außergewöhnliche Dinge bleiben besser im Gedächtnis.
- Ereignisse mit intensiven Gefühlen werden besser erinnert.
5.1. Was ist das Vergessen?
Wir lernen auch, indem wir vergessen. Gesetze des Vergessens:
- Zerfall (Spurenverfall): Je seltener Informationen genutzt werden, desto eher verblassen sie.
- Interferenz: Neue Lerninhalte verformen oder überlagern alte Erkenntnisse.
- Abrufschwierigkeiten: Nichts wird völlig vergessen, aber manchmal können wir die Information nicht wiedergewinnen.
- Motivation: Verdrängung ist oft mit unangenehmen Ereignissen verbunden; positive Dinge werden meist besser erinnert.
5.2. Können wir das Gedächtnis verbessern?
Ja, durch verschiedene Methoden:
- Die Tiefe der Informationsverarbeitung beim Lernen steigert die Behaltensrate.
- Organisation von Informationen durch Concept-Maps oder Grafiken verbessert das Gedächtnis.
- Mnemotechniken (Reime, Assoziationen) helfen, Daten und Namen besser zu behalten.