Der Realismus und Naturalismus im 19. Jahrhundert: Epochen, Merkmale und Gesellschaft

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1. Einleitung

1.1. Historischer Kontext

Im neunzehnten Jahrhundert fanden in Europa tiefgreifende Transformationen statt, die alle Lebensbereiche betrafen. Die Französische Revolution löste eine tiefe Krise in Gesellschaft und Politik aus. Die ständische Gesellschaft wich einer Klassengesellschaft, an der das Bürgertum zunehmend teilhatte. Auch die demografische Expansion stellte im Verlauf des Jahrhunderts ein gravierendes Problem dar. Die Konzentration großer Städte führte zu Zusammenstößen zwischen Bürgertum, Industrie und Proletariat.

Hervorzuheben sind die rationelle Fertigung, die Krise und die neue Kultur, die neue Denkwege hervorbrachten. Kant leitete die Philosophie des Idealismus ein. Teilweise schritten die Wissenschaften in Physik, Biologie und Medizin (Darwin) stark voran. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts übten die Sozialwissenschaften wie Psychologie und Soziologie großen Einfluss auf das Denken der Zeit aus.

In der Literatur lassen sich im neunzehnten Jahrhundert in Spanien und Europa drei große Bewegungen unterscheiden: Romantik, Realismus und Naturalismus.

1.2. Literarische Gliederung des neunzehnten Jahrhunderts

Die Literatur dieser Epoche lässt sich in zwei Teile gliedern: Realismus und Romantik sowie Realismus und Naturalismus.

Es handelt sich wahrscheinlich nicht um eine einzige Bewegung, sondern um zwei verschiedene Strömungen. Die Gewohnheiten unterscheiden sich: Der Realismus (in seinem ersten Teil) bezieht sich auf die Gesellschaft der Mittel- und Oberschicht, während der Naturalismus die Lebenswelt der niedrigen Klassen darstellt. Die Bewegung könnte also in zwei Teile zerfallen, wobei der Realismus die hohe Gesellschaft, den Adel und die gehobenen Lebenskreise beschreibt, der Naturalismus hingegen das Umfeld des Bürgertums, die Gewohnheiten, den Wortschatz der Arbeiter, die marginalisierte Unterschicht und die Vorstädte.

1.3. Soziokulturelle Aspekte

Ein wichtiger Faktor ist der soziokulturelle, wirtschaftliche und soziale Aufstieg des Bürgertums. Die Gesellschaft bewegt sich nicht mehr nach überlieferten Gewohnheiten. Maße und Regeln werden zu Forderungen, die man an den Menschen stellt, um im Geschäftsleben und im Alltag erfolgreich zu sein. Ausflüchte oder Phantasien haben keinen Platz. Die Darstellung orientiert sich an der Wirklichkeit, und der Autor tritt als vermittelnde Instanz zurück.

Kulturelle Aspekte: Die Entwicklung der Literatur spiegelt die Gesellschaft wider, in der sich vielfältige Fortschritte vollziehen. Der Idealismus verliert an Bedeutung, und mit dem Positivismus, dessen Begründer Comte ist, beginnt eine neue Denkweise. Im wissenschaftlichen Bereich ragen Mendel und Darwin hervor.

1.4. Schritte von Realismus, Romantik und Naturalismus

  • Schritt von der erblichen Hierarchie zur wirtschaftlichen Ordnung.
  • Schritt von der idealistischen Philosophie zur positivistischen Philosophie.
  • Schritt von idyllischen und fantasievollen Städten hin zur Darstellung der Realität.
  • Schritt von der Sprache mit vielen Satzzeichen hin zu einer eher poetischen Ausdrucksweise.
  • Schritt vom persönlichen Stil einzelner Gemälde mit subjektivem Charakter hin zu sachlicher Beobachtung.
  • Gemälde mit Schwerpunkt auf Sitten, Sozialpsychologie und mehreren Figuren.
  • Schritt zu einer radikalen Haltung, die mit der Moral bricht.

2. Der strukturalistische Roman

Der strukturalistische Roman wird zum Instrument einer getreuen Anwendung der Mentalität, vor allem der Ideologie. Er dient dem Zweck der gründlichen und objektiven Darstellung des täglichen Lebens der Menschen und der Probleme dieser neuen Gesellschaft.

2.1. Merkmale

  • Verisimilitude (Wirklichkeitsnähe): Alles Objektive und Beobachtbare wird dargestellt.
  • Dokumentation: Der Roman stützt sich auf gründliche Recherche.
  • Verzicht auf poetischen Schmuck.
  • Figuren: Die Personen stehen in Beziehung zur Welt, in der sie leben, oder zu einem Kollektiv. Es gibt zwei Typen des Romans: den psychologischen und den soziologischen Roman.
  • Allwissender Erzähler: Der Erzähler kennt alle Protagonisten.
  • Moralische, soziale und didaktische Intention: Der Schriftsteller verfolgt eine doppelte Absicht, eine moralische und eine belehrende. Es gibt einen doppelten Zugang: einen objektiven, konservativen Blick auf die Figuren und einen subjektiven, progressiven und erneuernden Blick.
  • Stil: Der Stil ist schlicht, nüchtern, direkt und klar. Er verzichtet auf poetischen Schmuck zugunsten von Klarheit, Genauigkeit und sprachlicher Präzision. Rhetorische Figuren treten zurück, es entsteht eine sachliche, sorgfältige Prosa.
  • Raum: Ausführliche Beschreibungen der Figuren, der Städte und der Umgebung.

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